Schlagwort: Judentum

Elisabeth Bergner | Heilige Johanna

Elisabeth BERGNER [1897 – 1986] Schauspielerin, studierte 1915-
1919 am Wiener Konservatorium, begann 1919 am Stadttheater von Zürich und kam über Wien und München nach Berlin. Ihren Ruhm begründete sie am Lessingtheater, 1921 mit der Darstellung der Rosalinde in
Shakespeares „Wie es euch gefällt” und 1922 mit der Königin Christine in dem gleichnamigen Stück von Strindberg. Im Deutschen Theater spielte sie mit besonderem Erfolg 1923 in Strindbergs „Fräulein Iulie” und 1924 in der „Heiligen Iohanna” von Shaw. 1928 gastierte sie in Holland, Dänemark, Schweden und Österreich, 1931~32 in Paris. Als sie 1933 nicht mehr an den deutschen Bühnen spielen durfte, ging sie nach England, wo sie die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Abwechselnd trat sie seither in London und New York auf, und eine Welttournee als Sally in „The Two Mrs. Carrols” führte sie bis Australien. Bei ihren Gastspielen hier nach dem Kriege erlebte auch wieder das deutsche Publikum ihre schauspielerische Gestaltungskraft und einzigartige Anmut. Die großen Filme, die ihr Mann Paul Czinner in den Iahren 1923-1939 mit ihr drehte, werden noch heute in aller Welt gezeigt.
Das Foto zeigt sie in der Rolle der Heiligen Johanna von George Bernard Shaw, die sie unter Max Reinhardts Regie in Deutschland erstaufführte.

Rabbi Nilton Bonder |Tauschen Sie nie eine gute Frage gegen eine Antwort ein

Er wurde von schweren Zweifeln gepeinigt. Daher beschloss er den Rat des weisen Rabbis zu suchen, um eine Antwort zu erhalten. Endlich gelang es ihm zum Rabbi vorzudringen. Dieser lud ihn ein, eine Frage zu stellen. Der Ratsuchende glaubt sich am Ziel, endlich die Lösung für sein Problem zu bekommen. Jedoch staunte er nicht schlecht, als er statt der Antwort eine saftige Ohrfeige erntete. Verwirrt und enttäuscht ging er davon.  Als er einen Schüler des Rabbis traf, gab dieser ihm eine Erklärung: „Der Rabbi hat Dir eine Ohrfeige gegeben, damit Du lernst, dass man niemals eine gute Frage gegen eine Antwort eintauscht.“

Aus: Der Rabbi hat immer Recht. Die Kunst, Probleme zu lösen.
Autor: Rabbi Nilton Bonder

AHAWAH Das vergessene Haus | Regina Scheer

AHAWAH bedeutet im Hebräischen Liebe.

AHAWAH stand bis in die dreißiger Jahre über der Tür eines Hauses in der Berliner Auguststraße 14/16, am Rande von Berlin, im s.g. Scheunenviertel. Erbaut durch den Architekten Eduard Knoblauch. Von 1861-1914 diente es als Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Danach war es das Kinderheim „Beit Ahawah“ (Haus der Liebe) für Kinder jüdischer Flüchtlinge aus Osteuropa, die sich in den Slums des Scheunenviertels niedergelassen hatten. Von 1941-1943 war dieses Haus Sammelstelle für den Abtransport jüdischer Menschen in Konzentrationslager. Später schien es keine Vergangenheit mehr zu haben.
Ab 1947 wurde daraus die Max-Planck-Oberschule, die Regina Scheer als Schülerin in den 1960er Jahre besuchte.
Schon damals,so schreibt sie, spürte sie die besondere Geschichte des Gebäudes und begann zu recherchieren. In den nachfolgenden 25 Jahren, in denen sie Karriere als Journalistin machte, heiratete und eine Familie gründete, Zeitzeugin des Zusammenbruchs der DDR mit den sich anschließenden gesellschaftlichen kommunalen Veränderungen wurde, behielt sie die Auguststraße 14/16 immer in ihrem Hinterkopf; und das Entdecken – oder besser: aufdecken seiner Vergangenheit wurde ein wichtiger Teil ihres Lebens. Die Journalistin spürte Menschen auf, die vor dem Krieg in diesem Haus gelebt hatten, einschließlich Kinder aus dem Haus selbst, durchforstete alte Zeitungen und suchte relevante Dokumente in verschiedenen Archiven, wie dem Archiv des Oberfinanzpräsidenten in West-Berlin. Dort fand sie Listen von Juden, die in Lager im Osten des Landes deportiert wurden.

Regina Scheer fügt so ein detailliertes Mosaik des jüdischen Lebens in der Auguststraße von den 1860er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, insbesondere von 1914 bis 1945, zusammen.
Einerseits bestimmt von der jüdischen Religion und kulturellen Konzepts Zedakah, „Gerechtigkeit, die natürliches und soziales Unrecht ausgleicht „(36 et passim): der Hilfe weniger privilegierter Mitbürger; der Unterstützung und Motivation mittels Krankenhäusern, Schulen, Altenheimen, Suppenküchen, Kinderbetreuungseinrichtungen, etc..
Und andererseits durch den umgreifenden Antisemitismus, die Beschlagnahme in den 1930er und 40er Jahren des Vermögens der Jüdischen Gemeinde, die Schließung der gemeinnützigen Einrichtungen auf Auguststraße und die Deportation der Juden  von dort.

