Rezensionen & Bücherleben

Joyce Carol Oates | Über Boxen

Joyce Carol Oates • Essays über das Boxen

Buchcover MANESSE
Buchcover MANESSE

Über das Buch
“Joyce Carol Oates’ Box-Bibel ist seit ihrem ersten Erscheinen 1987 ein Kultbuch: Scharfsinnig geht die Autorin darin dem Faszinosum Boxen auf den Grund und widerlegt so manches Vorurteil. In der um zahlreiche Texte erweiterten Neuausgabe sind Oates’ sämtliche Essays übers Boxen in einem Band vereint.
Der Boxring ist ein Ort bewegender Dramen und unvergesslicher Momente. Die Geschichten der Champions handeln von bemerkenswertem Aufstieg und tiefem Fall, von Durchhaltevermögen und Selbstüberschätzung. Joyce Carol Oates zeichnet einfühlsame Porträts von den berühmten Boxlegenden: von Jack Johnson, der als erster Schwarzer den Weltmeistertitel im Schwergewicht errang. Von Joe Louis, dessen K.-o.-Sieg über den Deutschen Max Schmeling am Vorabend des Zweiten Weltkriegs als historisches Vorzeichen gedeutet wurde. Und von der Ikone Muhammad Ali, deren Strahlkraft bis heute weit über den Sport hinausreicht. (mehr …)

Weiterlesen Joyce Carol Oates | Über Boxen

Raphael M. Bonelli | Selber schuld!

Raphael M Bonelli • Selber schuld! • Ein Wegweiser aus seelischen Sackgassen

Raphael M. Bonelli Selber schuld! - BuchCover
Raphael M. Bonelli – Selber schuld! – BuchCover

Beschreibung
Heute verdrängen wir nicht mehr Sexualität, sondern Schuld: Klopft das Schuldgefühl an der Türe des Bewusstseins, geben wir schnell die heiße Kartoffel an andere weiter. Eltern, Lehrer, Ehepartner – alle sollen schuld sein, nur damit wir uns nicht schuldig fühlen müssen. Beim Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli legt sich die Unschuld auf die Couch. An vielen Fällen aus seiner Praxis zeigt er: Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid machen unfrei, bitter und oft auch wirklich krank. Der korpulenten Patientin ist klar: »An meinem Gewicht ist meine Familie schuld!« Der Ehemann schiebt den Seitensprung, bei dem er ertappt wurde, seiner bigotten Umgebung in die Schuhe, denn: »Ein gesunder Mann braucht das!« Und der überführte Dopingsünder sieht sich als Opfer der Medien. Bonellis Therapievorschlag lautet: Persönliche Schuld erkennen und selbst Verantwortung für das eigene Tun übernehmen. Wer zu einem schmunzelnden „Selber schuld!“ bereit ist, kann auch leichter anderen verzeihen. (mehr …)

Weiterlesen Raphael M. Bonelli | Selber schuld!

Hartmut Fladt | Der Musikversteher

Hartmut Fladt • Der Musikversteher • Was für fühlen, wenn wir hören

av_fladt_musikversteher_korr.indd
BuchCover

Klappentext
Was hören wir – und wenn ja, warum?
Warum lieben wir die eine und hassen die andere Musik? Wer erschuf den mächtigsten musikalischen Orgasmus der Geschichte? Wie können wir uns vor Ohrwürmern schützen? Hartmut Fladt entschlüsselt die Magie unserer Lieblingslieder, ohne sie kaputt zu analysieren, und erzählt Geschichten über ihre Schöpfer. Ob Vivaldi, Michael Jackson oder die No Angels: Wenn Hartmut Fladt die Ohren spitzt, lüften sich die Klangschleier, und wir finden endlich bewiesen, dass E nicht besser ist als U und die Beatles künstlerisch so wertvoll sind wie Mozart. Denn Musik ist eine uralte Sprache, die wir alle verstehen können. Hartmut Fladt reicht uns das Handwerkszeug dazu – unterhaltsam, lässig, witzig. (mehr …)

Weiterlesen Hartmut Fladt | Der Musikversteher

Hans Paasche: Brief 9 – Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland

Neunter Brief

Birkhain, den 15. Oktober 1913.

Hans Paasche-ReiseMukama, Herr der Rinder!

Seit drei Monden bin ich wieder in einer Einsamkeit und lebe auf einem Berge und in einem Walde. Hier traf mich beides: Regen und Sonne; beides: Kälte und Wärme; beides: Leid und Freude, bis endlich die Freude größer war, und das war in den letzten Tagen. Es kamen da die, welche mich lehrten, daß es eine große Hoffnung gibt in dem Volke der Wasungu. Von ihnen will ich Dir jetzt erzählen.

