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Giuseppe Favas „Ehrenwerte Leute“

Cover "Ehrenwerte Leute" von Giuseppe Fava

Die junge Lehrerin Elena Vizzini tritt ihre neue Stelle an, im kleinen sizilianischen Dorf Montenero Valdemone, fünftausend gemeldete Einwohner. Die Großstädterin hatte sich einen anderen Einsatzort gewünscht, hat aber keine Wahl, will sie doch endlich als Lehrerin arbeiten. Der Rechtsanwalt Bellocampo stellt ihr die Bleibe zur Verfügung, ein kaltes, unwohnliches Zimmer, das einst seiner Schwester gehört hatte.

Das Dorf reagiert auf den Fremdkörper Elena mit Distanz und Tuschelei. Nur ein Zugereister wagt es, sie überhaupt anzusprechen, äußerst dreist obendrein. Wer auf der Straße ist, erlebt, wie sich Elena gegen das aufdringliche Großmaul zur Wehr setzt, doch niemand hilft ihr. Wütend und aufgebracht über die stumpfen Dorfbewohner verkriecht sich Elena auf ihr Zimmer. Am nächsten Morgen sitzt eben jener junge Mann tot auf einem Stuhl auf der Piazza.

„So standen die Leute ordentlich und schweigend im Kreis herum. Die älteren Herren hatten sich aus dem Vereinslokal oder einer der Bars einen Stuhl geholt und saßen dicht an dicht.“

Doch das Schweigen geht weiter. Elena wird von der Polizei vernommen, die mit der Sache ebenso wenig anfangen kann wie Elena. Immerhin, ein alter Bauer erklärt sich bereit, der Polizei das Symbol der Blume im Mund des Toten zu erklären: Er habe eine Blume beleidigt, die Blume habe ihn daraufhin getötet. Mehr dazu gibt es nicht zu sagen.

„Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, dass von vierzig Personen, die wir dazu befragt haben, nicht eine einzige die von ihnen behaupteten Ereignisse bestätigt hat. Niemand hat bemerkt, dass Calògero Villarà Ihnen nachgelaufen ist und Sie belästigt hat. Genau gesagt, hat man auch Sie nicht gesehen und weiß nicht, wer Sie sind oder wie Sie heißen. Sie existieren nicht, und es hat nichts stattgefunden.“

Cover "Ehrenwerte Leute" von Giuseppe Fava
Cover | Unionsverlag

Ab diesem Zeitpunkt wird Elena zur Respektsperson; an ihrer machtvollen Aura spinnt derweil ein Unbekannter weiter, der Elenas Ansehen offenbar nach Belieben bei den Leuten verankern kann. Wegen ihr wird ein Reporter verprügelt, zwei weitere Menschen sterben, nachdem sie Elena angegriffen haben. Das Dorf wird gespenstisch, so wortlos und stumm, wie die Leute mit den Gewalttaten umgehen. Elena kann ihr mysteriöses Podest, das sie erhöht und gleichzeitig weiter isoliert, nicht fassen, nicht begreifen und niemand wird ihr dabei helfen. Nicht einmal mit ihrem Geliebten, dem Lehrer Michele Belcore, verbindet sie mehr als die nächtliche Leidenschaft. Belcore bleibt ebenso stumm wie der Rest der Stadt. Sein Lächeln wirkt, wie all das Lächeln im Dorf, wie „ein Schatten, ein mysteriöser Schimmer“. Kaum wechseln die Liebenden mehr Worte als für die nächste Verabredung nötig sind. Einzig für eine kurze Erklärung der stumpfen Stille sagt er mehr als sonst und Elena merkt bald, dass er sich selbst mittendrin sieht:

„Du kennst die Leute nicht, sie glauben an eine Art Plan und daran, dass Gott alles leitet, sie resignieren und auf diese Weise wird das Leben wieder erträglich, sie denken alles sei unausweichlich, das Elend und die Unwissenheit sind Teil diese Fatalismus.“

