Schlagwort: Wörterbuch

B | Ein biographisches Wörterbuch

Wenn ich die Fähigkeit dazu besäße, würde ich ein biographisches Wörterbuch herausgeben, und etwa in alphabetischer Ordnung zunächst alle die zusammenstellen, welche keinen Bart tragen. Der Kürze wegen könnten die Lebensbeschreibungen der Gelehrten, Literaten, Künstler, ausgezeichneten Krieger und Staatsmänner, – überhaupt all der Menschen, welche vom allgemeinen Interesse in Anspruch genommen werden, wegfallen; ihr Leben ist einförmig, langweilig; Erfolge, Talente, Verfolgungen, Beifall, ein Leben im oder außer dem Hause, der Tod auf halbem Wege, Armut im Alter – das alles gehört nicht dem Betreffenden, sondern seiner Zeit. Darum vermeide ich keineswegs biographische Abschweifungen: sie offenbaren den ganzen Reichtum der Schöpfung.

Wer Lust hat, mag daher diese Episoden überschlagen, aber damit überschlägt er auch zugleich die Erzählung selbst. | Aus Alexander Herzens: Wer ist schuld?

***

Alexander Herzen porträtiert von Nikolai Nikolajewitsch Ge, ca. 1867

Alexander Iwanowitsch Herzen (Pseudonym Iskander; * 25. Märzjul./ 6. April 1812greg. in Moskau; † 9. Januarjul./ 21. Januar 1870greg. in Paris) war ein russischer Philosoph, Schriftsteller und Publizist.

J wie Januskopf

…Denn nun schlugen die Strudel wilder, ungezügelter Phantasien über ihm zusammen. Ein Januskopf mit drei Gesichtern drehte sich auf einer Windmühle. Ein kleines Ferkelschwein mit gelben Kinderschuhen an den Füßen saß auf dem Schoß des Jankel Navratil und trank aus einer Saugflasche. Dann kam ein Hermelin mit weichem Fell und legte sich schmeichelnd an die Brust seines Wärters. Und Innocenz streichelte es, bis die Bestie auffuhr und ihm in die Kehle biss. Da schrie er auf in seiner Not, wollte entfliehen, schlug mit den Händen gegen die Schiffswand und schrie wieder, schrie, dass die Wände gellten und die Schiffsbemannung zusammenlief….

Aus: Adam Karrillon –  O Domina mea – 1920

Zum Janusdruck: Don Bernard de Montfaucon (* 16. Januar 1655 im Schloss Soulatgé in der Languedoc, Frankreich; † 21. Dezember 1741 in Paris) war französischer Gelehrter und Paläograph. Mit „L’Antiquité expliquée et représentée en figures“ (1719) kommentierte er 1120 Bildtafeln von antiken Monumenten.

Wörterbuch: Q wie Burg Querfurt & Gebhard XIV.

Flodiho = Florian Hoffmann - Eigenes Werk Grabtumba Gebhards XIV. von Querfurt in der Burgkirche der Burg Querfurt
c Flodiho = Florian Hoffmann – Grabtumba Gebhards XIV. von Querfurt in der Burgkirche der Burg Querfurt – CC BY 3.0 – Quelle: wikipedia

 