Tzədāqā oder Ṣ’daqah (hebräisch צְדָקָה), häufig auch Tzedaka oder Zedaka, ist ein jüdisches Gebot. Tzedaqa spielt in der jüdischen Tradition eine wichtige Rolle, dem sowohl jüdische Männer als auch Frauen gleichermaßen verpflichtet sind. Tzedaka leitet sich vom hebräischen Wort für Gerechtigkeit ab. Meist wird Tzedaka jedoch mit Wohltätigkeit (bzw. Charity) übersetzt.

Nach Maimonides gibt es acht Stufen der Tzedaqa:

• Höchste Stufe: Dem Bedürftigen die Möglichkeit zu geben, sich selbständig zu ernähren (Hilfe zur Selbsthilfe)
• Wohltätig sein in einer Weise, dass der Spender und der Bedürftige nicht voneinander wissen.
• Der Wohltäter weiß, wem er gibt, aber der Arme erfährt nicht von der Identität des Spenders.
• Der Gebende kennt nicht die Identität des Bedürftigen, aber dieser kennt den Spender.
• Geben, bevor man gebeten wird.
• Geben, nachdem man gebeten wird.
• Zwar nicht ausreichend, aber mit Freundlichkeit geben.
• Mit Unfreundlichkeit geben.

Diese Vergangenheit wurde nach dem Krieg unter den Teppich gekehrt. Nirgendwo in der Schule war ein Hinweis auf die jüdischen Ursprünge des Gebäudes oder seiner Funktion während des Faschismus zu sehen. Die Bewohner in der Nachbarschaft mit denen Regina Scheer hatte schon längst verdrängt, was mit den jüdischen Einwohnern passiert war. Als sie diese Vergangenheit rekonstruierte, wurde das Versagen des DDR-Staates bewusst, der u.a. auf dem Grundsatz des Antifaschismus gegründet worden war.
Die Autorin zieht Parallelen zur heutigen Situation und der Rolle der Juden in Deutschland und bezieht kritisch Stellung zum wiederkehrenden Antisemitismus.

„Regina Scheer fand viele Lebensläufe und teilte sie mit. Sie schrieb ein Buch zur Geschichte und gleichzeitig ein Buch über Regina Scheer.“ | Vera Friedländer, Die Weltbühne

Durch das Buch hindurch zieht sich als roter Faden der Abgleich des „Deutschen Verhaltens“ mit dem jüdischen Gesetz der Zedakah.
Regina Scheers Text ist eine intensive Darstellung von Errungenschaften, Konflikten und dem Leiden der jüdischen Bevölkerung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es enthält Dokumente, Gespräche und unzählige persönliche Geschichten – Scheer hilft dadurch in gelungener Weise, die Erinnerung an die wechselvolle Geschichte und jenen ehemaligen Bewohnern der Auguststraße 14/16 zu bewahren.

In seiner Anschaulichkeit, seiner Wärme und dem Sinn für Menschenwürde, ist das Buch auch eine Würdigung der Arbeit von Heinz Knobloch. Nach dem Lesen des Buches, man geht man durch die Auguststraße mit anderen Augen.

Regina Scheer (* 1950 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Autorin. | Scheer veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte und hat 2014 ihren ersten Roman Machandel  [Knaus] vorgelegt, für den sie den Mara-Cassens-Preis erhielt.

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Regina Scheer | AHAWAH. Das vergessene Haus
Spurensuche in der Berliner Auguststraße
Broschur, 320 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-1008-5
8,95 € *) Inkl. 7% MwSt.

Über Israel – Leopold Sacher-Masoch: Jüdisches Leben in Wort und Bild

Kaete Ephraim Marcus (1892 - 1970) -   Der Markt in Tiberias
Kaete Ephraim Marcus (1892 – 1970) – Der Markt in Tiberias

Goethe sagt: Das auserwählte unter den Völkern ist nicht das beste, sondern das andauerndste.
In diesem wunderbaren Ausspruch ist die ganze Geschichte des israelitischen Volkes enthalten, alle seine Schicksale, gute und böse, spiegeln sich in demselben. Ja, es war unter allen Völkern, die den Erdball bewohnen, das ausdauerndste und deshalb hat es viel grössere und wichtige, als es selbst war, überlebt und sah den Ruhm, die lärmenden Thaten, den Glanz der Jahrhunderte vorüberziehen, gleich Schemen. Es hat das üppige Babylon in den Staub sinken sehen und das Reich der Pharaonen und Rom, der Sturm der Völker brauste an ihm vorüber, Gothen, Vandalen und Hunnen, das römische Kaiserreich Karl’s des Grossen fiel in Trümmer, das geistliche Weltreich der Päpste, die Monarchie Karl’s V., in der die Sonne nicht unterging, Holland, Schweden, Polen, traten vom Schauplatz ab, Spanien erntete die traurigen Folgen seiner Verfolgungswuth, der Thron der Bourbonen wurde umgestürzt, und der neue Cäsar fand in den Eiswüsten Russlands sein Ende, doch Israel bestand noch immer. Es trotzte dem Mord, der Pest, dem Scheiterhaufen und ging durch den Wechsel der Zeiten, ergeben und geduldig, die heiligen Gesetzrollen im Arm.Weiterlesen