Giuseppe Favas Roman beunruhigt, weil er gezielt Angst und Unwissenheit einsetzt. Elena, die Frau aus der Großstadt, kann sich nicht erklären, warum sich ein ganzes Dorf in Schach halten lässt und ihre Angst überträgt sich auf den Leser, der die gewollte Stimmlosigkeit genauso wenig verstehen wird. Elena wird die Hilfe Stück für Stück entzogen. Ihr geheimnisvoller Beschützer ahnt, wer ihr zu nahe kommt und helfen könnte: Michele, der Ortsansässige, erklärt sich ohnehin nicht; ein Augenzeuge aus dem Elena treu ergebenen Armenviertel, der trotz seiner Angst mit ihr sprechen will, wird beseitigt; der schlaue Richter Occipinti, der ein denkbares Motiv entschlüsselt, wird schnell auf einen neuen Posten versetzt.

Vieles deutet auf den einen Menschen, der diese bedrückende Kontrolle ausübt, doch Fava lässt in diesem Mikorkosmos nicht einmal beispielhaft zu, was im Makrokosmos schon nicht funktioniert: Würde der Erste den Mund aufmachen, könnte der Bann gebrochen werden. Giuseppe Fava hat den Mund aufgemacht: Der Journalist und Schriftsteller setzte oft die Mafia ins Zentrum seiner Tätigkeit und zog hart mit ihr ins Gericht. Die Mafia tat, was sie auch in Montenero Valdemone getan hätte: 1984 ließ man ihn vor seinem Theater ermorden; der Prozess gegen die Täter verschleppte sich über zehn Jahre hinweg.

Mit derart offensichtlicher Gewalt brach die „ehrenwerte Gesellschaft“, nachdem die Proteste immer lauter wurden. Dennoch steckt Favas Roman nicht fest als Zeitzeugnis vergangener Tage. Montenero Valdemone, übersetzt etwa das Dorf mit dem schwarzen Berg und dem Tal des Teufels, kann überall sein. Fava fragt nach Courage, nach Mitdenken, nach Handeln. Und da der Leser mit Elena mitdenkt und fühlt, muss er sich am Ende auch mit Elena für eine von drei Lösungen entscheiden: Weggehen? Mitmachen? Unterordnen?

„Sie hatte noch zwanzig Sekunden Zeit, sich zu entscheiden …“

Der Autor

Giuseppe Fava wurde am 15. September 1925 geboren. Nach dem Abschluss seines Jurastudiums wandte er sich dem Schreiben zu und war ab 1952 hauptberuflich als Journalist tätig. Bekannt wurde er jedoch vor allem als Autor von Theaterstücken, Romanen und Sachbüchern.

Sowohl als Journalist wie auch als Schriftsteller setzte er sich vor allem mit der mafiosen Gesellschaft seiner Heimat auseinander; sein 1975 erschienener Roman Ehrenwerte Leute war sein größter, auch internationaler Erfolg. 1983 gründete er die Monatszeitschrift I Siciliani, die für die damals gerade entstehende italienische Anti-Mafia-Bewegung sehr einflussreich war.

Am 5. Januar 1984 wurde Giuseppe Fava vor dem von ihm gegründeten Theater in Catania, in dem sein Anti-Mafia-Stück L’ultima violenza aufgeführt wurde, ermordet.


ISBN 978-3-293-30368-3
Verlag: Unionsverlag
Erstveröffentlichung Original: 1975
Erstveröffentlichung Deutsch: 1990
Originaltitel: Gente di rispetto
Übersetzung: Peter O. Chotjewitz

