Über die Knabenliebe

Anhänger der Knabenliebe konzentrieren sich auf Jungen zwischen dem Beginn der Pubertät und dem Einsetzen des Bartwuchses: werden darüber hinaus Männer zwischen 16 und 21 Jahren bevorzugt, spricht man eher von Jünglingsliebe.
Knabenliebe muss zudem von der Pädophilie unterschieden werden, dem (kranken) Drang zur Verführung von Kindern, den es sowohl in heterosexueller als auch homosexueller Form gibt. (Frage: werden diese zwei Aspekte „in der Gesellschaft“ unterschiedlich wahrgenommen, bezogen auf eine Akzeptanz? )

Päderastisches Paar: Erastes (links) und Eromenos beim Küssen; Tondo einer rotfigurigen Kylix mit einer Zeichnung des Briseis-Malers, um 480 v. Chr.Päderastisches Paar: Erastes (links) und Eromenos beim Küssen; Tondo einer rotfigurigen Kylix mit einer Zeichnung des Briseis-Malers, um 480 v. Chr.

Die Verteidiger der Knabenliebe berufen sich dabei auf die Blütezeit der griechischen Kultur, in der Knabenliebe zum männlichen Normalverhalten gehörte. Besonders in Sparta, wo die Männer erst mit 30 Jahren heiraten durften, erwartete der Staat von jedem Mann, dass er sich einen Knaben oder Jüngling als „Liebling“ erwählte, um ihm geistiger Erzieher, Führer zu männlichen Tugenden und Lehrmeister der Erotik zu sein.
(Frage: warum wird solch eine Kultur als Blütezeit einer solchen bezeichnet?)
Die sexuelle Beziehung des reifen Mannes zum Knaben beruhte auf der alten mythischen Vorstellungen, wonach der männliche Same die Essenz männlicher Kraft und Geistigkeit war. Siegmund Freud schrieb über die Liebe zu Knaben:
„Bei den Griechen, wo die männlichsten Männer unter den Invertierten (Homosexuellen) erscheinen, ist es klar, dass nicht der männliche Charakter des Knaben, sondern seine körperliche Annäherung an das Weib, sowie seine weiblichen seelischen Eigenschaften – Schüchternheit, Zurückhaltung, Lern- und Hilfsbedürftigkeit – die Liebe des Mannes entzündeten. Sobald der Knabe ein Mann wurde, hörte er auf, ein Sexualobjekt für den Mann zu sein, und wurde selbst ein Knabenliebhaber.
Das Sexualobjekt ist also in diesem Falle, wie in vielen anderen, nicht das gleiche Geschlecht, sondern die Vereinigung beider Geschlechtscharaktere, der Kompromiss etwa zwischen einer Regung, die nach dem Manne, und einer, die nach dem Weibe verlangt, sozusagen die Spiegelung der eigenen bisexuellen Natur.“   (Aus: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, 1904)

[Gedanke des Autors: wenn das so ist, warum existiert diese Kultur heute nicht mehr?! Sie wäre dann ja, im Sinne Freuds und der Spartaner, ein perfektes Training für sichereren/besseren Umgang des verunsicherten Mannes mit der heutigen Frau…..]

Achilleus erlernt das Lyraspiel von Cheiron
Achilleus erlernt das Lyraspiel von Cheiron

Im krassen Gegensatz zu dieser antiken Auffassung sieht das geltende Recht in der Knabenliebe ein strafwürdiges Verbrechen,nämlich Widernatürlichkeit, Verführung Minderjähriger und schwere Unzucht.
Die männliche Jugend muss nach Prof. Hans Heinrich Jescheck, Freiburg, „gegen ihre Einbeziehung in jeglicher Art von homosexueller Betätigung geschützt werden, weil in den frühen Jahren die hohe Gefahr der Fixierung der Triebrichtung auf widernatürliche Beziehungen besteht.“
[Warum haben das die Griechen nicht erkannt, nicht anerkannt?] Radikal entgegengesetzter Meinung ist Dr. Willhart Schlegel, Hamburg: „Es kommt offensichtlich nicht darauf an, eine Verführung Jugendlicher zur Homosexualität zu verhindern, weil nur diejenigen Jugendlichen auf homosexuelle Kontakte eingehen, die solche Kontakte benötigen und suchen. Der 15 -bis 25jährige ist auf sexuellem Gebiet nicht, wie irrtümlich immer angenommen wird, schutzbedürftig. Er ist auf charakterlich-seelischem Gebiet führungsbedürftig und benötigt im Gegenteil die Freiheit seiner Sexualbestätigung.
Manche Eltern sind aus dieser Einsicht bereits froh, wenn ihr Sohn in den kritischen Jahren einen älteren Freund findet, bei dem sie ihn in guten Händen wissen. Denn davon bleibt dieser nicht homosexuell, wenn das für ihn nicht ohnehin vorgezeichnet ist.“
Dieser extremen Meinung steht die Erfahrung entgegen, dass erfolgreiche Charaktererziehung möglich ist, ohne dass der pädagogische Eros die Grenze zum Sexuellen überschreitet.
[Anmerkung des Autors: warum muss überhaupt ein sexueller Aspekt hineingebracht werden? Die Freudsche Erklärung ist für mich nicht nachvollziehbar.]

Kategorien Der Mann Liebesleben
Peter Jensen

Dr. Peter Jensen studierte im westfälischen Münster Psychologie. Seit 2008 lebt und arbeitet er - nach der Hochzeit mit einer Norwegerin - er in Bergen, Kongeriket Norge. Bis zu seiner Auswanderung arbeitete Jensen in verschiedenen Krankenhäusern. In Norwegen ließ er sich zusätzlich zum Heilpraktiker ausbilden und ist mit reiner eigenen Praxis selbstständig. Sein Schwerpunkt: der Zusammenhang von Ernährung und Psyche. Derzeit arbeitet Dr. Jensen an einem Buch zum Thema Körpertherapie. In seinen Beiträgen im Magazin widmet er sich den Themen Geist & Seele.

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