Moder Dwarksch – Sagen aus der Hanse

Paul Klee bebende Kapelle, 1924
Paul Klee bebende Kapelle, 1924

In alten Zeiten lebte in dem Keller an der Ecke des Kohlmarkts eine wohlhabende Familie; die war fromm und gottesfürchtig, außer der Frau, die aller Bosheit voll und mächtig gewesen. Diese hat endlich nur noch in ihrem großen ledernen Lehnstuhl am Ofen gesessen und Tag und Nacht die Leute gequält und durch schändliche Reden geärgert. Es half auch nicht, daß man getreue Nachbarn, gute Freunde, den Beichtvater, ja die hochweisen Herren selber dazu gerufen: es hat sie keiner in ihrem Wesen ändern können. Nachdem sie nun ihren Mann unter die Erde, ihre Kinder aber zur Verzweiflung gebracht, hat sie auch daran glauben müssen und ist dahingefahren. Als aber am Abend nach dem Begräbnis die Haut verzehrt (das Leichenmahl gehalten) wird, ist der lederne Lehnstuhl auch wieder besetzt; Moder Dwarksch ist wieder da, treibt mit Schelten und Schimpfen die Gesellschaft wie Spreu auseinander und hat ihr Wesen vor wie nach, nur daß sie noch gelber und verschrumpelter und unheimlicher ausgesehn. Vergebens suchte man sie durch kluge Frauen, durch den Schäfer, durch den Wasenknecht, durch einen frommen Mönch zu bannen: sie saß nach wie vor in ihrem Lehnstuhl und wurde nur grimmiger. (mehr …)

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Sagen aus Posen – Das Gespensterhaus von Danzig

Der Artushof in Danzig - Innenaufnahme - Motiv von einer alten Postkarte
Der Artushof in Danzig – Innenaufnahme – Motiv von einer alten Postkarte

In Danzigs vornehmster Straße, der Langengasse, stand lange Zeit hindurch ein halbfertiges Haus, an dem die große Menge von Spaziergängern und Einkaufslustigen, die von früh bis abends hier unterwegs war, nur scheu vorüberhastete. Es war verbürgt, daß jeder, der es wagte, in diesem Haus eine Nacht zuzubringen, am Morgen eine Geldbörse mit Dukaten an seinem Bett vorfand, aber daß er auch viel an Schrecken durchzumachen hätte. Doch niemand, der sie erlebt und, mit Dukaten belohnt, sich wieder des Morgenlichts erfreuen durfte, war bereit, das Geheimnis des Hauses preiszugeben. (mehr …)

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