Theodor Däubler • Das Nordlicht

Theodor Däubler • Das Nordlicht

Prolog

Es sind die Sonnen und Planeten, alle,
Die hehren Lebensspender in der Welt,
Die Liebeslichter in der Tempelhalle
Der Gottheit, die sie aus dem Herzen schwellt.

Nur Liebe sind sie, tief zur Kraft gedichtet,
Ihr Lichtruf ist urmächtig angespannt,
Er ist als Lebensschwall ins All gerichtet,
Was er erreicht, ist an den Tag gebannt!

Ein Liebesband hält die Natur verkettet;
Die Ätherschwelle wie der Feuerstern,
Die ganze Welt, die sich ins Dunkel bettet,
Ersehnt in sich den gleichen Ruhekern.

Durch Sonnenliebe wird die Nacht gelichtet,
Durch Glut und Glück belebt sich der Planet,
Die Starre wird durch einen Brand vernichtet,
Vom Meer ein Liebeswind verweht.

Wo sich die Eigenkraft als Stern entzündet,
Wird Leben auch sofort entflammt,
Und wenn die Welt sich im Geschöpf ergründet,
So weiß das Leid, daß es dem Glück entstammt.

So muß die Erde uns mit Lust gebären,
Und wird auch unser Sein vom Tag geschweißt,
Können doch Sterne uns vom Grund belehren
Und sagen, daß kein Liebesband zerreißt.

Wir sehn das Leben uns die Jugend rauben,
Es ängstigt uns das Alter und der Tod,
Drum wollen wir an einen Anfang glauben
Und schwören auf ein ewiges Urgebot.

Doch ist die Ruhe blos ihr Ruheleben,
Nichts ist verschieden, was sich anders zeigt;
Und vollerfüllt ist selbst der Geister Beben,
Ja, alles die Natur, die sprechend schweigt!

Beständigkeit ist der Gewinn der Starre,
Doch es ereilt, zermürbt sie Ätherwuth,
Und blos der Geist ist da, daß er beharre,
Da er als Licht auf seiner Schnelle ruht.

Es sucht die Welt zwar immerfort zu dauern
Und sie umrundet drum den eigenen Kern,
Sie kann zum Schutz sich selber rings umkauern,
Doch ist ihr Wunsch nicht ewig, sondern fern.

Es mag die Welt das Weiteste verbinden,
Der Geist jedoch, der aus sich selber drängt,
Kann solche Riesenkreise um sich winden,
Daß überall sein Wirken sich verschenkt.

So sind die Welten immerfort entstanden,
Doch da sich Ewiges jedem Ziel entreißt,
Entlösten Sterne sich von Sternesbanden,
Was die Unendlichkeit im Sein beweist!

Ja Liebe, Liebe will sich Welten schaffen,
Blos Liebe ohne Zweck und ohne Ziel,
Stets gleich, will sie stets anders sich entraffen,
Und jung, zu jung, bleibt drum ihr ewiges Spiel.

Denn glühte durch das All ein Schöpferwollen,
So hätte Eine Welt sich aufgebaut,
Und traumlos würden Geister heller Schollen,
Im klaren Sein, von ihrem Dunkelgrund durchgraut.

Ich sah einmal in einen Regenbogen,
Er schien mir aller Stürme stilles Thor,
Dann ward ein Karren plötzlich durchgezogen,
Es zerrten Büffel ihn stets weiter vor.

Es gingen diese Thiere selbst des Weges,
Längst hatte sie der Mensch für sich betäubt,
– Es hieß das noch etwas, – wers kann, erwäg es –:
Ich sah hinweg, ins Licht, das nie zerstäubt!

Oh weiße Sonne, Deine goldenen Strahlen
Berauschen und erwecken meinen Geist,
Du bist die Arbeit, und mit heiligen Qualen
Trifft Dein Gebot mich, wenn das Herz vereist.

Was Du bedeutest, Sonne, ist der Seele,
Auf dieser Welt, am innigsten verwandt,
Es ist, als ob die Glut den Kern entschäle,
Denn mein Erbarmen gibt mir selbst Bestand.

