Bjørnstjerne Bjørnson – Der Vater – Eine Erzählung

Foto: Erwin Raupp - Kristiania 1908
Foto: Erwin Raupp – Kristiania 1908

Der Mann, von dem hier erzählt werden soll, war der mächtigste im ganzen Gau; er hieß Tord Øverås. Eines Tages stand er kerzengrade und mit gewichtiger Miene vor dem Pfarrer in der Studierstube. »Mir ist ein Sohn geboren, und ich möchte ihn taufen lassen.« »Wie soll er heißen?« »Finn, nach meinem Vater.« »Und die Paten?« Er zählte sie auf; es waren Verwandte von ihm, die angesehensten Männer und Frauen des Gaus. »Ist sonst noch etwas?« fragte der Pfarrer und sah auf. Der Bauer zögerte. »Ich möchte gern, daß er allein getauft würde,« sagte er dann. »Also an einem Werktag?« »Nächsten Sonnabend mittag um zwölf.«
»Ist sonst noch etwas?« fragte der Pfarrer. »Weiter nichts.« Der Bauer drehte seinen Hut, als wollte er gehen. Da erhob sich der Pfarrer, ging auf Tord zu, nahm seine Hand und sah ihm in die Augen; »gebe Gott, daß das Kind Dir zum Segen werde!« Sechzehn Jahre nach diesem Tag stand Tord wieder vor dem Pfarrer in der Stube. »Du hast Dich gut gehalten, Tord,« sagte der Pfarrer, weil er ihn ganz unverändert fand. »Ich habe ja auch keine Sorgen,« antwortete Tord. Da schwieg der Pfarrer; nach einer Weile aber fragte er: »Was hast Du denn heut für ein Anliegen?« »Ich komme wegen meines Sohnes, der morgen konfirmiert wird.« »Es ist ein braver Junge.« »Ich möchte den Herrn Pfarrer erst bezahlen, wenn ich weiß, der wievielte der Junge in der Kirche ist.« »Er wird Nummer eins sein.« »Schön, – hier sind auch zehn Taler für den Herrn Pfarrer.« »Ist sonst noch etwas?« fragte der Pfarrer und sah Tord an. »Sonst nichts.« – Tord entfernte sich. Wieder gingen acht Jahre dahin; da war eines Tages vor dem Arbeitszimmer des Pfarrers großer Lärm, und herein kamen viele Männer, an ihrer Spitze Tord. Der Pfarrer sah auf und erkannte ihn gleich. (mehr …)

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