Schlagwort: Expressionismus

Wilhelm Morgner | Siehe, der Mensch!

Menschenbilder im Expressionismus

Wilhelm Morgner (1891–1917) gilt als Ausnahmetalent des Expressionismus.
Seine Bilder, die sich zwischen Figuration und Abstraktion bewegen, beeindrucken durch die ausdrucksstarke Leuchtkraft ihrer Farben und die Rhythmisierung von Motiv und Bildraum durch Linien, Wellen, Kreise und Punkte. Obwohl Morgners erstaunliche Entwicklungdurch den Ersten Weltkrieg jäh beendet wird, hinterlässt er ein beachtliches Werk, das richtungsweisend für die Moderne ist.

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Ohne Titel (Ecce homo). 1912. Bleistiftzeichnung auf Velin. 13,2 x 17cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: WM (ligiert) / 12. Rahmen. Verso Stempel des Nachlassverzeichnisses von Georg Tappert mit der handschriftlichen Nummer »678" in Rot | Quelle: Van Ham Kunstauktionen
Ohne Titel (Ecce homo). 1912. Bleistiftzeichnung auf Velin. 13,2 x 17cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: WM (ligiert) / 12. Rahmen. Verso Stempel des Nachlassverzeichnisses von Georg Tappert mit der handschriftlichen Nummer »678″ in Rot | Quelle: Van Ham Kunstauktionen

Dem müssen wahrlich die Wörterspiele
Geläufig seyn, der übel sich fühlt
Und noch mit Gegensätzen spielt!
Allein, da jener von Brust und Rücken
Den Mantel hebt, Gott! welch ein Bild
Entblößt sich seinen starrenden Blicken!
Welch kläglich Ecce-Homo-Bild!
Sein Leib, bis an die Hüften enthüllt,
Ist, wie von tausend Schlangenbissen,
Von Geißeln jämmerlich zerrissen,
Von Striemen geschwollen und ganz in Blut!
Ein Anblick, eines Teufels Wuth
In Thränen zu schmelzen!

Aus: Christoph Martin Wieland | Das Wintermährchen.
Nach einer Erzählung im ersten Theile von Tausend und Einer Nacht.
Zweiter Theil. Der König der schwarzen Inseln.

Fred Endrikat trifft Ernst Ludwig Kirchner | Sinfonie des Lebens

Beherrscht man erst des Lebens große Sinfonie
und steht als anerkannter Virtuos und Meister da,
sucht man nach irgendeiner kleinen Melodie
und stümpert sie auf einer Kindermundharmonika.

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Beitragsbild: Ernst Ludwig Kirchner | Bogenschützen
entstanden 1935- überarbeitet 1937 | Öl auf Leinwand | 150 x 195 cm

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Fred Endrikat (1890 in Nakel – 1942) war ein deutscher Schriftsteller, Dichter und Kabarettist. Seine humoristischen Kabaretttexte und -lieder waren seinerzeit sehr erfolgreich. Zu Endrikats Lebzeiten waren seine Verse besonders beim Kleinbürgertum sehr beliebt. Später wurden einige seiner Gedichtzeilen zu geflügelten Worten: so stammt zum Beispiel der bekannte Ausspruch „Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen“ ursprünglich aus einem Gedicht Endrikats. Heute ist der Kabarettist, der die Sünde einst mit rotem Mohn im Ährenfeld verglich („Man jätet ihn als Unkraut aus und windet ihn zum Blumenstrauß“) weit weniger bekannt als mancher seiner Aussprüche oder Kabarettsongs.