Ich bin so blos wie Du, geliebte Sonne,
Und wo ich nackt bin, herrschst Du über mich,
Und folg ich Dir, so ist das reinste Wonne,
Denn Dein Gebot ist mir ganz wesentlich.

Ja, meine Freiheit sind die Weltgesetze,
Der Geist ist Überkraft ihres Vereins,
Dort bin ich tief wie ungehobene Schätze,
Ein Theil des allerjüngsten Eigenseins.

Es kann mein Geist entsetzlich sich ereifern,
Denn alles, was in ihm sich selbst bestimmt,
Wird durch die Schatten, die ihn blaß umgeifern,
Da sie veraltern und zergehn, ergrimmt.

In mir erglimmt die allerreinste Weiße,
Ein Licht, das mich in Sonnentreffen ruft!
Es klirrt beinnah: „Was Dich beengt, zerreiße!“
„Ihr Urlichttiefen, schützt, was Ihr erschuft! „

Ich habe jetzt die Welt in mir empfunden
Und langsam überdenk ich, was geschah;
Ich konnte mich, mir selber, klar bekunden,
Ich war als Schöpfer mir Geschöpf ganz nah!

Jetzt weiß ich auch vom Grund der Himmelsdinge,
Die Erde trägt im Kern ihr Sonngebot,
Befiehlt das Licht es, sprengt sie Felsenringe,
Und was verstumpfte zeigt sich goldumloht!

Versucht die Schöpfung in den Raum zu drängen,
Denn zeitlich faßt ihr nicht das WeltenEi.
Und wißt, wo Sterne in einander hängen,
Erkennt das Urlicht sich und schöpft uns frei.

Wo sich die erste Weltenweiße spaltet
Und plötzlich in ihr Urereigniß tritt,
Erscheint der Tag, den sie geheim verwaltet,
Und rollt sein Schweigen in die Sphären mit.

Die Sonne wahrt ihr Wesen stets am hehrsten
Und hat es still der Erde anvertraut,
Die schimmert nun am Pol, wo sie im Leersten
Der Einheit helles Urgebot erschaut.

Der weiße Erdenkelch, der dort ersprossen,
Beweist der Welt, daß der Beschluß
Der Dinge, die sich tief in sich ergossen,
Sich unabwendlich ernst ereignen muß.

Wie es vom Licht die Erde überkommen,
So hegt sie ihr Geschick im eigenen Kern,
Und ist im Menschen das Vertraun verglommen,
Wird sie sofort ein goldener Rachestern.

Auf unserer Freiheit, unserm Innerlichte,
Beruht der Erde stille Schaffensglut,
Doch furchtbar geht die Sonne zu Gerichte,
Beherrscht sie nicht ein geistiger Erdtribut.

Die Erde treibt im Norden tausend blaue Feuerblüthen
Und übermittelt ihren Sehnsuchtstraum der Nacht,
Drum soll der Mensch auch seinen Flammenkelch behüten,
Wenn er, durch ihn belebt und lichterfüllt, erwacht.

Fürwahr, es sind die Gluthanschürer Gärtnerschaaren
Von einer langbegrabenen, auferstandenen Pracht,
Versteinte Wälder wollen sich uns offenbaren
Und Pilger holen sie aus finsterem Erdenschacht.

Ja, Pilger graben, wühlen sich stets mehr hinunter,
Stets tiefer in der Erdenmutter dunkles Heiligtum;
Ihr Herzschlag, ihr Gehämmerwerk, erhält sie munter,
Asketen aber sind sie zu des Urlichts Ruhm.

Auf ihrer Freiheit, ihrer Glutenkernesnähe
Beruht und tagt das ganze Dasein dieser Welt,
Sie sorgen, daß das Totgeglaubte auferstehe,
Durch sie wird jede Nacht vom Nordlichte erhellt.

So wandeln wir in wunderbaren Flammengärten,
Es thürmen Feuerlauben sich ins Grau empor,
Die fernen Drachen wurden freundliche Gefährten
Und schimmern still vor meines Weibes sicherm Thor.