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch

Zu Querfurt saß ein Graf des Namens Gebhard, dessen Bruder war der heilige Bruno, der Apostel der heidnischen Preußen nächst dem heiligen Adalbert. Graf Gebhard war ein strenger und ernster Herr, starren Kopfes und raschen Handelns. Da er nun einmal eine Zeitlang aus seiner Herrschaft abwesend war, gebar ihm seine Gemahlin, eine edle Sachsin, auf dem Hause Querfurt auf einmal neun Kindlein. Über so reichen Segen erschraken sie und ihre Frauen nicht wenig und getrösteten sich von dem Grafen und Herrn nichts Guten, denn er war gar wunderlich und hatte schon zum öftern sich ungünstig über Frauen geäußert, die mehr als ein Kind, etwa zwei oder drei, zugleich geboren, nun vollends dreimal drei, das dürfte ihm schier allzu viel dünken und nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheinen. Wurden daher untereinander Rates, eines der Kindlein, das erste und stärkste, zu behalten und die acht übrigen beiseitezuschaffen, und ward einer der dienenden Frauen befohlen, die acht Kindlein in einem Kessel hinwegzutragen und den Kessel, mit Steinen beschwert, in den nahen Schloßteich zu senken. Dieser Trägerin begegnete der heilige Bruno, welcher damals in Querfurt lebte und in früher Morgenstunde bei einem schönen Quellbrunnen auf- und abwandelte und sein Gebet sprach, und da er ein Kindlein winseln hörte, fragte er, was sie trüge. Das Weib erschrak und sprach: Junge Welflin (Hündchen) – und wollte rasch vorübereilen, allein Bruno nötigte sie, den Mantel von dem Kessel aufzurücken, und sah die acht Kindlein und zwang der Frau das Geständnis ab, wem sie gehörten, die ihm nun auch die ganze Wahrheit sagte. Bruno legte ihr tiefes Schweigen auf, selbst gegen die Mutter, taufte in dem kupfernen Kessel, darin die Kindlein lagen, dieselben an dem Quellbrunnen und nannte sie insgesamt Bruno nach sich selbst, dann brachte er sie unter bei guten treuen Leuten zur Pflege und Auferziehung und hielt alles tief geheim, bis die Zeit kam, da er wieder gen Preußen zu ziehen gedachte. Der aufbehaltene neunte Knabe wurde Burkhart genannt und ward Hernachmals der Großvater Kaiser Lothars. Da nun Bruno aus dem Lande zu ziehen im Begriff stand, offenbarte er seinem Bruder das Geheimnis und nahm ihm das Versprechen ab, seiner Gemahlin jene frevelnde Tat nicht entgelten zu lassen, die nichts anderes wisse, als daß die Kindlein tot seien, und die Jahre her stets tiefe Reue und schmerzliche Betrübnis darob empfunden. Dann ließ er die acht Knäblein, eines gekleidet wie das andere, in das Schloß bringen und stellte sie den Eltern vor, da sahen sie wohl an Gestalt und Gebärden, daß sie des neunten rechte Brüderlein, und war Leid und Freud beieinander. Doch ließ Graf Gebhard seine Gemahlin nicht ganz ohne Strafe. Er ließ ihr ein Paar neue Schuhe machen, nicht von Leder, sondern von Eisen, und dieses Eisen ließ er glühend machen, und solche rote Schuhe mußte die Frau Gräfin auf eine Zeit anziehen, darum, daß sie in den kindermörderischen Rat eingewilligt. Selbige Schuhe, wie jenen Taufkessel zeigt man noch in der Kirche zu Querfurt, der Quellbrunnen wird noch heute der Brunsborn genannt, und der Teich, dahinein die Welflin gesenkt werden sollten, heißt noch bis diesen Tag der Wölfenteich.

In der Lauterburg bei Querfurt geht noch ein Spuk um, das Schlüsselweibchen genannt.

trennlinie2Gebhard XIV. von Querfurt (* zwischen 1310 und 1320; † 1383) war der Sohn von Bruno III. von Querfurt (* 1280) und Mathilde von Honstein (* 1285). Gebhard XIV. war Burgherr von Querfurt von 1356 bis 1383. Zusammen mit seinem Sohn Bruno V. von Querfurt übereignete er dem Kloster Reihnsdorf zahlreiche Einkünfte.

Die Tumba (Grabmal) des Gebhard XIV. von Querfurt

Das Grabmal des Gebhard XIV. findet sich in der Grabkapelle (aus dem 14. Jh.) der Burgkirche auf Burg Querfurt. Als skulpturales Meisterwerk wurde die Tumba im späten 14. Jahrhundert von böhmisch geprägten Bildhauern gearbeitet. Die Inschrift auf der Deckplatte der Tumba lautet:

Anno domini m. ccc. LXXXIII in nocte S. Katerinae obiit gebeard nobilis Dominus in quernfurt cuius anima requiescat in pace / Amen. Qui augmentavit Dominium Quernfurdensium cum munitionibus & castris Supra Scriptis: / Primo cum castro & oppido Quernfurt; quod / fuerat alienatum a Dominio Quernfurdensi Pluribus annis. Quod reobtinavit cum filia Domini Burckardti Domini de Mansfeldt tandem eruit Castra subscipta Karsdorff, Alstedt, Scheidingen, Carpenaw, Steinburg, Voxstedt cum eorum / attinentiis. Insuper eruit multa alia bona Villas, Census, Decimas, dotavit Altaria, & dilexit Pacem tenens. Ideo eius Anima / requiescat cum Christo in coelis / Amen.

Wörterbuch: J wie ♠ Emil, mir juckt ’se ♠

Emil, mir juckt ’se

Ein süßes Kind, ’ne hübsche Puppe
nennt mich mein Emil jeden Tag.
Doch ab und zu hab‘ ich auch Mucken,
das ist für ihn dann eine Plag;
denn ich bin mächtig abergläubisch,
und hab‘ ich nachts einmal geträumt,
so will ich wissen gleich einstweilig
von ihm die Deutung ungesäumt.
Und wenn mir’s juckt mal in der Hand,
dann komm‘ ich gleich gerannt –
und ist’s die Linke noch dazu,
quäl‘ ich ihn ohne Ruh:

„Emil, mir juckt se,
jetzt diesen Augenblick!
Emil, mir juckt se,
ja – das bedeutet Glück!
Emil, mir juckt se,
was kann denn das bloß sein?
Ich glaub‘ mir schenkt heut‘ einer was,
ach Emil, das wär‘ fein!“