Bettina Schnerr | Umberto Ecos „Nullnummer“

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Cover | HANSER

Knapp fünfzig ist der Journalist Colonna, als er eine interessante Anfrage erhält. Eine, die er positiv beantwortet und damit in den Augen des Auftraggebers sich und seine Laufbahn enttarnt. „Provinzzeitungen, kulturelle Kleinarbeit, Ghostwriting“ analysiert Simei, Herausgeber einer neuen Zeitung. Simei plant „Domani“ im Auftrag des Commendatore Vimercate, eine Zeitung, die sich mit Skandalen befassen soll, aber nicht einfach nur berichten wird. Domani soll mit möglichen Hintergründen aufwarten, und zwar so, dass ausgewählte Leser angesichts der Enthüllungen und Mutmaßungen nervös werden. Das Spiel des Commendatore ist raffiniert: Die Zeitung soll eigentlich nie erscheinen, er will damit nur den gut informierten Platzhirsch markieren und Zutritt zur feinen Gesellschaft erhalten. Gleichzeitig will Simei ohne Wissen des Commendatore über das Experiment ein Buch schreiben. Dieses wiederum soll Colonna schreiben, der dafür Mitglied der Redaktion wird.

Über zwei Monate hinweg dokumentiert Colonna in „Nullnummer“ seine Arbeit in dieser merkwürdigen Redaktion, einer Redaktion, in der außer Simei und Colonna niemand weiß, dass all diese Texte niemals erscheinen werden. Da ist Romano Braggadocio, der Faktensammler, der seinen Autokauf minutiös plant, Zahlen und Vergleiche sammelt und in seiner Datenflut untergeht. Für ein Auto kann er sich jetzt erst recht nicht entscheiden. Da ist Maia Fresia, promovierte Philologin, gescheit und ambitioniert, die bisher nur bei einem Klatschblatt mit Affären hausieren gehen durfte. Cambria, der sich in Notaufnahmen und Kommissariaten um Sensationsnachrichten mühte. Die arbeitslose Korrektorin Constanza, deren Tätigkeit bei den meisten Zeitungen mangels Interesse an korrekter Schreibung einfach nicht mehr gefragt ist.

Bettina Schnerr * Rezensionen Krimi Foto:Privat
Bettina Schnerr | Foto: privat

Überhaupt die Qualität journalistischer Arbeit: Sie steht im Mittelpunkt des Romans. Eco lässt an den Machern von Domani kein gutes Haar. Ein Begriff wie Lügenpresse fällt schnell, aber das ist gar nicht das Problem. Gelogen wird nicht. Die Kunst der „Dreckschleuder“, wie Eco diese Form des Journalismus nannte, ist nicht das Erfinden von Nachrichten, sondern das manipulative Darstellen von Fakten. Den Lesern Meinungen unterjubeln, Nachrichten zu Grüppchen mit suggestiver Wirkung zusammenstellen. Das Handwerkszeug der Zeitungen sind nicht die schönen Schriften, nach denen Eco seine Protagonisten benannt hat, sie sind nur Kulisse. Da passt es völlig ins Bild, dass die Bemühungen Maias, gute und informative Rubriken zu entwickeln, grundsätzlich unter den Tisch fallen. Der paranoide Verschwörungsjäger Braggadocio geringschätzt sie deswegen sogar. Er ist die heimliche Hauptperson des Romans, nicht Colonna. Colonna ist derjenige, der durch das Abenteuer Zeitung führt und moderiert. Der mit Maia eine Affäre beginnen darf. Aber die Show gehört in diesem Roman jenem, der die Idee der Skandalfindung zur Expertise erhebt und offenbar eine Art Grundstein entdeckt für alles, was in Italien seit 1945 passiert ist.

Braggadocio geht in seinem neuen Job auf. Seine Prämisse: Es gibt ausreichend Informationen, aber meist führen die Menschen sie nicht zusammen und ihnen entgeht folglich der Blick auf das Ganze. „Ein Fakt allein sagt gar nichts, alle zusammen lassen dich begreifen, was auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.“ Braggadocio ist also genau der Mann, der in den Berichten über die letzten Stunden Mussolinis das Detail findet, das alle anderen seiner Meinung nach nicht richtig interpretieren konnten. Er trifft Informanten, stöbert in Archiven und baut Stück für Stück eine Theorie auf, die zahlreiche Lücken in Italiens Ermittlungsakten schließen soll. Es gibt spektakuläre Attentate und Morde genug, deren Ermittlungen in Stocken gerieten oder abgewürgt wurden. Braggadocio glaubt zu wissen warum.

