Raphael M. Bonelli | Selber schuld!

Raphael M Bonelli • Selber schuld! • Ein Wegweiser aus seelischen Sackgassen

Raphael M. Bonelli Selber schuld! - BuchCover
Raphael M. Bonelli – Selber schuld! – BuchCover

Beschreibung
Heute verdrängen wir nicht mehr Sexualität, sondern Schuld: Klopft das Schuldgefühl an der Türe des Bewusstseins, geben wir schnell die heiße Kartoffel an andere weiter. Eltern, Lehrer, Ehepartner – alle sollen schuld sein, nur damit wir uns nicht schuldig fühlen müssen. Beim Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli legt sich die Unschuld auf die Couch. An vielen Fällen aus seiner Praxis zeigt er: Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid machen unfrei, bitter und oft auch wirklich krank. Der korpulenten Patientin ist klar: »An meinem Gewicht ist meine Familie schuld!« Der Ehemann schiebt den Seitensprung, bei dem er ertappt wurde, seiner bigotten Umgebung in die Schuhe, denn: »Ein gesunder Mann braucht das!« Und der überführte Dopingsünder sieht sich als Opfer der Medien. Bonellis Therapievorschlag lautet: Persönliche Schuld erkennen und selbst Verantwortung für das eigene Tun übernehmen. Wer zu einem schmunzelnden „Selber schuld!“ bereit ist, kann auch leichter anderen verzeihen. (mehr …)

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Der gestohlene Mord ∑ Karel Capek – Eine Kurzgeschichte

Jakub Schikaneder - Murder in the House - 1890

trennlinie2Der gestohlene Mord

»Das erinnert mich an einen Fall«, sagte Herr Houdek, »der auch großartig durchdacht und wunderbar vorbereitet gewesen ist. Ich fürchte nur, daß Ihnen die Geschichte nicht gefallen wird, weil sie eigentlich kein Ende und keine rechte Lösung hat. Wenn ich anfange Sie zu langweilen, dann sagen Sie es mir nur, und ich höre sofort auf.

Wie Sie vielleicht wissen, wohne ich in der Krucemburggasse in den Weinbergen. Das ist eine dieser kurzen Quergassen, in denen es nicht einmal ein Wirtshaus gibt, keine Wäscherei, nicht einmal einen Kohlenhändler; dort geht man um zehn Uhr schlafen, ausgenommen jene Genießer, die das Radio aufdrehen und erst um elf ins Bett kriechen. Die Bevölkerung der Gegend besteht aus stillen Steuerträgern, Beamten bis zur siebenten Rangklasse, einigen Aquarienliebhabern, einem Zitherspieler, zwei Briefmarkensammlern, einem Vegetarianer, einem Spiritisten und einem Geschäftsreisenden, der selbstverständlich Theosoph ist. Den Rest machen die Quartiergeberinnen aus, bei denen die Obgenannten in ›sauberen, elegant eingerichteten Zimmern mit Frühstück‹ wohnen – so heißt es wenigstens in den Inseraten. Einmal in der Woche, am Donnerstag, pflegte der Theosoph erst um Mitternacht nach Hause zu kommen, dieser Abend gehörte irgendwelchen geistigen Exerzitien. An den Dienstagen hatten die Aquarianer ihre Vereinsversammlungen, an diesem Tag kamen sie ebenfalls erst gegen Mitternacht heim und stritten sich gewöhnlich noch unter der Laterne über Schleierschwänze und Lebendgebärende herum. Vor drei Jahren geschah es sogar, daß ein Betrunkener durch die Gasse kam. Man nimmt an, daß er aus Koschirsch war und sich nur zu uns verirrt hatte. Täglich aber um Viertel zwölf kam da ein Russe nach Hause, ein gewisser Kovalenko oder Kopytenko, ein eher kleiner Mann mit einem dünnen Bärtchen; er wohnte auf Nummer sieben bei Frau Jansky. Wovon der Russe lebte, wußte man nicht. Bis gegen fünf Uhr faulenzte er zu Hause, dann sah man ihn mit einer Aktentasche zur nächsten Straßenbahnhaltestelle gehen und in die Stadt hineinfahren. Punkt Viertel zwölf stieg er ebendort aus der Straßenbahn und bog in die Krucemberggasse ein. Später behauptete jemand zu wissen, daß der Russe die Zeit zwischen fünf und elf Uhr in einem Kaffeehaus verbringe, wo er mit anderen Russen herumstreite. Es gab aber auch Leute, die behaupteten, der Mann könne überhaupt kein Russe gewesen sein, weil Russen niemals so zeitig nach Hause gehen. (mehr …)

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