Doch nicht nur Links fühl‘ ich das Jucken,
auch Rechts spür‘ ich zu mancher Zeit:
Die rechte Hand tut mir dann jucken,
wenn ich mal komm‘ in einen Streit.
Erst kürzlich war ich im Gezeter,
mein Emil der kam später zu.
Da sprach ich: „Schau‘ mal an, da steht er,
der Kerl läßt mich nicht in Ruh –
spricht mich hier auf der Straße an,
an den, da geh‘ ich ran!“
Mein Emil sprach: „Sein ruhig bloß!“
doch ich geh‘ auf ihn los:

„Emil, mir juckt se,
der Kerl kriegt was ab!
Emil, mir juckt se,
der kriegt was, nicht zu knapp!
Emil, mir juckt se,
bei dem hilft Wichse nur!
Haust du ihn nicht, dann tue ich’s:
Dem komm ick auf die Spur!

Wir schwärmen beide für das Grüne,
und kommt die schöne Sommerszeit,
dann singt das Vöglein, summt die Biene,
da freu’n wir uns an Flur und Heid‘.
Doch können wir uns nie erquicken,
denn hinter mir sind – wie gebannt –
stets immer die verflixten Mücken,
zerstechen mir die ganze Hand!
Erst jüngst war’n wir im Wald allein,
es war so still und traut.
Wir küßten uns im Mondenschein,
da rief ich plötzlich laut:
„Auuu!

Emil! Mir juckt se!
O weh! Ein Mückenstich!
Emil! Mir juckt se!
Ist das nicht fürchterlich?
Emil! Mir juckt se!
Wie scheußlich ich das find‘!
Und gerade muß mir das passier’n,
wenn wir im Walde sind!“

trennlinie2Interpretiert u.a.Grete Wiedecke

Berliner Couplet anno 1908 – Text: R. Seel

Wörterbuch: D wie Dorf der Stille

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Dorf der Stille – Aushalten – leblos – drei Affen; einer bricht die Regel – Miteinanderlos – Stille gibt es nicht – Friedhof – gefangen – Ort des Handels – verantwortungslos – niemals Gewitter – welche Farben? – Navi ohne Karte – blind & taub ist ein Sinnesraub – Dunkelkammer – Kutten Kerzen Gelübde – kinderlos – 3faltigkeit Vergangenheit Jetzt Vergangenheit – Standbild – Rückzug – Erlösungspanne – Liebesleben alter Menschen – Hella von Sinnen – Prozession – Marktplatz leergefegt – Voglenetze als Stadtmauer – brüllende Bäume.

 

Wörterbuch: P wie Panikraum

Dieses innere schmunzeln bei der Vorstellung wie ein properer „Dotcom-Millionär“ versuchte, sich der Verhaftung in seinem Hause zu entziehen. Bei dem Kraftakt der Polizei verschanzte er sich schlussendlich im Panikraum seines Hauses. Wie gern wäre ich mit der versteckten Kamera dabei gewesen, als aus ganz groß ein ganz klein wurde. – Marianne Weishaupt

Wörterbuch: U wie Urteil ◊ Max Frisch & Ernst Ludwig Kirchner

Kein Tag vergeht, ohne dass ich urteile, bald so, bald anders; es reißt einen hin und her, und was noch mühsamer ist, es bleibt eine Art von schlechtem Gewissen, das sich selber nicht klar wird, Unbehagen der Verschonten, das uns seit Jahren begleitet und oft so wunderliche Blüten treibt: Man macht sich Vorwürfe, dass man überhaupt urteilt. – Max Frisch

Kirchner_-_Das_Urteil_des_Paris - 1912
Ernst Ludwig Kirchner – Das Urteil des Paris – 1912

Wörterbuch: A wie angenagelt – Giordano Heimat Liebesleid

Ich bin angenagelt an dieses Land. – Ralph Giordano

Germania *oil on cotton *482 x 320 cm *1848

Buchtitel von Ralph Giordano. Ein genialer Titel, der zahlreiche Assoziationen auslösen kann.
Mich würde interessieren, wie diese Aussage jeweils interpretiert wird.

Es kommen Fragen hoch. Darf man die stellen? Öffentlich?
Wenn ein Mann wie Giordano das Leben unter den Nazionalsolzialisten bleibt und überlebt – was veranlässt einen Flüchtling (im Allgemeinen) anders zu denken und zu handeln? Darf man das überhaupt vergleichen? – Keine Unterstellung, reines Fragen.

Wie kann man in dieser Form behaupten, dass es keine Optionen gibt? ⇔ Wer kann sich solch einen Nagel schon selbst entfernen? Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen. – Martin Luther.

Angenagelt – wo ist die positive Assoziation? Ist Heimatliebe immer auch ein Leid? Schmerz inklusive?
Angenagelt – ein rein passiver Standpunkt?
Angenagelt – was soll das Kreuz hier?
Angenagelt sein. Eine Voraussetzung für Bindungen?