Ihr Grubenarbeiter, Ergrübler freier Wunder,
Vertraut dem Irrlicht nicht, das listig Euch umschwirrt
Bleibt unbeirrte, biedere Erdenherzerkunder,
Seid Eurer eigenen Willensthiere ernster Hirt.

Der Sonne könnt ihr blos im Erdenschooße nahen,
Dort unten stoßt ihr auf den Sinn von dieser Welt,
Und auch das Licht der Dinge, die noch nie geschahen,
Wird grundbestimmt durch Euch in uns hervorgeschwellt.

Führwahr, ich habe Tropenwälder schon im Traume,
Als Nord und Südlicht, wunderbar erblühn gesehn,
Ich fühlte Morgenröthen rings im Mittagsraume
Aus unserer Erde plötzlich kindlichrein entstehn.

Ich faßte mich und nahte manchem jungen Manne
Und lauschte gern auf seines Wesens Wirkungslied;
Ich fand ihn ganz allein und doch im Urlichtbanne,
Und sah, wie er den Kern von alten Schaalen schied.

Es schienen lauter Hände mir fast Urwaldfächer,
Ja Knospen gar, aus denen Blüthen aufgezuckt;
Und schon ihr Daseinsrausch durchsprühte Scheibendächer
Und hat mit Flammenzungen Düsterzeit verschluckt.

In Riesentreibhäusern sind die verschwundenen Wälder
Als grüne Flämmchen und als Blüthenschein erwacht,
Der Dampf gemahnte an die heißen Nebelfelder
Von einer tiefvergrauten fernen Lebenspracht.

Und jeder Jüngling hütete die eigene Blüthe;
Sowie er kam, entzuckte sie aus seiner Hand,
Aus jedem Wirken glühte aller Kerne Güte,
Doch gleich verglomm der Glanz, sobald sein Gärtner schwand.

Mit Feuerschwertern ward die Starre aufgerieben,
Mit Samenpfeilen selbst das Eisen kühn erweicht,
Sein Blut aus seinem Wesensgrund emporgetrieben,
Die ganze kalte Weiblichkeit vom Geist geaicht.

In die Natur sind lauter Kolben vorgestoßen,
Die Walzen und die Nacken haben rings geschwitzt,
Aus Allem wühlte sich die Sehnsucht nach dem Großen,
Ein Urgewitter hat in Menschenhut geblitzt.

Nun seh ich Menschen, von der Erde selbst gehoben,
Zu ihrem Werke, wie zu einem Feste, gehn,
Und Tropenwälder in ihr Wirken eingewoben,
In freier Sonnenluft auf unserer Erde stehn.

Nun sind sie schon der Flammenforst der Menschenseele,
Die Einheit, die sich aus der Wechselschalung samt,
Ein ganzes Weltgewitter lebender Befehle,
Das Schweigen, das uns strahlend an uns selber mahnt.

Ich sehe einen Meteor in Menschenhänden
Sich wunderfältig bilden und dem Geist entfliehn,
Ich staune nun vor lauter Feuerbränden
Und sehe zitternd einen Stern nach Norden ziehn.

Das ist ein Eisenleib, ich kann ihn klar erkennen,
Ein Werk, das in sich selbst das Erdenlicht verschließt
Es will sich stolz von seinem Ursprungsfeuer trennen,
Oh seht, wie kühn es sich in Fremdheiten ergießt.

Jetzt träum ich nicht, die Gluthen werden blasser!
Das ist ein Riesenschiff das kühn vom Stapel läuft;
Nun zieht es heim. Sein Wesen kennt das Wasser.
Es wird von tausend Küssen schäumend überhäuft.

Es eilt das Schiff durch seine selbstbewegten Wogen
Und flieht das Land, voll Freude an der Flut,
Doch dann bedenkt es sich und dreht in kurzem Bogen
Rasch um und weiß sich in des Meeres Hut.

Es scheint mir so ein Eisenleib eine Verheißung
Von einer geistgelenkten Meteorenwelt,
Von einer langerwägten, plötzlichen Entreißung
Der fleischgewordenen Seele, die sich lichtwärts schnellt.

Auch ich will wandern, immer weiter heimwärts schreiten,
Mein Geist wird sich im Eis von seiner Furcht befrein,
Um meinen Leib ein blonder Süden hold sich weiten,
Das Meer in meiner Seele eine Thräne sein.