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Ernst Ludwig Kirchner | Bogenschützen | entstanden 1935, & überarbeitet 1937

Die nachdenkliche Frau | Léon Spilliaert trifft Lou Andreas-Salomé

Des Nachts bisweilen, wenn der Sturm sich erhob, oder wenn oben im Giebelraum das Brustkind weinte und die Fischersfrau es in den Schlaf sang, vielleicht an den Mann denkend, dessen Boot im Sturm schaukelte – dann kam über Anneliese sehr stark das Gefühl von dieser sie umkreisenden, eigentlichen Wirklichkeit, und dann wollten ihr die beiden kleinen Stuben unten mit ihrem Muschelkram und den fremden Betten vorkommen wie ein bloß geliehenes Glück – Glücksobdach für kurze, ganz kurze Ferienwochen.

[Aus: Lou Andreas-Salomé: Das Haus von 1921 | Kapitel 15]

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Titelbild: Des Fischers Frau, nachdenkend | 1901 | Léon Spilliaert (1881-1946)

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Vissersvrouw nadenkend | Des Fischers Frau, nachdenkend | 1901 | Léon Spilliaert (1881-1946)

 

Marianne von Werefkin – Der große Mond – 1923

Marianne von Werefkin - 1860–1938 - “Der große Mond”, 1923.
Marianne von Werefkin – 1860–1938 – “Der große Mond”, 1923.

Dieses Farbfeuerwerk lässt mich immer wieder auf dieses Bild blicken. Dieses Motiv habe ich in den 1980er Jahren als Postkarte geschickt bekommen. Von einer unerreichten Liebe, die mich tröstete und einen gemeinsamen Urlaub in Aussicht stellte. Leider hat sie vorher die (inzwischen verblühte) Liebe ihres Lebens kennen gelernt und geehelicht. Auch wenn ich das Herz dieser Frau nicht gewinnen konnte; für die Karte bin ich ihr immer noch dankbar. Inzwischen hängt der große Mond als Kunstdruck in meinem Arbeitszimmer. Die zwei Wesen rechts erinnern mich an Seelenverkäufer und treiben mich bei der Arbeit an, wenn ich mal wieder ins Tagträumen versinke.
In einem Malkurs habe ich versucht, dieses Werk nachzumalen. Es ist mir nicht gelungen. Das Wirken der verwendeten Farben habe ich nicht hineinbringen können. Meine Ausgabe wirkte wirkte ein „Malen nach Zahlen“.

Hendrik Bartels, Uetersen

August Macke – Großer Zoologischer Garten – 1913 – Triptychon & Studie

August Macke, 1913. Triptychon, Öl auf Leinwand 129,5 × 230,5 cm. August (Robert Ludwig) Macke, *3. Januar 1887 in Meschede, † 26. September 1914 in Frankreich
August Macke, 1913. Triptychon, Öl auf Leinwand 129,5 × 230,5 cm. August (Robert Ludwig) Macke, *3. Januar 1887 in Meschede, † 26. September 1914 in Frankreich
augus-macke-bleistiftzeichnung-studie
Studie zum Triptychon „Großer Zoologischer Garten“ – August Macke 1912 – Museum Ostwall Dortmund

Mehr zum Erwerb der Studie durch das Museum erfahren Sie auf dieser Website (dortmund.de).

Anton Romako – Am Wasserfall – 1881

Am Wasserfall (Wien, Leopold Museum), 1881, Öl auf Leinwand, 89,3 × 63 cm
Am Wasserfall (Wien, Leopold Museum), 1881, Öl auf Leinwand, 89,3 × 63 cm

Anton Romako (* 20. Oktober 1832 in Atzgersdorf; † 8. März 1889 in Wien) war ein österreichischer Maler. Anton Romako war der uneheliche Sohn des Fabrikanten Josef Lepper und dessen Haushälterin Elisabeth Maria Anna Romako.
Neben seinen zahlreichen Landschaftsbildern (etwa aus dem Gasteinertal), die einen Einfluss der Schule von Barbizon verraten, ist er vor allem als Maler von Porträts und Historienbildern bekannt.
Seine Porträts sind in einem nervösen, fast früh-expressionistischen Stil gehalten, der die Zeitgenossen zutiefst verstörte. Gemälde von Anton Romako befinden sich vor allem in der Belvedere in Wien.