Mein Vater sagte sagte immer: Keine Freiheit ohne Disziplin. Der Nagel.

 

 

 

 

Wörterbuch: S wie Sehnsucht

Caspar David Friedrich - Mondaufgang am Meer - 1822trennlinie2
Sehnsucht

Es beginnt immer mit Sehnsucht.
Seele streicheln.
Ein Urlaub wäre,
gäbe es ein paar Tage lang nur gute Nachrichten.
Und das Bauchgefühl,
das würde sich von selbst wieder einstellen.
Ist es doch so wichtig gerade.
Stattdessen lähmen mich schlechte Nachrichten zunehmend.
Ganze Tage lang. Gestern ein verlorener Tag,
heute ein verlorener Tag.
Beide haben nichts miteinander zu tun.
Seit Wochen befinde ich mich in einem Strudel
aus guten Nachrichten und schlechten Nachrichten,
aus Lachen und Tränen, aus Angst und Zuversicht.
Ich wünsche mir ein paar Tage Ruhe.

Sehnsucht.

Wörterbuch: Z wie Zerstörung

Die Welt ist durch ein zerstörendes Prinzip entstanden – Dr. Joah Martelli

Anatomie des Herzens - Da VinciR

trennlinie2Die Welt ist nicht durch ein ursprünglich schaffendes, sondern zerstörendes Prinzip entstanden

Die wichtigste Entdeckung der neuern Philosophie besteht unstreitig in der dialektischen Methode, ja man kann sagen, daß mit ihr die Philosophie sich eigentlich selbst erst entdeckt hat. Aber so hoch sie es auch mittelst dieser Methode gebracht hat, hoffe ich doch, alle bisher dadurch gemachten Entdeckungen durch den Beweis vorstehenden Satzes zu krönen und hiemit die Philosophie selbst noch eine Stufe über ihren gegenwärtigen Standpunkt zu erheben.

Zuvor aber will ich versuchen, den noch Uneingeweihten einen kurzen Begriff von der dialektischen Methode und den Vorteilen derselben zu geben.Weiterlesen

Wörterbuch: E wie Endlos

Ferdinand Hodler - Der Blick ins Unendliche - Version 3 - 1903/04

trennlinie2Manchmal müsste man einfach ein Ende setzen.

EndeOhne Punkt, Komma, Wenn und Aber.
Keine Zeitung lesen, keine Mails abfragen, keine Internet-Seiten aufrufen, nicht mehr ans Telefon gehen. Radio aus, Kopf aus.

Ende

Ein Köfferchen packen, ganz klein nur und unnötig. Weil: Ende ist kein Ziel, an dem man einen Pullover für kalte Nächte braucht oder gar eine Unterhose zum Wechseln.
Ein Köfferchen als Alibi, damit man auf dem Weg zum Ende nicht aufgehalten wird. „Jaja, ich verreise, ein Pullover, für kalte Nächte, Sie wissen schon.“ – „Na, dann bis demnächst.“

Demnächst. Ich glaube, das liegt auch so kurz vor Ende.

Also schnappe ich mein Köfferchen und will los laufen, Richtung Ende. Dann stelle ich fest, dass ich gar nicht weiß, wo Ende denn genau ist. Und weil diese blöde Hure Hoffnung an meinen Haaren zerrt und mich zurückzieht, bleibe ich wo ich bin.
Bis das Ende sich zu mir setzt. Oder bis das Leben die Hoffnung kaputt gefickt hat.

Ende

Wörterbuch: Z wie Zeugung [Hildegard von Bingen]

Albin Egger-Lienz - Zeugung - Entwurf 1913/14 - Realismus, Symbolismus - Sammlung Luis Trenker
Albin Egger-Lienz – Zeugung – Entwurf 1913/14 – Realismus, Symbolismus – Sammlung Luis Trenker