Eco speist seinen Roman aus vielen Versatzstücken. Die Zeitung, die nie erschien, gab es in Italien tatsächlich einmal (wobei sie im Gegensatz zu Domani groß angekündigt war und nicht im Verborgenen betrieben wurde). Der Commendatore erinnert an den aufstrebenden Berlusconi, der es mit einem Medienimperium an die Spitze der Gesellschaft gebracht hat. Vermutlich sieht ein Italiener noch mehr Anspielungen, die ausländischen Lesern entgehen.

Umberto Eco stellt ein bewusst aufgebautes Szenario zusammen, was man dem Buch auf ganzer Strecke anmerkt. Daran kränkelt der Roman aber auch. Das Konstrukt ist klug und entlarvend, aber auch blutleer. Bis zum Ende tändelt der Roman mit seinen Protagonisten durch die Tage, um am Ende mit einem Knall zu überraschen. Braggadocio lag mit irgendeiner seiner Vermutungen richtig und wird aus dem Weg geräumt – ein Ende, das sich durch einen Prolog von Beginn an erahnen ließ. Wer im Dreck wühlt, wird auch welchen finden. Was man bei Braggadocio noch für Gespinste eines Verschwörungstheoretikers hielt, bestätigen die Kollegen der BBC in einem detailliert und solide recherchierten Filmbeitrag. Während sich das Gros italienischer Sensationspresse mit Petitessen abgibt, manipuliert und suggeriert, laufen in Wirklichkeit viel krudere Geschichten hinter den Kulissen ab. Wie Colonna feststellt, werden nur leider zu wenig Menschen in Italien Interesse an der BBC zeigen.

Ecos letzter Roman erinnert den Leser an den Wert guter Information und sachkundiger Arbeit. Er zeigt auch, welche Nachrichten wirksamer sind: Schlichte Skandale, die die Leser nicht allzusehr fordern. In Ecos Romanwelt kommt das Gewichten, Einordnen und Kuratieren der bedeutenden Nachrichten zu kurz. Halt … nur in Ecos Welt?

„Die Menschen haben den Drang, ihr Scheitern anderen zuzurechnen. Schon in der Ilias wird das Schicksal Trojas als Verschwörung der Götter dargestellt. Wenn du im Stau steckst, schimpfst du über die Regierung. In Wahrheit bist du es selber, der den Stau produziert. Leute suchen Verschwörungstheorien, um sich selbst zu entlasten.“ | Umberto Eco

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Umberto Eco | 2010 | Copyright: Peter-Andreas Hassiepen

[Der Autor]
Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alessandria (Piemont) geboren und starb am 19. Februar 2016 in Mailand. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern und Wissenschaftlern der Gegenwart, der sich dazu als Kolumnist und Philosoph einen Namen gemacht hatte. Berühmt wurde Eco durch seine Romane, allen voran Der Name der Rose. Sein Werk erscheint im Hanser Verlag, darunter u.a. Der Friedhof in Prag (Roman, 2011) sowie Die Geschichte der legendären Länder und Städte (2013).

trennlinie2ISBN: 978-3-446-24939-4
Verlag: Hanser Literaturverlage
Erstveröffentlichung: 2015 (Original & Übersetzung)

Chirico Φ Rätsel der Ankunft

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Chirico – Rätsel der Ankunft – 1912 – Privatbesitz – Paris

 

Giorgio de Chirico (* 10. Juli 1888 in Volos, Griechenland; † 20. November 1978 in Rom; andere Schreibweisen: Giorgio Di Chirico oder DeChirico) war ein italienischer Maler und Grafiker. Er gilt als Hauptvertreter der Pittura metafisica, der sogenannten Metaphysischen Malerei, die als eine der wichtigsten Vorläufer des Surrealismus angesehen wird.

Oliver Simon Φ Das Sonett Φ Eine kleine Erzählung

Das Sonett

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Ich hatte das Sonett aus Italien zu Ende gelesen. Schaudernd schloss ich die Augen und lehnte mich in meinem Stuhl zurück.

