Über den Gesang der Tiere – die Zoomusikologie

Zhao Shaoang - Blumen & Vogel
Zhao Shaoang – Blumen & Vogel

Vögel zwitschern, Wale singen, Wölfe heulen. Sind diese Laute bereits Lieder? Diese Fragen beschäftigt die Zoomusikologie. Wissenschaftler wie Dario Martinelli untersuchen die Gemeinsamkeiten in der musikalischen Aktivität von Mensch und Tier. Der talienischen Professor für Semiotik Dario Martinelli, hat diesen Grenzbereich zwischen Musik- und Naturwissenschaft zum Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht.

Womit beschäftigt sich nun die Zoomusikologie? „Kurz gesagt, befassen wir uns mit jenen tierischen Lautäußerungen, die man als »Musik« bezeichnen kann und über die reine »Kommunikation« hinausgehen“, so der Professor in einem Interview mit den italienischen Magazin FOCUS. „Dazu gehören alle Laute und Töne, die von ihrer Struktur, der Art und Weise ihrer Darbietung, aber auch ihrer Aufnahme beim Gegenüber her so beschaffen sind, dass sie eben eher als »musikalische« Prozesse zu betrachten sind“, soe der Wissenschaftler weiter.
Es geht  um eine simple Frage, die dann eine komplexe Beantwortung zur Folge hat:

Ist Musik ein rein menschliches Phänomen?

Wir sprechen im Alltag lapidar von Musik. Zu definieren, was das genau  ist, fällt uns eher schwer. Wir würden wahrscheinlich sagen, dass dabei viele Faktoren zu bedenken sind. Wir haben über die Jahrhunderte gelernt, auch etwas als Musik zu bezeichnen, das für uns – traditionell gesehen – nicht als Musik gilt.
Wir haben nichtwestliche, nichtklassische und für uns bislang unbekannte Töne und Geräusche als »Musik« ohne Hinterfragen anerkannt. Im Hinblick auf nichtmenschliche Laute war das bis in die 1990er-Jahre hinein jedoch umstritten. Man muss sich klarmachen, dass es überhaupt keinen Beweis dafür gibt, dass Musik ein rein menschliches Phänomen ist – und dennoch nehmen wir dies einfach an. Allerdings hat man auch lange angenommen, dass Gefühle, Sprache, Intelligenz usw. nur beim Menschen vorkommen. Ein Umdenken ist also wahrscheinlich.

Schematische Abbildung des Delfinkopfes mit anatomischen Merkmalen der Lauterzeugung (englisch)
Schematische Abbildung des Delfinkopfes mit anatomischen Merkmalen der Lauterzeugung (englisch)

Zur Zoomusikologie gibt es, grob vereinfacht, einen musik- und einen naturwissenschaftlichen Zugang. Der Musikwissenschaftler wird erkennen, dass es Sinn macht, sich mit der biologischen Seite von Musik zu befassen, und er wird feststellen, dass es sinnvoll ist, die entsprechenden Interpretationsschemata auf tierische Lautäußerungen zu übertragen.  Damit lässt sich übrigens einiges über die Wurzeln von Musik im Allgemeinen erfahren.

 

Wolfsgesang:

Dario Martinelli ist Direktor des International Semiotics Institute an der Technischen Universität Kaunas (Litauen – und arbeitet als Privatdozent darüber hinaus an der Universität Helsinki und der Universität Lappland. Martinelli hat mehrere Monographien zum Thema Zoomusikologie veröffentlicht und diverse Artikel in Fachzeitschriften publiziert. Sein jüngstes Buch trägt den Titel »Lights, Camera, Bark!« (2014). Es behandelt die Rolle und Darstellung von Tieren in Kinofilmen.


Mehr informationen zum Forscher: https://dariomartinelli.wordpress.com/

1 Kommentar zu “Über den Gesang der Tiere – die Zoomusikologie

  1. Wow was für ein schöner Post.
    Vielen Dank für den tollen Einblick.
    Liebe Grüße
    Caro

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