Die Einsamkeit umfange mich wie eigene Flügel,
Selbst die Verzweiflung ist für mich ein kühler Wind.
Schon weiten sich ringsum der Sehnsucht goldene Hügel,
Ein fremdes Erdenglück umlächelt mich gelind.

Das ist ein Wandern, ach, ein schweres, tiefes Wandern,
Zu viele Gletscher sind bereits in mir erstarrt,
Ich bin ein Hafen, voll von sturmgepeitschten Landern,
Doch für mich selbst sind meine eigenen Pförtner hart.

Hinweg, erschallt es, fort von deinen stillen Seen,
Hinweg von deinem stahlkaltem Verstand, hinweg!
Hinweg aus Buchten, wo sich Segel windlos drehen!
Wozu ein Traum an einem urbestimmten Fleck?

Ich aber schaue fort, mich zwingen stärkere Träume,
Sie bannen mich, – da stehn sie, – sehn mich an, – weh mir! –
Mein armes Ich, mein Leben, das ich stets versäume,
Auf einem Schwindelgrat sträubt sich mein Willensthier.

Ich will, ich darf nicht in die eigene Tiefe blicken,
Sie zieht mich an, sie quält mich, läßt mich nimmer los,
Ich sträube mich, beschwert mit wirklichen Geschicken,
Mein Thier, mein Nacken bleiben steif: – jetzt kein Stoß!

Das Übel weicht zurück, ich fühl es an den Haaren;
– Was mich erschreckte, war nicht arg, doch ungewöhnt –
Das Schweigen um mich her hat viel von mir erfahren,
Ich werde irgendwo im Mittagslicht verhöhnt.

Ich kenne in mir selbst ein Thal, wo alle Bäume,
In Fliederbleiche, zu einander Grüße wehn,
Wo längsterlebte, starrgewordene Schreckensträume
Wie Gletscher über Wolken in die Tiefe sehn.

Ich liebe dieses Thal, um mich herauszusehnen,
In weißen Schlössern herrscht mein einziger Feind,
Im Weiher spielen seine Kinder mit den Schwänen
Und meine Spötter sind in Lauben laut vereint.

Ich nahe einem hohen, offenen Gartengitter,
Ich möchte mich versöhnen, doch da bellt ein Hund,
Dann eine Meute, rings umschwirrt mich Astgeknitter,
Ich laufe, Jemand ruft: Verfluchter Vagabund!

Das Thal ist lang, unendlich seine Duftalleen,
Ich stürze meinem eigenen Schrecken hilflos nach,
Dann bleib ich, wie ein Hirsch, den man getroffen, stehen,
Ich wittre, – ja, man beißt mich, ach, der argen Schmach!

Ich lebe noch, somit kann ich noch weiter leben,
„Ich bitte!“ sprechen Wege höhnisch rings um mich,
Wohin? Um nicht am gelblich gleichen Fleck zu kleben –
Hinweg vom Wahn! Mein Ich, laß endlich mich im Stich!

Es geht, wenn mans vermag, und schließlich kann man helfen,
Ich wandere stiller fort und nahe einer See;
Ich siegte selbst, – hinweg sind alle Märchenelfen, –
Dort unten schweigt der große Freund von meinem Weh.

Das Meer ist grau, doch urgesund und brandet,
Um nicht der Fiebersterne Ruhebett zu sein,
Es ist der Strand von starkem Algenhauch umrandet;
Es schlürft mein Wesen sein Geheimniß lüstern ein!

Nun heißt es bauen, Schiffe bauen, Holz behauen,
Sich Segel liefern lassen, Bretter hobeln, leimen;
Auch Abends wirken, – furchtlos vor den Dämmerbrauen – ,
Des neuen Leibes Rippen ohne Tadel reimen.

Nun muß ich auch zum Daseinsakrobaten werden,
Auf Riesenschleifen nieder und dann aufwärts schnellen,
Das Leben nimmer fürchten, heldisch sein auf Erden,
Verworfen werden, aber nimmermehr zerschellen!