Die Zeit der Zeugung

Denn zur rechten Zeit der Wärme und Kälte wirft der Mensch das Saatkorn aus, und dieses geht zur Frucht auf. Wer wäre denn so thöricht, bei zu grosser Sommerhitze oder Winterkälte zu säen? Und die Saat würde verderben und nicht aufgehen. So geht es mit den Menschen, die nicht die Reife ihres Lebensalters und die Zeit des Mondes in Betracht ziehen, sondern zu einer beliebigen Zeit nach ihrer Willkür zeugen wollen. Deswegen gehen ihre Kinder unter vielen Schmerzen körperlich ein. Aber wie sehr sie auch am Leibe schwach sind, Gott sammelt doch seine Edelsteine zu sich. Daher soll der Mann die Reife seines Körpers erwarten und nach den rechten Mondzeiten mit solchem Fleiss forschen, wie einer, der seine Gebete rein darbringt; auf dass er zur rechten Zeit einen Sohn zeuge und seine Kinder nicht elendiglich verkommen. Er soll nicht sein wie ein Mensch, der die Speise in sich schlingt, ein Vielfrass, der nach der rechten Essenszeit nicht fragt – sondern wie einer, der die rechte Zeit innehält, dass er nicht gierig sei. So muss es der Mensch halten und die richtige Zeit der Zeugung wahrnehmen. Der Mann suche das Weib nicht auf, wenn es noch ein Kind ist, sondern eine Jungfrau, weil sie dann reif ist; und er soll ein Weib erst berühren, wenn er einen Bart hat, weil er dann erst reif ist, einen Sprössling zu zeugen. Denn wer in Fressen und Saufen aufgeht, der wird oft in seinen Gliedern aussätzig und gebrestenhaft; wer aber mässig isst und trinkt, hat gutes Blut und gesunden Leib. So verstreut Jener, der immer wollüstig ist und in der Geilheit seines Körpers seinen Lüsten nachgeht, in dem Sturm seiner Zeugungslust unnütz seinen Samen und geht oft selbst mit seinem Samen zu Grunde. Wer aber seinen Samen richtig ergiesst, bringt es zur richtigen Zeugung.

Wörterbuch: B wie Bewegung [Hildegard von Bingen]

Von körperlicher Bewegung

Egon Schiele - Maennlicher Akt mit rotem Tuch
Egon Schiele – Maennlicher Akt mit rotem Tuch

Wenn ein körperlich gesunder Mann lange umhergeht oder aufrecht steht, schadet ihm das nicht viel, weil er sich körperlich bewegt, vorausgesetzt, dass er nicht zu viel geht oder steht. Wer aber schwach ist, muss sitzen, weil er davon Schaden nähme, wenn er ginge oder stände. Das Weib aber – denn es ist gebrechlicher als der Mann und hat einen andern Schädel – muss mehr sitzen als umhergehen, damit es keinen Schaden nimmt. Wer aber reitet, nimmt keinen grossen Schaden, wenn er auch davon müde wird, weil er sich in frischer Luft aufhält; aber er muss Füsse und Schenkel dadurch pflegen, dass er sie zuweilen bewegt und ausstreckt.

Wörterbuch: Q wie Quadrupelkonzert [Concerto in B minor, RV 580 – Antonio Vivaldi]

Komposition für 4 Soloinstrumente und Orchester.

Ein Beispiel:
Concerto in B Moll, RV 580 – Antonio Vivaldi

I. Allegro
 
Künstlerseite: Stefan Landon Smith (viola) 31.12.2011

Verlagsinfo: Stefan L. Smith
Urheberrecht: Creative Commons Attribution Non-commercial 3.0Weiterlesen

Wörterbuch – C wie Chemie und das MINT-Problem

Illustration: Stefan Otte
Anna Karina – Illustration: Stefan Otte

…diese Faszination, die diese schöne, blonde, offene, frohe Frau im Gespräch auf mich ausübte.
Diese Faszination, die ganz plötzlich, und zwar genau in dem Moment, in dem sie sagte, sie studiere Chemie, erlosch, und dies bestimmt nur deshalb, weil Chemie ein Fach ist, das mich in der Schule immer fürchterlich frustriert hat.

Wörterbuch: K wie Kavalier – Marek Hlasko

Marek Hlasko - Illustration: Stefan Otte
Marek Hlasko – Illustration: Stefan Otte

„Amor kam nicht heute abend“ – Titel einer Erzählung des polnischen Autors Marek Hlasko

Zitat aus dieser Erzählung: „Wenn ihr euch schon was angelt, dann seid vernünftig, Kerls. Voriges Jahr diente bei uns hier so ein Bursche, der hat sich im Laufe dieses einen Jahres achtmal den Tripper geholt, so dass wir ihn zum Schluss den >Kavalier zum goldenen Stern< getauft haben. …“


Marek Hłasko (* 14. Januar 1934 in Warschau; † 14. Juni 1969 in Wiesbaden) war ein polnischer Schriftsteller. 

Wörterbuch – M wie Mühe

American Progress - John Gast (1872), - eine Allegorie der "Manifest Destiny": Columbia, die Verkörperung der USA , führt die Zivilisation an der Spitze der Siedler nach Westen, indem sie Telegraphenlinien anlegt und dabei wilde Tiere und Indianer in die Flucht treibt.
American Progress – John Gast (1872), – eine Allegorie der „Manifest Destiny“: Columbia, die Verkörperung der USA , führt die Zivilisation an der Spitze der Siedler nach Westen, indem sie Telegraphenlinien anlegt und dabei wilde Tiere und Indianer in die Flucht treibt.

Beginne kein Werk, ohne Dich zu fragen: was will ich eigentlich erreichen, werde ich meinen Schritt nicht bereuen? Noch eine kurze Zeit, und ich werde sterben, alles wird für mich aufhören. Es lohnt die Mühe, sich nurmehr um das zu sorgen, ob ich im gegebenen Augenblick ein gutes Werk vollbringe, würdig eines vernunftbegabten Wesens, das dazu da ist, nach Gottes Gesetz mit dem menschen in Frieden zu leben.

