The Serialist – David Gordon – Rezension von Bettina Schnerr

Cover: The Serialist - David Gordon
Kurzbeschreibung
Harry Bloch is a struggling writer who pumps out pulpy serial novels—from vampire books to detective stories—under various pseudonyms. But his life begins to imitate his fiction when he agrees to ghostwrite the memoir of Darian Clay, New York City’s infamous Photo Killer. Soon, three young women turn up dead, each one murdered in the Photo Killer’s gruesome signature style, and Harry must play detective in a real-life murder plot as he struggles to avoid becoming the killer’s next victim.

Rezension
Harry Bloch verdient seine Brötchen unter ganz verschiedenen Namen: Als Ghostwriter verfasst er Schundromane für alle Genres, die sich alle nur um das Eine drehen, als Vampirversion, als Science Fiction verpackt oder als Detektivgeschichte. Dadurch wird der Serienkiller Darian Clay auf ihn aufmerksam, der für vier Frauenmorde gehenkt werden soll. Er bietet Bloch einen Deal an: Clay erzählt exklusiv, was wirklich passiert ist und im Gegenzug liefert Bloch erotische Geschichten nur für ihn. Dazu soll Bloch die jungen Frauen besuchen, die an Clay Fanbriefe ins Gefängnis schreiben, und mit ihnen und Clay als Hauptperson die Geschichten aufbauen.

Nach den ersten drei Fan-Interviews allerdings finden Bloch und das FBI die jeweiligen Frauen als Opfer eines Mörders wieder, der im Stil von Darian Clay arbeitet. Hat das FBI seinerzeit den richtigen Mörder ins Gefängnis gebracht? Kurz vor der Vollstreckung der Todesstrafe sieht es aus, als könne Clay einen neuen Prozess bekommen. Bloch steckt in der Klemme: Kommt Clay frei, wird aus seinem ersten Buch unter eigenem Namen nichts. Außerdem schwebt er möglicherweise selber in Gefahr. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als vom Autoren zum Detektiv zu werden, um seinen Namen, sein Leben und eine sensationelle Story zu retten.

Gemeinsam mit zwei Helferinnen entwickelt er seine Ermittlungen: Die Schülerin Claire hat sich zu Blochs unersetzlicher Assistentin gemausert, seit der ihre prüfungsrelevanten Aufsätze geschrieben hat. Sie ist 15, aber dank des Elternhauses bereits eine harte Geschäftspartnerin. Sie prüft neue Buchverträge, handelt Abgabetermine aus und bietet ohne zu Zögern Papas Anwalt auf, wenn Bloch einen benötigt. Die zweite im Bund ist Dani, die Schwester eines der ersten vier Mordopfer. Sie hofft auf ein bisschen inneren Frieden, wenn sie mehr über das Schicksal ihrer Schwester erfahren kann. Die drei stöbern in den Methoden berühmter Detektive und gehen die Recherche an, als müssten sie den Plot für einen von Blochs Krimis entwerfen: „Instead of the clues leading us to a mystery, I sometimes think it’s the mystery that suddenly turns everything into a clue.“

Bloch beherrscht sein Handwerk aus dem Effeff. Auch, wenn er seine langjährige Freundin an einen „echten“ Literaten verloren hat und sein Geld mit Büchern verdient, unter die er niemals seinen eigenen Namen schreiben würde, so kennt er doch die großen Namen und Titel, ihre Techniken und die Wirkungsweise von Sätzen und Plots. Mit Referenzen und scharfen Beobachtungen bestückt, ist der Krimi gleichzeitig eine Hommage an die Literatur. An alle Genres wohlgemerkt. Gordon ist es damit gelungen, seinen Krimi doppelt interessant zu machen.

Bei der Aufklärung leisten sich Fiktion und Realität in Gestalt von FBI und Bloch einen spannenden Schlagabtausch, den am Ende die Fiktion gewinnt. Bloch, der phantasievolle Literat, findet Konstellationen, die den hartnäckigen Ermittlern des FBI durch die Lappen gegangen sind. Das Leben schreibt möglicherweise die besseren Geschichten, aber verstehen lässt es sich offensichtlich am besten mit einer Prise Phantasie.

ISBN: 978-1-43915-848-7

Verlag: Simon & Schuster

Erstveröffentlichung: 2010

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