Dann gab ich das Buch dem Professor mit den Worten zurück: »Das ist das keuschste und heiligste, was ich je las. Es ist wie der Gesang eines jungen Engels vor Gottes Thron; eines Engels, der zum ersten Mal über die goldenen Saiten der großen Harfe streichen darf. Zögernd und doch voller Zuversicht. Welcher Minnesänger hat dieses Lied auf die reinste aller Frauen geschrieben?«

Der Gelehrte antwortete mir: »Dieses Gedicht wurde von dem Hofpoeten der Medici geschrieben, als er wegen Wuchers im Gefängnis saß. Er schrieb es auf die venerische Mätresse seines Herren und hoffte dafür in Freiheit zu gelangen. Dieser innige Wunsch erfüllte sich zwar nicht, aber man schickte ihm als Dank einen kalten Kapphahnbraten in den Kerker. Und damit war er vorerst zufrieden.«

Unsere Weltwunder – Das größte Theater der Welt

Das größte Theater der Welt

Kolosseum -"Stierkampf in den Ruinen des Kolosseums - Rom (Italien) - Gemälde - 1552 - Maerten van Heemskerck (1498-1574) - Öl auf Holz
Kolosseum -„Stierkampf in den Ruinen des Kolosseums – Rom (Italien) – Gemälde – 1552 – Maerten van Heemskerck (1498-1574) – Öl auf Holz

trennlinie2Viele Millionen Menschen haben während längst vergangener Jahrhunderte in dem Kolosseum zu Rom gesessen und den nach unserm Geschmack höchst barbarischen Schauspielen zugesehen, die in der ungeheuren Arena dargeboten wurden. Viel Menschenblut ist dort drinnen unter wütendem Beifall der Massen vergossen worden; noch größer aber war das Morden unter wilden Tieren. Als der Kaiser Titus den von Vespasian begonnenen Bau im Jahre 80 n. Chr. einweihte, fanden hundert Tage lang ununterbrochen Schaustellungen statt; hierbei allein verloren 5000 wilde Tiere ihr Leben.

Für die außerordentlichen Dimensionen dieses Baus, der an Stelle eines künstlichen Sees bei der goldenen Villa des Nero errichtet wurde, spricht nichts deutlicher als die Tatsache, daß er nach manchen Zerstörungen durch Unwetter, Blitzschläge und Erdbeben lange Zeit als Steinbruch gedient, daß der Palazzo di Venezia, die Cancelaria, Palazzo Farnese, der Ripetta-Hafen aus Steinen des Kolosseums errichtet wurden, und daß das gewaltige Gebäude doch heute noch in überwältigender Größe dasteht. Fast die Hälfte dieses Denkmals der römischen Größe zur Blütezeit des Kaisertums ist verschwunden, aber immer noch künden die erhabenen Reste die Großartigkeit dessen, was einst dort gewesen. Das Theater hatte vier gewaltige Geschosse aus Travertinquadern von fast 50 Metern Höhe. Der Umkreis des elliptisch geformten Baus beirägt einen halben Kilometer. 80 Eingangsportale, die in Bogenform zwischen den riesigen Tragpfeilern ausgespart waren, sorgten dafür, daß 85 000 Besucher bequem Ein- und Ausgang finden konnten. Alle Sitze waren mit Marmor belegt; von diesem Material ist heute kein Bröckelchen mehr vorhanden.

Neuere Ausgrabungen haben unter der Arena großartige maschinelle Theatereinrichtungen bloßgelegt. Man fand die Vorrichtungen, die das Anfüllen des Schauplatzes mit Wasser für die sehr beliebten Seeschlachten gestatteten, und auch die Käfige, in denen die wilden Tiere bis zu ihrem »Auftreten« untergebracht wurden. Alles zusammen zeigt, daß dieses Wunderwerk der Antike ebenso groß als Kunstleistung wie als zweckmäßig eingerichtetes Theatergebäude gewesen ist.