– Den Tod verachten? – Oh, das ist bedeutend schwerer!
Den Denkern glauben? Nebenbuhler, Akrobaten!
Die Dinge selber werden immer mehr die Lehrer,
Was bleibt uns da, als eine Welt naiver Thaten?

Doch alles das bin ich, nicht meine tiefste Flamme,
Verscheucht man mich, so wird sie immer mehr erwarmen,
Ich weiß, daß ich als Geist von altem Adel stamme,
Verhöhn ich mich, so muß sie meiner sich erbarmen!

Ich will das Meer und alle offenen Religionen!
Hinweg von mir, zurück zu meinem hohen Wesen,
Verzehren muß ich mich und gar nichts darf ich schonen,
Doch da ich bin, so heiße es, im Brand genesen.

Geschick! Ein dumpfes Echo unserer toten Heiden.
Vernunft! Ein längst verfahrner, alter Räderkarren.
Der Glaube! Leider oft die Angst vor Glück und Leiden.
Begeistere Dich! So ruft es! Und ich laß mich narren!

Begeistere Dich! erschallt es durch das ganze Leben,
Es ist ein Baum seine Begeisterung, die er meistert,
Du sollst, wie er, mit festen Frühlingsblättern schweben,
Begeistere Dich! Sei schon auf Erden ganz begeistert!

Nun schweige Du als Traum; sieh Welten westwärts träumen,
Doch Du geh mit der Erde ihnen ernst entgegen,
Du mußt mit Deinem Kern Dich gegen Sterne bäumen;
Sei friedlich und sei frei auf allen Deinen Wegen!

Mein klarster Strahl, nun sei bereit mit mir zu wandern,
Doch nein, ich folge Dir, Du bist bereits im Osten,
Noch seh ich Dich nicht ganz, Du räthselst noch in andern,
Drum fort, mein Schiff Du gaukelst schon um Deine Pfosten.

Wir fahren bald den Sternen, Wind und Meer entgegen,
Dann peitscht der Sturm die Träume mir aus meiner Mähne;
Der Wahn wird sich vor meinem Willen niederlegen;
Geschicke mich umblitzen, da ich Macht ersehne!

Sei nicht verzagt, Du suchst die Freiheit jüngster Welten,
Die Erdengluth, die nordwärts strebt, um dort zu dämmern;
Doch zieh nach Süden; laß sie rufen, laß sie schelten,
Laß Du von Deinem Herzen Dir Dein Schicksal hämmern.

Doch gleich ans Werk, – sei ruhig und doch unbesonnen,
Den Abend sieh von toten Tageshelden schwärmen,
Doch Du vollende nie, was Du mit Dir begonnen,
Und reizt das Zwielicht Dich, so magst Du Dich erwärmen!

Sei heiß und heilig, wie die Liebe unserer Erde,
So eisig wie der Sterne strenge Feuerbahnen;
Verbrennt am Tagesgrab man seine Schlachtenpferde,
So mag Dichs an die Nüchternheit des Siegens mahnen.

Doch ruhst Du, ruhe jetzt, – Dich völlig zu begreifen, –
Die Nacht erscheint mit ihren längstdurchlebten Träumen,
In Deinem Tage mag ein anderes Wirken reifen,
Laß die Natur, nicht Dich, vorüberschäumen!

Es folgt am Himmelsbogen
Das Licht dem Mutterruf,
Und scheidend noch bewundert
Die Sonne was sie schuf.

Mit ihren Strahlenarmen
Aus reinem Liebesgold,
Umschlingt sie noch das Leben,
Bevor sie weiterrollt.

Aus Thälern und aus Fluren,
Bedeckt mit Waldespracht,
Dem Kleide unserer Erde,
Entrauscht die kühle Nacht.

Die losen Windesboten
Entschlüpfen dem Geäst
Und herzen einen Nebel,
Ders Tagesbett verläßt.

Der letzte Kronenschimmer
Der Sonnenelfen bricht
Und überall betrübt sich
Das bleiche Dämmerlicht.

Zeigt nimmer sich den Blicken
Der Sonne tiefste Macht,
So gleicht doch unsere Liebe
Enthüllter Sternenpracht.