Als ich zum Bergwald zog, war die Zeit der Kornernte, dann begann der Gras- und Kräuterschnitt, und als der Mond wiederkehrte, gruben die Bauern die Knollen aus der Erde und pflückten die Früchte. Da war es eines Morgens. Ich hatte die wilden Horntiere belauscht, die in dem Wald brüllten, weil die Zeit ihrer Zeugung war, und ich hatte an Weisheit zugenommen, denn auch in diesem Lande sind die Tiere die einzigen Lehrmeister des Menschen. Nun legte ich mich in meiner Grashütte am Bergbache zur Ruhe. Da hörte ich unten am Wege Stimmen und erkannte in einem Rudel junger Wasungu einen Bekannten, den Mann vom Stamme der Korongo. Ich schnürte mein Bündel und eilte den Wanderern nach. Ich ergriff die Hand des Korongo. Er freute sich, und alle waren gut zu mir, die Knaben und die Mädchen. Denn auch Mädchen waren darunter, und ich sah, daß diese schön waren. Gehen konnten sie und springen; sprechen, lachen und singen. Sie hatten kein Leibgerüst und keine Zwangsschuhe. Sie trugen keine Steißfedern wilder Tiere auf dem Kopfe. Ihr eigenes Haar hing in goldenen Flechten über den Rücken, und Kränze roter Beeren schmückten die Köpfe. Als Lukanga das alles sah, war er froh und folgte ihnen, wohin sie gingen: den Berg hinab und wieder auf einen andern Berg hinauf, wo ein alter Häuptlingssitz emporragte. (mehr …)

Weiterlesen Hans Paasche: Brief 9 – Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland

Hans Paasche: Brief 6 – Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland

Sechster Brief

Hans Paasche-ReiseMukama! Freund der Stiere!

Die Berge und Täler Kitaras sind durch schmale Steige verbunden, auf denen Rinder, Schafe und Menschen gehen. Wo der Boden von Quellen erweicht ist, treten die Rinder in ihre alten Spuren und lassen Erdschollen wie Schwellen zwischen ihren Tritten. Über die Papyrussümpfe der Talsohlen legen Deine Wahutu Rohrbündel, und am Strom wartet ein ausgehöhlter Baumstamm, der als Fähre dient. An den Strohhütten unterm Felsen stehen Bananen: das Korn lagert in geflochtenen Körben, die auf Pfählen stehen, und in einer hohlen Kürbisschale reicht ein Mädchen dem Wanderer den Honigtrunk. Die Häuptlinge der Vulkane Karissimbi, Sabinjo, Niragongo grüßen herüber. Die Wolken, die über ihnen lagern, ergießen ihre Tropfen auf die Täler, und das Wasser fließt in lieblichen Bächen zur Ebene des Kagara. Und jetzt wende Deinen Blick von dieser erhabenen Ruhe und Schönheit in das Land der Wasungu. Es ist, als wenn Du auf einen Schwarm von Termiten sähest, die der Steppenbrand in Todesangst versetzte. Die einen tragen hier, die anderen dorthin Steinchen, Eier, Blätter. Du kannst nicht von Wanderern sprechen, auch nicht von Fußwegen und von der Ruhe der Täler. Die Wasungu rasen durch ihr Land hin und her. Sie ebnen die Wege, legen glatte Eisenbalken darauf und lassen Wagen darauf entlang toben, in die sie sich setzen. Du glaubst, sie hätten sehr Wichtiges am andern Ort zu tun. Ich habe das noch nie erfahren. Sie haben wie wir Eltern, Geschwister und Kinder, die krank werden oder sterben, sie haben Sorgen und Änste. Deshalb, sagen sie, rasen sie durch das Land; also in all den Fällen, in denen wir in Kitara gehen oder zu Hause bleiben. Aber noch merkwürdiger ist, was sie mit den Sachen anstellen, die sie überall zusammenkratzen. Auch die packen sie auf Wagen und lassen sie völlig sinnlos so schnell durch das Land fahren, daß man nicht nebenher laufen kann. Sinnlos sage ich; denn ich sah es oft, daß Wagen aneinander vorbeifahren, die mit derselben Ware beladen sind. Überall an diesen Eisenbalkenstraßen stehen Männer, die aufpassen, pfeifen, b asen und winken, klingeln und nach den Zeitzeigern sehen, die aufgestellt sind oder die sie an einer Kette am Leibe tragen. Diese Narrheit nennen sie Verkehr und halten den Unfug für so wichtig, daß sie nachts nicht schlafen, sondern Fackeln anstecken und bunte Lichter schwenken. Die Menschen, die in den Wagen fahren, haben Bücher, in denen geschrieben steht, wie schnell die Wagen hin und her rasen. Sie sehen immerzu in diese Bücher und auf die Zeitzeiger in ihren Kleidertaschen. Die ältesten Leute noch freuen sich kindisch über diese Verrücktheiten. (mehr …)

Weiterlesen Hans Paasche: Brief 6 – Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland