Sassnitz | Von Blumentöpfen, Pudding- und Mördersteinen

Die Bezeichnung „Puddingstein“ hatte der deutsche Geologe v. Hagenow bereits 1839 eingeführt wissenschaftlich bearbeitete. Große, röhrenförmige Feuersteine (Flinte) hatte v. Hagenow so genannt, weil sie unwillkürlich an einen großen, umgestülpten Pudding erinnern. Heute wird der Name in der Literatur für Feuerstein-Kongiomerate mit kieseligem Bindemittel verwendet.

Foto: Piet Marsfeld

Die außergewöhnliche Form der Flinte regte die findigen Bewohner der Insel Rügen dazu an, sie als Blumentöpfe für ihre Hausgärten zu benutzen, was ihnen den Namen „Sassnitzer Blumentöpfe“ einbrachte. Doch auch auf der dänischen Kreideinsel Mön finden sie derartige Verwendung. Man kann sie, schön mit Stechpalmen und Petunien bepflanzt, dort in den Parkanlagen des Schlösschens Liselund bewundern. Doch auch die Fischer erkannten frühzeitig den Nutzen des röhrenförmigen Steines und benutzten ihn als Anker.

Im Urgeschichtsmuseum in Stade an der Untereibe befindet sich ein „Ankerstein von Stade“. Uber ihn ist in älterer Fachliteratur viel geschrieben worden, und man rätselte dem Geheimnis nach, wie wohl das „Bohrloch“ in den Feuerstein, der bekanntlich außerordentlich hart ist, hineinproduziert worden sei. Doch die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft machten bald den natürlichen Ursprung der „Bohrung“ deutlich. Was den Fischern als billiger Ankerstein willkommen war, brachte andere Küstenbewohner auf die Idee, unliebsame Zeitgenossen durch Zuhilfenahme des Flintringes aus dem Wege zu räumen und im Meer zu versenken. in der angelsächsischen Literatur sind die Röhrenflinte als Paramoudra-Flinte bekannt, was soviel wie „Mördersteine“ heißt.

Diese vielfach verwendbaren und die Fantasie beflügelnden Paramoudra-Flinte können beachtliche Größen in der Länge und im Durchmesser erreichen. Ursprünglich war ihr zentraler Hohlraum von Kreide erfüllt. Doch durch das Wirken der Erosion, Meeresbrandung und Verwitterung löste sich die Kreide schnell auf. So kann man sie nun als Flintröhren an den Geröllstränden der Kreide-Steilküsten finden.

Foto: Ch.Pagenkopf | Feuersteinform, auch „Sassnitzer Blumentopf“ genannt | CC-BY-SA-3.0 via wikipedia

In den Hauptfeuersteinlagen der Rügener Kreideprofile treten die Paramoudra-Flinte teilweise häufig auf. im Schreibkreide-Profil von Hemmoor (Niederelbe) liegt das Maximum der Paramoudra-Bildungen etwa 30 bis 40 Meter über der Grenze Unter-/Ober-Maastrichtien, die durch eine markante Tuffitlage gekennzeichnet wird. Hier kommt es zur Bildung von Riesenflinten mit einem Durchmesser bis zu einem Meter und Längen von vier Metern. Ihre Gesamtverbreitung erstreckt sich über den gesamten Ablagerungsraum der oberen Oberkreide, von den Inseln Rügen und Mön über die Kreidegruben Hemmoor und Lägerdorf (Schleswig-Holstein) bis hin zur südenglischen Kreide von Dover und Cromer.

Ebenso unterschiedlich wie die Bezeichnungen und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten sind auch die Hypothesen über die Entstehung der Riesenflinte. in der deutschsprachigen, wissenschaftlichen Literatur war man lange Zeit geneigt, an die Deutungen des Geologen W. Deecke zu glauben, der von großen, zusammengesunkenen Becherschwämmen sprach.

Nach den neusten Untersuchungen deutscher und englischer Wissenschaftler ist diese Theorie jedoch nicht mehr zu halten. Bei den Paramoudra-Flinten haben wir Kieselausfällungen vor uns, die sich um die Grabgänge eines unbekannten, im Sediment lebenden Erzeugers gebildet haben. So wurden sie mit dem wissenschaftlichen Namen Bathichnus paramoudrae belegt.

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Foto: falco via pixabay

Sassnitz (früher Saßnitz) ist ein Erholungsort und Hafenstadt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Ostseeinsel Rügen.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Nationalpark Jasmund mit Königstuhl – Sassnitz liegt direkt am Südhang das Jasmund. Der Nationalpark beginnt direkt am Rand der Altstadt.

Stadthafen – Gerne besucht wird hier besonders der alte Fischereihafen. Hier flaniert man über die fast 2 km lange Mole oder kehrt auf gemütlichen Gastronomieschiffen zu Abend ein. Erwähnenswert in ein Gang über den gewundenen „Hafensteg“ von der Stadt zum Hafenbereich. Vom Bauwerk hat man einen netten Blick hinunter auf den Hafen.

Kurpromenade mit Seebrücke

Altstadt – Gelegen auf den ersten Ausläufern des Hochufers findet man hier teilweise noch schöne Bäderarchitektur. Die Altstadt von Sassnitz wurde seit der Wende noch nicht „komplett runderneuert“ und renoviert, wie dies in anderen Orten wie z. B. Binz der Fall ist. Diesbezüglich machte sich wohl der fehlende Sandstrand direkt im Bereich der Altstadt bemerkbar. Aber auch wenn nicht alles perfekt ist wie in anderen Badeorten auf Rügen, so ist die Altstadt mit Ihren Gassen dennoch auf jeden Fall einen Spaziergang wert.

Findling „Klein Helgoland“ – Der Findling liegt laut Wikipedia „370 m ostnordöstlich des Sassnitzer Kurplatzes, 15 m vom Ufer entfernt“; Volumen: 41 m³; Gewicht: 110 t

Tierpark Sassnitz – Der Tierpark Sassnitz liegt am Rande der Stadt, etwas versteckt in den alten Buchenwäldern des Nationalparks Jasmund. Einheimische und exotische Wildtiere. Mit Streichelgehege für Kinder.

Alaris Schmetterlingspark

U-Boot Museum HMS Otus – Im Hafen ist ein altes ausgemustertes britisches U-Boot, die HMS OTUS (Oberon Class) zu besichtigen.

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