Haikumagie

Manchmal hakt es; die Worte kommen nicht und die Konzentrion fällt schwer. Dabei ist es eher entspannend sich einem Haiku zu widmen. Oder, dieses Bedürfnis habe ich immer wieder, die altbekannten Wortschatz verlassen, einen anderen Zugang finden. Hier sind einige Ideen für den kreativen Einstieg bzw. für den kreativen Umgang mit Haikus. Bei mir funktionieren sie; vielleicht bei Ihnen auch? Dabei lassen außen vor, ob es sich bei dem Ergebnis formal um ein Haiku, ein Senryū oder ähnlichem handelt.

Musik & Haiku

Poesie und Musik lassen sich wunderbar miteinander verbinden: Lauschen Sie einem Musiktitel und fragen Sie sich, welche Gefühle der Komponist zu erzeugen versuchte. Lesen Sie anschließend mehrere Haikus und erkunden Sie dort die Stimmung, die der Dichter, die Dichterin zu vermitteln versuchte. Überlegen, fantasieren Sie, wie bestimmte Wörter ein geistiges Bild zeichnen können. Zum Beispiel: Welches Gefühl vermittelt das Wort Grau? Welches das Wort Regen? Wie lassen sich Dur und Moll beschreiben? Welchen Einfluss hat ein Instrument auf die Beschreibung?
Schreiben Sie ein Haiku, das eine Emotion aus dem Musikstück widerspiegelt.

Haiku als Bild

Das Haiku ist eine Form der Lyrik, die ihren Ursprung in Japan hat. Haikus haben in der Regel drei Zeilen, die einem fünf-/sieben-/fünfsilbigen Format folgen. Wenn Sie Ihr eigenes Haiku schreiben, versuchen Sie es mit Pinselzeichnungen zu illustrieren. Sowohl Haikus als auch die Pinselmalerei konzentrieren sich typischerweise auf die Natur, und letztere zeichnet sich durch die Verwendung von schwarzer Tinte und Aquarellfarbe aus. Lassen Sie mit einer Pipette schwarze Farbe auf ein Stück Aquarellpapier tropfen, um mit dem Malen zu beginnen. Mit einem Strohhalm pusten Sie die Farbe über das Papier, um Baumäste, Blumenstängel, Tierkonturen usw. zu erschaffen. Mit der gleichen Technik können Sie verschiedene Farben hinzufügen, um Blumen, Wellen und so weiter zu kreieren.

Die Wortwand

Traditionelle Haikus enthalten ein Wort, das auf die Jahreszeit hinweist (Kigo). Welche Wörter finden Sie, die Hinweise auf Jahreszeit geben, in Ihr ein Gedicht Raum findet. Sammeln Sie diese Wörter schreiben Sie diese auf eine große Fläche. wie eine Tafel oder ein Schwarzes Brett, clustern Sie und schauen, was zueinander passt. Und sei im Widerspruch.

Die Haiku-Brille

Anstatt das “große Ganze” zu betrachten, konzentrieren sich Haikus auf die kleinen Dinge. Versuchen Sie Ihren Fokus einzugrenzen, indem Sie Haiku-“Schutzbrillen” anfertigen. Nehmen Sie eine kleine Pappröhre, die Sie wie ein Fernglas nutzen können. Alternativ können Sie auch ein echtes Fernglas nutzen oder den Sucher einer Kamera. Schauen Sie durch ihre “Brille” um ein Stück Gras, einen Käfer oder eine Pfütze zu studieren, und schreiben Sie dann ein Haiku darüber. Bei dieser Idee geht es darum sich auf ein Detail zu konzentrieren und dieses zu beobachten.

FotoHaiku

Eine weitere Idee ist, zu fotografieren oder sich ein Foto zu greifen und dieses in Form eines Haikus in Worte zu fassen. Greifen Sie sich dazu ein Detail heraus oder fassen Sie die Stimmung des Fotos zusammen. Sollte Ihnen der Zugang schwer fallen, machen Sie zunächst eine Stichpunkte. Dann clustern Sie, schaffen also Verbindungspunkte. Vermutlich kommen Sie so auf mehr als eins dieser Kurzgedichte.

Japanisches Kettengedicht – Ein Gemeinschaftswerk

Während es Mittelalters versammelten sich Dichter in Japan, um ein s.g. RengaGedicht zu schreiben. Die ersten drei Zeilen, Hokku genannt, galten als der wichtigste Teil des Gedichts, weil sie den Ton angaben. Schließlich entwickelten sich die Hokkus zu dem, was wir Haikus nennen. Schreiben Sie die erste Zeile, und geben Sie das Gedicht dann an die nächste Person weiter, die die zweite Zeile schreibt, und so weiter.

Beim Schreiben eines Haikus sollten Sie auf folgendes achten:

  • Ein Haiku reimt sich nicht und hat keinen Titel.
  • Das ideale Metrum für ein Haiku sind 5 Silben in der ersten Zeile, 7 in der zweiten, und 5 in der dritten.
  • Verben stören, denn man soll keine Bewegung ausdrücken. Der Gedanke hierbei ist, ein unbewegliches Bild oder ein Gefühl einzufangen.
  • Das Verb „sein“ sollte nicht eingefügt werden, denn es ist schon enthalten.
  • Die Einfachheit hat das Sagen.
  • Haiku ist kein reflexives oder zu Ende geführtes Gedicht.
  • Ein gutes Haiku drückt etwas aus, das über den Moment hinausgeht.
  • Doch zur selben Zeit ist es etwas, das nur „in dem Moment“ ausgedrückt werden kann.
  • Ein Haiku neigt dazu, Wörter zu verwenden, die einen Bezug zu Jahreszeiten haben. Allgemein eine Anspielung auf die Natur oder die gegenwärtige Jahreszeit.
  • Haikus sind privat, sie beziehen sich nur auf uns.
  • Deswegen sollten wir nur einfache oder simple Bilder imitieren oder benutzen…Ein gutes Gedicht verlangt Intimität, Bewusstsein und gefühlsmäßige Freiheit

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