Enträthselte Gefühle,
Ihr wallt zum Himmelszelt,
Und oben sehn die Sterne
In Liebe auf die Welt.

Zum Wind und Nebelreigen wehn
Rings Wiesenwische gar geschwind,
Man sieht sie durch die Fenster sehn,
Ob Träume etwa munter sind.

Halloh, da folgt ein loser Traum
Dem Schattenwink mit einem Satz
Und gibt dem Waldgespenst aus Schaum
Auf Bauch und Schenkel einen Schmatz!

Der Mond reißt seinen Silberspind
Auf einmal für die Tänzer auf,
Und manche kalte Hand von Wind
Beputzt bereits den Schemenhauf.

Das zieht sich ganz in Flitter an,
Die Nebel nicken, thut es nur,
Und glaubt, daß man uns trauen kann,
Auch wir sind Träume der Natur !

Nun schwebt mit leichtem Windestritt
So mancher Traum mit seinem Dunst,
Der Mond beleuchtet ihren Ritt
Und seine Thiere sind in Brunst.

Ein Traum wird über Feld gebracht,
Durch Haine, die noch unbewohnt;
Ein Märchen, das ein Elf erdacht,
Erzählt man ihm vom Silbermond.

Einst trug der Mond Geschöpfe,
Die wurden immer bleicher,
Denn oben kargten plötzlich
Die vollen Lebensspeicher!

Nun ist man dort verdorben;
Durch Kämpfe und Entbehrung
Geschah der Mondesfluren
Entsetzliche Verheerung!

Doch es erfüllte einstens
Ein Mondvolk Sonngebote
Und ahnte kaum das Ende,
Das seinen Feinden drohte.

Die Göttin ihrer Liebe
War unsre grüne Erde,
Ihr sandte man die Träume
Und Seufzer der Beschwerde!

Jetzt giebt es oben Geister,
Doch sind sie ungeboren,
Auch ging für sie die Liebe,
Die sterblich macht, verloren!

Doch glücklich sind sie nimmer,
Sie rühren keine Hände,
Denn geht der Mond in Trümmer,
Bedroht auch sie ein Ende!

Die Nebel fliegen weiter,
Es schüttelt sie der Wind,
Die Nacht ist kühl und heiter,
Den Träumen wohlgesinnt.

Sie ziehen ihre Kreise
Und drehen sich geschwind,
Und ihre rauhe Weise,
Die pfeift der Wirbelwind.

Sie wehen um die Weiden
Der Reihe nach heran,
Und alle ihre Leiden
Erfährt der Baum sodann.

Die Winde könnens wissen,
Sie haltens Leid in Bann,
Ihr Leib ist schmerzzerrissen,
Sie ziehn den Selbstmord an.

Sie scheinen sich zu sträuben,
Sind sie noch blaß und nackt,
Ihr Weigern zu betäuben,
Wenn Frühlingsbrunst sie packt;

Doch ihre winzigen Blätter
Verkünden nirgends Glück,
Es sehnt ihr Zweiggekletter
Sich nach dem Nichts zurück.

Des Laubes nasse Schleier
Entrieseln fast dem Baum
Und schleppen bald im Weiher
Den einzig frohen Saum!

Verschiedene Nebel drängen
Sich ganz in das Geäst
Und bleiben drinnen hängen
Und schlafen plötzlich fest.

In weichen Wolkendecken,
Im zarten Nebelflor,
Mag manches Räthsel stecken,
Denn ringsum glänzt das Moor.

Ein Irrlicht huscht herüber
Und tanzt vergnügt am Sumpf,
Doch wird der Wald stets trüber,
Die Luft gar rauh und dumpf.

Nur zwischen Teich und Binsen
Hüpft noch das grüne Licht,
Und einige Nebel grinsen
Mit totem Angesicht.

Das ist der letzte Reigen,
Der um die Sümpfe wallt,
Die kühlen Nebel neigen
Sich ohne Wesenshalt.

Die Nacht hat ausgefunkelt,
Der letzte Stern verblinkt,
Die Welt ist ganz verdunkelt,
Der blutige Mond versinkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!