Nach Marc Aurel

Wörterbuch: S wie Satans Kartenpiel

Hans Holbein der Jüngere - 1538 - Tanz des Todes
Hans Holbein der Jüngere – 1538 – Tanz des Todes

In Satans Kartenspiel liegen die Karten des Fluchs und der Zerstörung Kante an Kante der Vollendung. Nur die Liebe fehlt.  – Versteht er, dass er darum vielen Menschen zum Schicksal wurde? Für den einen wurde er zum Gottersatz. Für den anderen stellte er eine verpflichtende Beziehung.

O.Simon

Wörterbuch -H wie Heinrich Himmler über Marschall Tito (Josip Broz Tito)

Fundstück bei den Recherchen zu einem Bericht über Josip Broz Tito:

Josip Broz Tito
Josip Broz Tito

Ich möchte Ihnen noch ein Beispiel von Ausdauer nennen: die Ausdauer des Marschall Tito…Leider ist er unser Gegner. Den Marschalltitel hat er wirklich verdient. Wenn wir ihn jedoch erwischen, werden wir ihn auf der Stelle hinrichten. Er ist unser Feind, doch wäre ich froh, wir hätten in Deutschland ein Dutzend Titos, Männer mit solchen Führungsqualitäten, dieser Entschlossenheit und so guten Nerven, die sich nie ergeben, auch wenn sie völlig eingekreist sind.

Vor deutschen Offizieren, 1944

Besondere Anmerkung: mein Bekannter vom Archiv merkt dazu an; er überlege sich, wie dies in der Öffentlichkeit ankäme, würde dies ein amerikanischer Präsident zu einem Amtskollegen aus einem der „Schurkenstatten“ sagen….Besondere Anmerkung 2: ich hatte postwendend Lust auf eine Weißweinschorle bei Jacques….. 

Wörterbuch: M wie Männer – Sibylle Berg

Sibylle Berg Foto: Katharina Lütscher
Sibylle Berg Foto: Katharina Lütscher

„Würden die Männer nicht so viel Ärger anrichten, durch ihre Unfähigkeit zu artikulieren, in ihrere Gier nach Macht, in ihrem Gefühl, allein auf der Welt zu sein, man müsste sie wirklich bedauern, ….“

Sibylle Berg

Zitat zum Buch: Sibylle Berg – Das Unerfreuliche zuerst – Herrengeschichten, 17 Kurzgeschichten und zwei Gedichte von Till  Lindemann; Kiepenheuer & Witsch

Ein Wörterbuch-Roman – Inhalt-Destillat

Wörterbuch-Roman800„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“  – Marie Luise Kaschnitz

Mehr zur Idee lesen Sie hier.

Die Einträge in das Wörterbuch folgen dem Aufmerksamkeitsprinzip: Fällt etwas ins Auge, wird es festgehalten. Die spannende Aufgabe die daraus entsteht, ist darin einen Zusammenhalt zu finden und aufzuzeigen. Sei es als Roman, als Dokumentation.trennlinie2

Das Wörterbuch-Roman-Destillat:

 A
Askese
Anfang

B
Bildungssystem
Bilderrätsel
Bräutigam

C

D
Din Rodef (Todesurteil)

E
Erdnuss-Effekt

F
F wie Faden

G

H
Hunger
Heinrich Himmler

I

J

K
Knappenehe
Körper

L
Lebenszeit

M
Männer

N

O

P

Q

R
Rotgießer

S
System

T
Tee
Tokyo
Tod

U
Umgang
Utopie

V

W
Wollust
Weiber

X
Madame X

Y
Baskisches Y mit StreetArt aus Vitoria-Gasteiz

Z
Zweiundvierzig

trennlinie2

Wird stetig ausgebaut – bis zu jedem Buchstaben 5 Beiträge vorhanden sind.

Wörterbuch – K wie Knappenehe

Ritterschlag in einem Gemälde von Edmund Blair Leighton. Es wurde 1901 gemalt.
Ritterschlag in einem Gemälde von Edmund Blair Leighton. Es wurde 1901 gemalt.

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Im Rittertum die Beziehung zwischen Mann und Frau, die sich darin erschöpfen sollte, dass der Ritter seiner Dame die Dienste eines Knappen, eines noch nicht zum Ritter geschlagenen Edelknaben zwischen 14 und 21 Jahren erwies. Der Brauch wird darauf zurückgeführt, dass die Burgherren, wenn sie in den Krieg, auf Raub oder zu Kreuzzügen aufbrachen, den zurückbleibenden Knappen den Schutz der Frauen ans Herz legen.Weiterlesen

Wörterbuch – T wie Tee

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Liselotte von der Pfalz
Liselotte von der Pfalz – Quelle: Wikimedia – gemeinfrei

„Thee kombt mir vor wie Heu und Mist, mon Dieu, wie kann sowas Bitteres und Stinkendes erfreuen?!“
Das schreibt die geistvoll-humorige Liselotte von der Pfalz, die Schwägerin Ludwig XIV., eine Frau, deren unbestechliche  Beobachtungsgabe von aller Welt gerühmt wurde.

