The Free Design – Cosmic Peekaboo – Marina Records

The Free Design - c thefreedesign
The Free Design – c thefreedesign

Immernoch gelten „The Free Design“  etwas für eingefleischte Insider. Ist das gerechtfertigt?  Ich denke nicht. In ihrer ersten Zeit , den 1960igern war diese Gruppe ein besonderer Tipp für Menschen, die diese Zeit mit allen Sinnen aufsaugen wollten. Heute würde so etwas nicht mehr funktionieren. Unsere Gesellschaft und das Lebens sind zu konfus und nur noch als vorbeihuschender Schatten wahrnehmbar. Daher erscheint mir diese Musik mit ihrer Philosophie und dem disziplinierten Anspruch an mehrstimmigen Satzgesang ein kleiner Fixpunkt. Viele Zeitgeister taten es ihren damals gleich,  die Carpenters, die Mamas and Papas usw.. Auch diese haben zum Erfolg des Easy Listening beigetragen – als Gegenpol zur Schnellebigkeit.
Cosmic Peekaboo als Spätwerk täuscht nicht darüber hinweg, daß die Stimmen der Gruppe doch eher unausgebildet sind und auch so rüberkommen; kompensiert wird dieser Mangel durch ein hohes Maß an Disziplin in der Ausführung. Daher lassen sie sich wirklich gut anhören.  Das Experiment der Vielstimmigkeit überzeugt auch heute und findet sicher weiterhin seine Liebhaber. „Cosmic Peekaboo“ erscheint mir als das wertigste ihrer Album – und das nach 30 Jahren! Den Spaß, den die BAnd bei den Aufnahmen hatten, erkennt man besonders bei dem Titel „McCarran airport „.
Hier stimmt alles: Komposition, Arrangement und musikalische Ausdruckskraft. Chris Dedrick und seine MitstreiterInnen vermittelt besonders in diesem Album viel Wärme und Harmonie im Gesang der Vier.
Fazit: Meine Hochachtung für dieses 50-jährige Experiment in der Musikgeschichte, wenn dieses auch nicht vom verdienten Erfolg gekrönt wurde. The Free Design sind für mich eine Perle des Pop.


Bandgeschichte

The Free Design waren ein Familien-Projekt: die Familie Dedrick: Zur Urbesetzung gehörten Christopher Dedrick (1947-2010), der die meisten Songs schrieb, seine Schwester Sandy und Bruder Bruce. Später kamen die jüngere Schwester Ellen dazu, so wie eine Zeit lang ihr Cousin Jeff Dedrick. Gegen Ende der 1970er-Jahre kam noch die jüngste Schwester Stefanie hinzu. Der Vater der Geschwister – Art – war arrangierte die Songs und spielte zudem Trompete. The Free Design wurde 1967 in New York City gegründet. Laut Chris wurden sie von Vocal-Gruppen wie den The Hi-Los beeinflusst (die zu dieser Zeit häufig in Greenwich Village auftraten), sowie von Peter, Paul and Mary und den Kontrapunkt-Experimenten Benjamin Brittens. Der weiche harmonische Sound, der zu ihrem Markenzeichen wurde, basierte auf komplex ausgearbeiteten Vocal-Parts und fließenden Melodien.
Die Band veröffentlichte zwischen 1967 und 1972 sieben Alben, die ersten sechs auf Enoch Light’s Label Project 3, das letzte, There is a Song, auf dem Label Ambrotype. Größtenteils wurden sie dabei von Studiomusikern begleitet.

Nach der Trennung im Jahre 1972 nahm Chris Dedrick ein Solo-Album auf: Be Free, das jedoch erst 2000 veröffentlicht wurde. Danach zog er nach Toronto, wo er als Produzent, Arrangeur und als Komponist klassischer Musik sowie Film-Soundtracks arbeitete.

Das Comeback
Im Laufe ihrer Karriere hatte The Free Design nie wirklich kommerziellen Erfolg, jedoch eine kleine, aber treue Fangemeinde. Die Gruppe blieb bis zu ihrer Trennung ein Geheimtipp. Der Song 2002 – A Hit Song aus dem Jahre 1969 handelt vom vergeblichen Streben nach dem Durchbruch.

Mitte der 1990er-Jahre jedoch erwachte im Zuge der Wiederentdeckung von Easy Listening und Sunshine Pop der 1960er und 1970er ein neues Interesse an The Free Design. Im Jahr 1994 wiederveröffentlichte der japanische Musiker Cornelius den Free Design-Katalog auf seinem Label „Trattoria“. Im Jahr 1997 coverte die Band Tomorrow’s World den Free Design-Song Kites Are Fun und 1998 veröffentlichte das spanische Label „Siesta“ vier Compilations. Die Gruppe Stereolab, deren Lounge-inspirierte Musik einen deutlichen Free Design-Einfluss zeigt, brachte 1999 ein Single mit dem Namen The Free Design heraus. Im Jahr 2000 coverte Dressy Bessy den Free Design-Song Bubbles auf dem Soundtrack zum Film Powerpuff Girls.
Angeregt von dem neuerwachten Interesse kam die Band 2000 nach nahezu 30 Jahren wieder zusammen und nahm den Song Endless Harmony für das Beach Boys -Tribute-Album Caroline Now auf. In der Folge entstand 2001 (mit fast allen Mitgliedern der Gruppe; nur Ellen fehlte) das Album Cosmic Peekaboo.

Im Jahr 2005 erschien das Album The Now Sound Redesigned auf dem verschiedene Gruppen wie Stereolab, Super Furry Animals und Peanut Butter Wolf Songs von The Free Design remixen.
2009 hinterlegte der Autohersteller Toyota einen Werbespot mit dem Titel „Love You“ von The Free Design.
The Free Design werden heute als Klassiker des Genres Easy Listening angesehen und finden breite Anerkennung, nicht zuletzt da ihre Musik starken Einfluss auf Gruppen wie Stereolab, Cornelius, Pizzicato Five, Beck und The High Llamas hatte.


Pressestimmen zum Album: „Musik von einem anderen Stern. In der Tradition der klassischen Vocal-Groups, von Jimmy Webb, den Beach Boys und den Carpenters.“ (Rolling Stone) „Leichtgewichtiger als die Beach Boys, melancholischer als Jimmy Webb. Ihr neues Meisterwerk.“ (Aktiv Musik) „Die elf grazilen und in höchstem Maße eleganten Kompositionen, vorgetragen in engelsgleichem mehrstimmigen Gesang, bewegen sich auf einer Ebene, die kaum Vergleiche zu anderen Künstlern zuläßt.“ (WOM-Journal) „Die Gruppe um Songwriter Chris Dedrick besticht mit einschmeichelnden Harmonien, verträumten Melodien und perfekten Gesangs-Harmonien.“ (Musikwoche) „Diese Lieder können tatsächlich das Leben einer Generation tragen.“ (Spex) „So gut klang Easy Listening seit Ewigkeiten nicht mehr.“ (UNCUT)


https://www.thefreedesign.com/

Daten zum Album Cosmic Peekaboo:
Veröffentlichung  – 26. Februar 2001
Label: Marina (Indigo)
ASIN: B000058DX7
Verfügbare Ausgaben: Audio CD  |  Vinyl

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