Wer schlafende Hunde weckt – Christopher Brookmyre – Rezension von Bettina Schnerr

Cover: Wer schlafenden Hunde weckt - Christopher Brookmyre

Kurzbeschreibung

Glasgow, Mitte des letzten Jahrzehnts. Jasmine Sharp müsste eigentlich jubeln: Endlich hat sie einen Job. Ihr Onkel Jim, Privatdetektiv, Ex-Cop und ihr einziger Verwandter, hat es nett gemeint und sie zu seiner Assistentin gemacht. Aber besonders geschickt angestellt hat sie sich bisher nicht. Wenn man ehrlich ist, muss man sogar zugeben: Als Privatdetektivin ist sie eher lausig. Doch als Jim plötzlich spurlos verschwindet, muss Jasmine über sich hinauswachsen: Auf eigene Faust und geplagt von Selbstzweifeln beginnt sie zu ermitteln. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf Tron Ingrams, der ihr mit seiner brutalen und verschlossenen Art Angst macht und offensichtlich mehr weiß als er sagt. Schnell muss Jasmine feststellen, dass sie es mit Gegnern zu tun hat, die vor nichts zurückschrecken. Ohne es zu wissen, ist sie dem größten Korruptionsskandal auf der Spur, den Glasgow je erlebt hat. Und sie erkennt, dass sie und Ingrams mehr verbindet, als ihr lieb ist.

Rezension

Den ersten Roman von Christopher Brookmyre erhielt man auf den britischen Inseln 1997 und in diesen 15 Jahren seit dem Debut etablierte sich der Schotte in Großbritannien als Kultautor, wenn man den Pressehymnen glauben kann. Anno 2012 hat endlich auch ein deutscher Verlag den Autor für sich entdeckt und den Beginn einer hoffentlich langen Reihe von Übersetzungen gestartet. Und eine, die bitteschön richtig herumgehen sollte zwischen Bibliotheken, Buchhändlern und Lesern.

Brookmyre stellt uns Jasmine Sharp vor, die in der Detektei ihres Onkels aushilft. Ihr Job als Schauspielerin bringt nicht viel ein und mit kleinen Observationen und Ermittlungen für Onkel Jim kann Sharp immerhin Miete zahlen und sich versorgen. Wie der Klappentext schon verrät, ist ihr Problem allerdings ist ein bescheidenes Selbstbewusstsein gepaart mit wenig Geschick. Und mit dem Gedanken im Hinterkopf, sie vermassele ohnehin alles, geht natürlich das eine oder andere wirklich in die Binsen. Sowas kann sie sich allerdings nicht mehr leisten, als bei der Suche nach ihrem verschwundenen Onkel unverhofft Ärger ins Haus steht. Die Polizei findet es typischerweise überhaupt nicht tragisch, wenn ein erwachsener Mensch mal für ein paar Tage nicht aufkreuzt. Aber ein Unbekannter wird sehr wohl nervös und Jasmine Sharp kann sich Ungeschick plötzlich nicht mehr leisten.

Zeitgleich ermittelt Detective Inspector Catherine McLeod einen Mord, der auf rivalisierende Drogenhändler hinweist. Freilich ahnt man von Beginn an, dass sich die Fährten von Sharp und McLeod irgendwann kreuzen werden. Aber wie die Zusammenhänge wirklich sind, dreht und wendet Brookmyre fast 400 Seiten lang von links auf rechts und wieder zurück. Meint man, endlich einen Hinweis entdeckt zu haben, pulverisiert der sich nach einigen Seiten ganz sicher wieder. Das gelbe Buch mit dem ungewöhnlichen schwarzen Buchschnitt legt man dank dieser kurvigen Fahrt nach den ersten Seiten nur noch ungerne aus der Hand. Brookmyre bleibt wie ein Rallye-Fahrer immer auf der Strecke; logische Stolperer gibt es nicht, immer Volldampf durch falsche Fährten und reichlich Verwirrung.

Bemerkenswert finde ich, dass trotz des Tempos die Figuren nicht auf der Strecke bleiben. Sharp übersteht die Strapazen sicher hauptsächlich, weil sie einen Helfer hat. Aber unter Druck kann sie offensichtlich gut arbeiten und mit der richtigen Portion Konzentration, die sie auf der Bühne als Schauspielerin durchaus hinbekommt, schafft sie ihre Herausforderungen besser als erwartet. Auch mit McLeod ist eine tolle Figur gelungen. Sie muss Familie und einen nervenzehrenden Beruf ausbalancieren – sie muss Grenzen ziehen, was sie an Gedanken mit nach Hause nimmt und wie sie ihren kleinen Buben den Unterschied zwischen Gut und Böse erklärt. Nichts, worum man sie beneidet, wenn auf der einen Seite die kindliche Faszination an „Räuberpistolen“ herrscht und auf der anderen Seite die skrupellosen „Räuber“ beileibe nicht immer von der Polizei hübsch verhaftet werden können. Die Geschichten aus der Glasgower Unterwelt kosten Nerven.

Jasmine Sharp taucht in „When the devil drives“ wieder auf, das 2012 in England veröffentlicht wurde. Eine mögliche Serienentwicklung lässt hoffen, dass mehr Brookmyre aus Berlin zu erwarten ist. Bis dahin allerdings verschaffe ich mir wohl das eine oder andere Original, die alleine wegen der ungewöhnlichen und knalligen Cover auffallen. In diesem Fall übrigens wurde das Design des Originals passenderweise Eins zu Eins übernommen.

ISBN: 978-3-86971-063-1

Verlag: Galiani

Erstveröffentlichung:  2011 (Original), 2012 (Deutsche Übersetzung)

Originaltitel: Where the bodies are buried

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