Wörterbuch – S wie System

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Frei nach Henry Ford:

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.”

Twitter-Tweet-Fund

Wörterbuch – A wie Askese

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Christoph Martin Wieland - Geimeinfrei - Quelle: wikimedia
Christoph Martin Wieland – Geimeinfrei – Quelle: wikimedia

„Ich werde bemüht sein, die Gegenwart meines Körpers so wenig wie möglich merklich zu machen.“
Und so reitet Don Quichote, bereit zu jeglicher Askese, in die Schweiz.

(Aus: Jutta Hecker – Wieland – Weimar 1963)

Wörterbuch – Z wie Zweiundvierzig

42„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

 


42 – Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams

Per Anhalter durch die Galaxis - Douglas Adams
Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams

Es ist die Antwort auf die vom Autor unklar gestellte Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ (life, the universe and everything), die in der Geschichte der zweitgrößte existierende Computer des Universums zu errechnen hat und sie als mit absoluter Sicherheit korrekt darstellt. Letztlich aber können die Protagonisten mit der Antwort nichts anfangen, weil niemand weiß, wie die eigentliche Frage lautete.

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42: Roman von Thomas Lehr – 2007

42_Thomas Lehr
42 – Roman – Thomas Lehr

Unweit von Genf liegt das Kernforschungszentrum CERN. Als an einem Sommertag eine Besuchergruppe aus dem Fahrstuhl tritt, ist Europa in einen Dornröschenschlaf gefallen und die Zeit steht still. Was ist zu tun? In diesem furiosen Roman schießt alles wie in einem Teilchenbeschleuniger zusammen: eine beklemmende Idee, modernste Zeittheorien und eine berauschende Sprache.

 

 

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§ 42 – Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten

(1) Durch Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten des Rechts kann das Steuergesetz nicht umgangen werden. Ist der Tatbestand einer Regelung in einem Einzelsteuergesetz erfüllt, die der Verhinderung von Steuerumgehungen dient, so bestimmen sich die Rechtsfolgen nach jener Vorschrift. Anderenfalls entsteht der Steueranspruch beim Vorliegen eines Missbrauchs im Sinne des Absatzes 2 so, wie er bei einer den wirtschaftlichen Vorgängen angemessenen rechtlichen Gestaltung entsteht.

(2) Ein Missbrauch liegt vor, wenn eine unangemessene rechtliche Gestaltung gewählt wird, die beim Steuerpflichtigen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteil führt. Dies gilt nicht, wenn der Steuerpflichtige für die gewählte Gestaltung außersteuerliche Gründe nachweist, die nach dem Gesamtbild der Verhältnisse beachtlich sind.
Aus: Abgabenordnung Zweiter Teil – Steuerschuldrecht (§§ 3377) – Zweiter Abschnitt – Steuerschuldverhältnis (§§ 3750)

Wörterbuch – R wie Rotgießer

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Der Rotgießer gießt aus verflüssigtem Gemisch von Kupfer, Zinn und Zink in Formen Gebrauchsgegenstände. Der Berufststand war insbesondere im 18. Jahrhundert von Bedeutung.


Rotgiesser
Rotgiesser

Quelle: Bild entnommen dem Buch „Beschreibung alter Berufsstände, im Druck verfertigt zu Franckfurt am Mayn – 1567“.

Wörterbuch – B wie Bilderrätsel

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Bilderrätsel_Entstehung_Schrift
Niedermesopotamien – 4. Jtsd. v. Chr.

Das Bilderrätsel: eine Spielerei. die zum Schlüssel der Schrift wird.

Die weichen Tontåfelchen, auf die die Schreiber anfangs ihre Texte ritzen, lässt man an der Sonne trocknen oder brennt sie in einem Ofen. Die Zeichen, die benutzt werden, stehen zunächst für Dinge oder Lebewesen. Der entscheidende Fortschritt in der Entwicklung der Schrift besteht nun darin, dass die Zeichen sich mit der Zeit auf die Lautwerte der Worte der gesprochenen Sprache beziehen.

