Auerhuhn ω Tierisch wild und leider bedroht

Auerhahn - Foto: Sven LindholmDie Turnierarena der Kampfläufer wird oft Balzplatz genannt. Doch dieser Ausdruck stammt von den Auerhühnern. Während die Kampfläufer ein fast geräuschloses Schauspiel veranstalten, ergehen sich die Auerhähne in einer Fülle von Geräuschen. Sie balzen.

Auf den offenen Heideflächen oder tief in den Heidehügeln haben sie ihre Plätze, die sich, wie man weiß, von Generation zu Generation vererben können, länger als ein Menschenalter währt. Sie sind anscheinend seßhafter als die Kampfläufer, von denen man bisher nur weiß, daß sie einen Platz bis zu sechs Jahre hintereinander benutzt haben.

Früh im März beginnt das Balzspiel der Auerhähne. In der ersten Morgendämmerung hört man ein lebhaftes Kullern und blubberndes Gurgeln, das in Seufzer übergeht und dann mit heiserem Zischen abbricht. Ihre Kehllaute kann man mit dem Krächzen des Raben oder mit dem Meckern der Ziegen vergleichen. Man sagt, daß die Vögel den in Jütland gebräuchlichen Namen Orrhahn bekommen haben, weil ihr Balzruf wie orr orr klingt. Doch in Wirklichkeit besteht der Gesang des Auerhahnes nicht aus einem einzelnen Laut. Bald klingt er wie ein schwacher Eselsschrei, bald wie Fröschequaken, er ist nach allen Seiten zu hören, noch bevor man die Vögel sehen kann. Aber jedesmal, wenn das Kullern mit dem Zischen abbricht, weiß man, daß an der Grenze ihrer Territorien zwei Vögel einander genau gegenüber hochfliegen. Jeder Hahn hat seine eigene Domäne, die viel größer ist als der gemeinsame Platz der Kampfläufer. Sie unterscheiden sich von den Kampfläufern auch dadurch, daß sie nicht gemeinsam kämpfen. Der einzelne Vogel kämpft seinen eigenen Kampf an der Grenze seines Gebietes.  Wenn es hell wird, sieht man die Hähne mit zitterndem, leierförmigem Schwanz, in dem die Deckfedern aufgerichtet stehen wie weiße Spiegel. Die Hautfalten über dem Schnabel sind mit Blut gefüllt und recken sich aufrecht wie feuerrote Kämme. Die sausenden Schwingen schleifen über die Erde, und mit einwärts gerichteten Zehen trippeln die Hähne voreinander her, bis sie zornig in die Luft fliegen und mit offenen Schnäbeln zischen. Sie halten sich nicht so lange oben wie die Kampfläufer, sondern gleiten schwerfällig auf die Erde, dann fliegen sie wieder hoch. Manchmal geraten sie aus dem Takt, dann ist einer oben, der andere unten. An fünf oder sechs verschiedenen Stellen im Heidekraut kämpfen je zwei Vögel miteinander, und ihr Balzen dringt weit über die Heide. Das ruft die Hennen herbei, und wie bei den Kampfläufern sind sie es, die die Wahl treffen und sich ihre Gefährten unter den Hähnen wählen, die Besitzer eines Gebietes sind.

Auherhahn & Henne - Foto: Ruth LeiboldtSchon bald aber hört aller Zusammenhalt zwischen Henne und Hahn auf. Die Hennen verschwinden in der Heide, um Nester zu bauen, während die Hähne ihren Balztanz noch lange fortsetzen. Ober den Zweck dieses Nach-Tanzes sind sich die Zoologen nicht einig. Einige meinen, der Tanz sei das eigentliche Leben des Hahnes, er liebe ihn so sehr, daß er nicht aufhören könne, selbst wenn er ein Weihchen errungen habe. Andere behaupten, der Tanz gehe weiter, damit das Weibchen vielleicht noch einmal angelockt werde. Was davon stimmt, weiß bis heute wohl keiner. Das Verhalten und Leben der Auerhühner birgt noch viel Unerforschtes.

Bei anderen Vögeln in anderen Weltteilen gibt es ein ähnliches Spiel, das auf eigene Art entstanden ist. Die Natur wiederholt ihre Einfälle, doch jedesmal erfindet sie neue Einzelheiten. Noch prächtiger als unser Auerhahn sind seine amerikanischen Verwandten, die auf den großen Salzsteppen inmitten der Rocky Mountains leben. Es gibt verschiedene Arten, doch am merkwürdigsten ist der Salbei-Auerhahn „Sage Grouse“, der von den Blättern der Salbeibüsche in diesen Steppen lebt.

Die Balzplätze dieses Vogels erstrecken sich über große Flächen. Jede Einzelheit im Federkleid des Salbei-Auerhahns ist zum Imponieren geschaffen. Wenn er balzt, steht der Schwanz aufrecht wie ein Fächer, die Flügel wölben sich um den Körper wie ein Panzer, und ein mächtiges Kissen heller Federn liegt über der Brust und gibt dem Vogel ein Aussehen voller Kraft und Mut.

Man kann mehrere Hundert solcher aufgeplusterten Gestalten, jede wie mit einem Panzer und gezogenen Lanzen ausgerüstet, jnit rhythmischen Tritten umhertanzen sehen. Sie begnügen sich dabei nicht nur mit Kehllauten. Alle paar Schritte hin und zurück werfen sie den Kopf nach hinten, während die steifen Nackenfedern gegen die ausgebreiteten Flügel streifen. Das hört sich jedesmal an wie brausender Wellenschlag, und unaufhörlich wird es wiederholt.

Auerhahn - Foto: Piet Marsfeld
Fotos: Piet Marsfeld

Auf der Brust tritt die Speiseröhre wie zwei Luftsäcke hervor, die ständig gefüllt werden. Nach drei Atemzügen entleeren sie sich mit einem Geräusch, als wenn Steine ins Wasser fallen. Diese scharfen Blubbertöne hört man regelmäßig zwischen den „Wellenschlägen“. So imponieren sich die Hähne gegenseitig und halten sich im Abstand. Geschieht es trotzdem, daß ein Vogel von den Büschen aus, die den Balzplatz umgeben, eindringen will, um sich einen Platz zu erkämpfen, dann rücken die beiden Rivalen dicht zusammen und schlagen kräftig mit den Flügeln gegeneinander. Der Staub der trockenen Steppe wirbelt um sie, es können ein paar Federn fliegen — doch ehe größerer Schaden geschehen ist, zieht sich einer von beiden zurück. Bei Sonnenaufgang kommen dann die Hennen, um sich einen Partner zu suchen.

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