Lose Wortsammlung

Hier finden sich Sätze mit Kopfkino-Potential. Vielleicht wird mehr aus ihnen, vielleicht verbleiben sie hier. Möge der ein oder andere Satz Sie auf neue Ideen bringen. Und vielleicht fühlen Sie sich inspiriert, uns den Ball zurückzuspielen.

Hier war die Stelle, wo er sein Rendezvous hatte.
Sein letztes Rendezvous mit der Sonne. Dann gingen sie unter.

Beim leisen Flüstern deiner Stimme, platzt das Trommelfell auf der Rückseite.

Es war das kleine Schwarze unter ihrem Nervenkostüm, welches ihn magisch anzog. Als Mariella es ablegte, verfing er sich beim Anblick der schwarzen Wolle in den umher wehenden Drahtseilen.

Wie ein schüchternes Fragezeichen ging der alte Herr durch die Straßen des Städtchens; vorsichtig und mit leisem Tritt schlängelte er sich an den Häusern entlang, und wem er begegnete, dem wich er in weitem Bogen aus. Nicht, wie man anfangs geglaubt hatte, aus Hochmut, sondern aus reiner Bescheidenheit. – Charlotte Niese.

Ich kann Euch gar nicht sagen …
[seufzt]
[dreht sich um]
[steigt in die Kamelie]
[morpht in die Sonne]
[Sonne feixt]

„Trennung auf Zeit …“
„Mit Durchreiche?“
„Die Augen sind die Durchreiche der Seele.“
„Wir schaffen das schon.“
[klapp; klapp]

Eine fremde Dirne mit nackten Füßen und schwarzem Kleid, welche eine Granatblüte über dem Ohr in den schwarzen Locken stecken hatte, schritt wiederholt freien Ganges mit dem gefüllten Korb an ihm vorüber, ihm prüfende Seitenblicke zuwerfend. Endlich zeigte sie ihm ihre weißen Zähne, stieß ihn mit dem Ellenbogen leicht an und rief mit lauter Stimme in gebrochenem Schwyzerdeutsch: «Faulpelz! Anstatt da zu stehen, könntest du mir ein wenig zwischen die Arme greifen.»

Am Morgen stellt die Bäuerin, in einen weißen Kittel gekleidet, einen Holzfauteuil und einen geschnitzten, massiven Tisch auf die Veranda. Ruhe, Wasser, ein paar Akazien und im Hintergrund, in weiter Ferne, das das Massiv der Dolomiten. Hier bin ich König – mit einem Kittel in der Hand.

Still sank der Schnee auf die beiden herab. Sie standen auf dem Gehsteig und warteten darauf, dass sich die Türen der Braille-Galerie öffneten. Durch ein Loch in ihrem Handschuh spürte er die weiche Haut ihrer Handfläche. Ihm wurde warm.

Mutter: Wo kommt dieser fremde Junge her?
Pubertierende Tochter: Er ist nur geliehen, aber ich weiß nicht mehr von wem.

All jene Steine, die je in meinem Leben eine Rolle gespielt haben, tauchen rings um mich her auf. Manche quälen sich schwerfällig ab, sich aus dem Sande ans Licht emporzuarbeiten – wie große schieferfarbene Taschenkrebse, wenn die Flut zurückkommt, – und als wollten sie alles daransetzen, meine Blicke auf sich zu lenken, um mir Dinge von unendlicher Wichtigkeit zu sagen. Andere – erschöpft – fallen kraftlos zurück in ihre Löcher und geben es auf, je zu Worte zu kommen.  Ich wende mich ab, um den Adler über mir zu beobachten.

Ariane legt eine Hand auf meine Schulter, und da, wo sie mich berührt, wird es warm. Und dann küsst sie mich unvermittelt auf den Mund. Sie schmeckt nach Wein, Salz und nach warmer Haut. Wir küssen uns, und dabei nehme ich ihre blaugefärbten Kontaktlinsen wahr. Welche Farbe haben ihre Augen?
Wir hören auf, uns zu küssen. Sie schaut mich an und sagt, wir sollten uns morgen Abend treffen. Das sagt sie wirklich. Dabei habe ich ihr erklärt, dass ich Morgen abreise.

Die Journalistin klingelte an der Tür. Während Sie mit ihrem Presseausweis fuchtelte, sprach Sie hastig: “Ich weiß ja,  dass mein Besuch aussichtslos ist, Herr S..Und ich weiß auch, dass Sie mir nichts sagen werden, dennoch möchte ich von Ihnen wissen: wie interpretieren Sie Ihre Beteiligung an der Tat?!” Ich drückte ihr die Schachfigur des Springer in die Hand; strich durch Ihr Haar und sang das Lied von der Wanze während ich die Tür verriegelte.

Redaktion: Martina Gerlach & Oliver Simon

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