Am Anfang jeder wirklichen Schrift steht also die Phonetisierung. Die Sumerer wie auch die Alten Ägypter benutzen dafür ein Verfahren, das wie eine Spielerei wirkt: das Bilderrätsel. Sie kommen auf die Idee, sich eines Piktogramms zu bedienen, das nicht das dargestellte Objekt bezeichnet, sondern für ein ähnlich klingendes Wort steht. Das funktioniert wie bei unseren Bilderrätseln: Das Bild von Sand und das Bild der Ahle stehen nicht jeweils für das Material oder das Werkzeug, sondern zusammen für das Kleidungsstück „Sand-Ahle“, also für „Sandale“. So verwendet man das sumerische Piktogramm für Pfeil, ti, um den Begriff Leben, das ebenfalls ti gesprochen wird, wiederzugeben. Das ist nur ein einfaches Beispiel, denn die Phonetisierung entwickelt sich über lange Zeiträume und auf sehr komplexe Weise. An diesem Punkt müssen die sumerischen Schreiber Determinative einführen, die die verwendeten Zeichen klassifizieren, um klarzustellen, ob es sich jeweils um das Objekt oder den Lautbezug handelt: Dadurch erst wird ein eindeutiges Lesen möglich.

Wörterbuch – F wie Faden

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

„Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.“ (Teil 2, Kapitel 2)

„Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet.“ (Teil 2, Kapitel 4)

Aus den „Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Wörterbuch – E wie Erdnuss-Effekt

Erdnüsse„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Psychischer Zwang, immer weiter konsumieren zu müssen [ähnlich wie beim Essen von Erdnüssen]. Die Folge davon sind Übersättigung und Schuldgefühle. Der Erdnuss-Effekt wird besonders bei Menschen beobachtet, die überdurchschnittlich viel fernsehen.

(Aus: Matthias Horx – Trendwörterbuch, Köln, 1997)

Meine Gedanken dazu: es schaut doch kaum noch jemand TV, oder?! Gesalzen oder ungesalzen?  Wie stellt man solch einen Trend fest?  Was sagen die wahren Experten dazu – die Psychologen?!  Wenn ich die Klatsche beseitigen will, wo muss ich dann ansetzen? Wieso Schuldgefühle?

Wörterbuch – T wie Tokyo

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Tokyo - Foto: Sven Pfuller
Tokyo – Foto: Sven Pfuller

Keine andere Weltstadt wirkt auf den frisch eingeflogenen Europäer auf den ersten Blick so vertraut und nach dem zweiten Blick so verwirrend wie Tokyo. Einerseits modernste Architekturen, glitzernde Konsumtempel, eine perfekt funktionierende Großstadtinfrastruktur. Anderseits, nur ein paar Fußgehminuten von den modernen Atherien entfernt, traditionelle Häuslein in Holzbauweise, Bambusstauden im Miniaturvorgarten, nachts kommt der Kloakenwagen, der die Fäkalien wegschafft.

Das Wörterbuch – W wie Weiber

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION – Der Zug der Weiber nach Versailles
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Die Revolution geht weiter, die Teuerung nimmt zu. In der Nationalversammlung hat der Adel auf das Jagdrecht verzichtet, die Geistlichkeit auf den Zehnten. Es gibt keine Privilegien mehr, aber es gibt auch noch immer kein Brot. Und die Truppen flößen der Bevölkerung weiterhin Furcht ein.
Zu Anfang Oktober entsteht das Gerächt, Leibgarden des Königs hätten die dreifarbene Kokarde, die des Lafayette, in den Staub getreten und ersetzten sie durch die schwarze der Königin. Daraufhin marschieren siebentausend Aufständische, vor allem Weiber, auf Versailles zu.
Bei den Truppen, die für Ordnung und Sicherheit sorgen, dient ein junger Offizier der Palastwachen, Thiébault: 

Es kam der Befehl, das Volk daran zu hindern, nach Versailles zu ziehen, und kurz darauf erschienen etwa sechzig schreckliche Weiber, die mit lautem Geschrei verkündeten, sie wollten den König aufsuchen, und jeden aufforderten, sich ihnen anzuschließen. Beim Anblick dieser Furien, die aus der

Richtung des Palais-Royal kamen und deren Zahl und Betrunkenheit von Schenke zu Schenke wuchs und von denen einige Stöcke und große Küchenmesser schwangen, hatte ich, was mir an Leuten noch übrig geblieben war, unter die Waffen treten lassen; ich hatte mich kampfbereit vor dem Portal der Feuillants aufgestellt und fünf Mann, darunter einen Korporal, mit dem Befehl ausgeschickt, das Gesindel zurückzutreiben. Da dieser Befehl die Weiber nur aufbrachte, wurde mein Vortrupp ausgepfiffen und zurückgeworfen; ich ließ ihm aber sogleich durch den Rest meiner Truppe, welche die Rue Saint-Honoré sperrte, Hilfe zukommen und ging gegen die Weiber vor. Mit kräftigen Kolbenstößen oder Fußtritten, mit den Bajonetten, die wir ihnen in die Seite oder den Leib drückten, warfen wir sie über den Haufen und drängten sie unter Schlägen bis zum Schießstand von Saint-Roch zurück; Flüche und entsetzliche Drohungen ausstoßend, drängten sie sich dort zusammen.Weiterlesen