Die Müllprinzessin – Eine Kindergeschichte von Dagmar Finger

Müllprinzessin nach einem Motiv von Zinaida SerebriakovaEs waren noch vier Wochen bis Weihnachten, als man sie nicht mehr wollte.
Da sie für niemanden mehr von Nutzen war und keiner sie mehr lieb hatte, warf man sie auf den Müll.
Ihre schönen langen blonden Haare, sonst zu Zöpfen geflochten, verfilzten. Das blaue Kleid mit den roten Rosen wurde schmutzig und stellenweise zerriss es. Ein Schuh fehlte, und das rechte Bein hing verdreht an ihrem Körper. So sah sie sich, als sie erwachte. (mehr …)

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Louise Anklam: Kindergeschichten – Der Wunderdoktor

JESSIE WILLCOX SMITH (1863-1935)
JESSIE WILLCOX SMITH (1863-1935)

Am Fenster eines luxuriös ausgestatteten Zimmers saß die kleine zehnjährige Edith und schaute gelangweilt auf das muntere Treiben der Straßenjugend.
Sie war das einzige Kind sehr reicher Eltern, und wurde sehr verwöhnt, denn jeder ihrer Wünsche wurde erfüllt, wenn diese auch oft recht töricht waren. Daher kam es, daß sie an nichts Freude fand, auch nicht mehr wußte, was sie sich wünschen sollte, und nicht wie andere Kinder ihres Alters froh und heiter umhersprang. Das schlimmste aber war ihre Unlust zum Lernen, was das Herz der Eltern mit größter Besorgnis erfüllte. Alle Vorstellungen und herzlichen Bitten derselben waren bei dem verzärtelten Liebling bis jetzt erfolglos geblieben.
Von einer höheren Töchterschule wurde Edith in die andere gebracht, doch stets hatte sie zu klagen und dies und jenes auszusetzen. Bald waren es die Lehrerinnen, welche ihr nicht gefielen, bald die Mitschülerinnen, die sie ärgerten oder sich über sie lustig machten. (mehr …)

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Louise Anklam: Kindergeschichten – Der wilde Arno

Betende - Sergej Romanov
Betende – Sergej Romanov

Arno war der Sohn einer Predigerwitwe: sein Vater war schon gestorben, als er kaum sechs Jahre zählte.
Da seiner Erziehung nun dessen strenge, leitende Hand fehlte und die Mutter gegen ihren Liebling oft allzu nachsichtig war, daher kam es auch wohl, daß er zuweilen über die Stränge schlug und recht übermütig war.
Er war ein kluger, geweckter Junge mit freundlichen blauen Augen, und trotz seiner wilden Streiche hatte ihn jedermann sehr gern. Auch seine Schulkameraden waren ihm sehr zugetan. Wenn er einmal unter ihnen fehlte, so hieß es einstimmig: »Schade, daß der Arno heute nicht hier ist, nun ist es lange nicht so lustig.« Das verhielt sich auch wohl so, denn stets war er der Anstifter aller tollen Streiche, welche die ausgelassene Knabenschar vollführte. (mehr …)

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Louise Anklam: Kindergeschichten – Der Mutter Geburtstag

Marc Louis Benjamin Vautier d. Ä.: "Kinder beim Mittagessen", 1857 Öl auf Leinwand. Galerie: Eremitage, St. Petersburg Stil: Realismus.
Marc Louis Benjamin Vautier d. Ä.: “Kinder beim Mittagessen”, 1857 – Öl auf Leinwand. Galerie: Eremitage, St. Petersburg -Stil: Realismus.

In dem Garten einer Villa saßen vier Schwestern einträchtig beisammen, um vertraulich etwas sehr Wichtiges miteinander zu beraten. –Es betraf den Geburtstag der Mutter, mit dessen Feier sie gar nicht recht zustande kommen konnten. Darin waren sie wohl alle einig, daß es etwas sehr Schönes, nie Dagewesenes sein sollte, womit sie die Mutter erfreuen und völlig überraschen wollten. Aber über das Wie und Was zerbrachen sie sich noch die Köpfe. –

»Wir wollen zu Tante Anna hinaufgehen,« sagte die Älteste, die dreizehnjährige Helene, »die weiß immer Rat und hilft uns gewiß das Beste zu finden.«
»Ja, das ist wahr, das wollen wir tun«, entgegnete sehr erfreut die zwölfjährige Olga. »Die Tante wollen wir bitten, das ist wirklich das Richtigste.« Und die beiden Kleinen, Erna und Hedwig, welche erst neun und zehn Jahre zählten, stimmten natürlich den beiden älteren Schwestern bei, und alle vier erhoben sich, um in das Zimmer der Tante zu eilen. (mehr …)

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