Wenn Migranten-Mütter ein Netzwerk gegen Sprachprobleme gründen

Antonie Volkmar (1827-1867) Berlin -1860 Öl/Leinwand - © Deutsches Historisches Museum, Berlin In. Nr.: 1991/3264
Antonie Volkmar (1827-1867) Berlin -1860 – Öl/Leinwand – © Deutsches Historisches Museum, Berlin – In. Nr.: 1991/3264

Wie schnell lernt sich eine Sprache im fremden Land? Und so, dass es sich auch über die Banalitäten des Alltages verständlich kommunizieren lässt. Eine Woche? Einen Monat? Ein Jahr? Für viele unvorstellbar. Besonders dann, wenn sie als Migranten in Deutschland eintreffen und von ihnen erwartet wird, zusätzlich noch das Behördendeutsch zu verstehen. Sofort. In staatlich geförderten Deutschkursen lässt außerdem oft die Qualität zu wünschen übrig; was weniger an den Dozenten liegt, sondern an den Konzepten der Bildungsträger.
Um diese Sprachbarrieren zu überwinden haben sich in der Hansestadt Lüneburg 13 Mütter aus Russland, Äthiopien, Syrien, dem Kosovo, Peru, Tunesien, Libanon, Madagaskar, El Salvador, Venezuela, Ägypten und Turkmenistan zusammengeschlossen und das „Migranten-Eltern-Netzwerk“ gegründet. Ziel dieses Netzwerkes ist es, sich und anderen verlässlich zu helfen und bei der Integration zu begleiten: beim Erlernen der Sprache, bei Behördengänge und wider die „Migranten-leben-unter-ihresgleichen-Mentalität“. Eine weitere Hoffnung: Arbeit zu finden, auch außerhalb des Niedrigstlohnsektors.

Ein Appell an die „Deutschen“: manche denken, sie müssten nur laut, deutlich und langsam sprechen, dann würden sie schon verstanden. Wenn Ihnen eine Turkmenin laut, deutlich und langsam erklären würde, wer sie ist (nicht wie sie heißt), würden Sie diese dann auch verstehen?
Auch wenn das Projekt im Nachhinein von Land, Kreis, Stadt und der VHS unterstützt werden, die Mütter wollen selbst tätig werden und somit mehr Kontrolle über die Entwicklung behalten.

In den Räumen der VHS treffen sie sich regelmäßig, um Alltagsprobleme zu besprechen und an ihren Sprachkenntnissen zu arbeiten. Ihr aktuelles Ziel: ErziehrInnen und LehrerInnen ins Boot zu holen, denn in Kindergarten und Schule lauern zahlreiche Probleme. Wenn die Migrantenkinder Zettel aus der Schule mitbringen, werden diese oft von den Eltern nicht verstanden; diese haben in ihren Heimatländern oft genug weder schreiben noch lesen gelernt. 
Ein weiteres Verständigungsproblem: kommt ein Kind mit der Note 5 oder 6 heim, freuen sich die Eltern, weil dies in ihrem Heimatland eine gute Zensur ist. Anmerkungen in Zeugnissen oder Klassenarbeiten verstehen sie nicht und können deshalb mit ihren Kindern auch nicht adäquat darüber reden. Und: ist ihr Kind krank oder fehlt in der Schule, wissen Eltern oft nicht, was zutun ist. Manche Problemchen klingen vielleicht arg banal, können aber sehr ärgerlich ausarten.
Ein Wunsch der Migranten-Mütter: dass sich deutsche Eltern anbieten, ebenfalls zu helfen und ihnen die Kniffe und Tricks beibringen.

Gibt es in Ihrer Stadt vergleichbare Selbstinitiativen? Berichten Sie uns gern davon.

Foto:  Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

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