Rezensionen

Morten Feldmann | Der perfekte Mann

Morten Feldmann – Der perfekte Mann

Morten Feldmann - Der perfekte Mann - Verlag Antje Kunstmann - Cover
Morten Feldmann – Der perfekte Mann – Verlag Antje Kunstmann – Cover

Wann ist ein Mann perfekt?
“Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass sogar mein Geschmack in Sachen Frauen von Frauen bestimmt ist. Jedenfalls fand ich Zeit meines Liebeslebens ausschließlich Frauen gut, die von anderen Frauen gut gefunden wurden: starke, energische Persönlichkeiten, die in allen Lebenslagen ihren Mann standen.” Sebastian Busch ist der perfekte Mann: von Frauen erzogen, vom Machotum angewidert und zur steten Arbeit an sich selbst entschlossen. Unter dem wohlwollenden Auge seiner Chefin widersteht er als Agent für Film- und Fernsehschauspieler sämtlichen Versuchungen der Branche und lässt sich überdies mit einer B-Schauspielerin verkuppeln, von der er weiß, dass er ihr unterlegen ist. Doch ein Rest von Unbeherrschtheit regt sich in Buschs domestizierter Seele: Eifersucht. – [Verlagstext]

Rezension:
Er behauptet von sich, der perfekte Mann zu sein. Und wenn Protagonist Sebastian Busch von sich erzählt, möchte man ihm das fast glauben, wäre da nicht diese Angeberei, sein Narzissmus & diese freche Arroganz. Auf Partnersuche ist Sebastian nicht, daher trifft ihn die Liebe überraschend: beim Kaffee holen in der Kantine. Eigentlich mag er keine Kantinen. Sie sind für den Agenten für Film- und Fernsehschauspieler kein angenehmer Ort. Daher könnte man es Schicksal nennen, dass Sebastian hier seine zukünftige Frau trifft, die gerade ihre Kollegen aufs köstlichste unterhält. Beim vorher abgehaltenen Casting war sie ihm nicht aufgefallen und war dem Kommt-nicht-in-Frage-Haufen gelandet. (mehr …)

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Chih-Yuan Chen | Gui-Gui das kleine Entodil

gui-gui
Cover der Lizenzausgabe Büchergilde Gutenberg

Ein Ei kullert in ein Nest mit Enteneiern. Obwohl dieses „verirrte“ Ei nicht nur viel größer ist als ihre eigenen ist, sondern auch noch ganz anders aussieht, nimmt die Entenmutter es als eines der ihren auf und brütet es aus. Was Chen übrigens wunderbar darstellt mit einer vorlesenden Entenmutter, die mit dem Buch auf dem übergroßen Ei tront.

Als vier kleine Küken aus den Eiern schlüpfen, lässt uns Chih-Yuan Chen an der Vielfalt des Lebens teilhaben: Die Entschlüpften unterscheiden sich in ihrem Aussehen deutlich. Eines hat blaue Tupfen und bekommt den Namen Buntstift. Das zweite Küken hat Streifen und wird Zebra getauft. Dem dritten Ei entschlüpft ein gelbes Küken namens Mondschein. Und aus dem „KuckucksEi“ schlüpft ein kleines blaugraues Krokodil, das unaufhörlich „gui-gui“ spricht. Deshalb wird es auch einfach Gui-Gui gerufen. (mehr …)

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Richard Matheson Hinter dem Horizont

„Das Ende ist nur der Anfang“ heißt es im Roman „Hinter dem Horizont“ von Richard Matheson.

This is the front cover art for the book What Dreams May Come written by Richard Matheson. The book cover art copyright is believed to belong to the publisher, G. P. Putnam's Sons, or the cover artist.
This is the front cover art (1978) for the book “What Dreams May Come” by Richard Matheson. The book cover art copyright is believed to belong to the publisher, G. P. Putnam’s Sons, or the cover artist.

Chris Nielsen, ein angesehener Arzt, lernt seine Seelenverwandte, die Künstlerin Annie Collins kennen. Beide verlieben sich unsterblich ineinander, heiraten und gründen eine Familie. Nach einigen Jahren des wunderbaren Zusammenlebens steht ihrem Glück jedoch der Tod im Wege. Sowohl ihre beiden Kinder als auch Chris kommen ums Leben. Annie, die Künstlerin farbenfroher Bilder, sieht keinen Ausweg aus ihrem Kummer, als sich das Leben zu nehmen. Dafür landet sie in der Hölle. Interessant ist, dass Matheson die Hölle nicht als solche darstellt, wie man sie aus vielen Beschreibungen kennt. Die Hölle ist für ihn ein Ort, den man sich selbst mit eigenen Gedanken erschafft. Es ist ein Ort voller Finsternis und Kummer, aus dem man nicht herauskommen kann, solange man sich den Problemen nicht stellt und versucht gegen die eigenen Dämonen anzukämpfen. Man hält sich selbst in der Dunkelheit gefangen. Außer Annie existieren in der Hölle keine weiteren Gestalten. Das weist darauf hin, dass die Hölle dem eigenen Kopf entspricht, in dem sich das Unterweltszenarium abspielt. Tot ist man, wenn man für nichts mehr lebt. (mehr …)

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Stephan Hebel & Gregor Gysi | Ausstieg links?

Ausstieg links? – Eine Bilanz. Ein spannendes biografisches Interview. Westend Verlag, Frankfurt/Main. – Eine Rezension von Erich Ruhl.

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Stephan Hebel zeigt Gregor Gysi in dessen unbescheidener Bescheidenheit Ein biografisches Interview.

Obacht: das Buch ist kein Nachruf. Eher ein Weckruf. Stephan Hebel porträtiert Gregor Gysi in einem spannenden Interview nach dessen Entscheidung, nicht mehr für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren. Der gewandte Journalist trifft den charmanten Dr. Gregor Gysi, der viele Menschen aus der DDR in die BRD-Demokratie mitnehmen konnte und die Linke bis heute öffentlich prägt.

Unverstellt, frisch, klug, feinfühlig, selbstkritisch, witzig, respektvoll („wissen Sie, ich hasse einfach nicht zurück…“), unverwechselbar: Gysi als eigenständige Liga im Berliner Politikbetrieb. (mehr …)

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