Sterne sind Gasbälle

Foto: Juskteez Vu - unsplas.hcom
Foto: Juskteez Vu – unsplas.hcom

Schaut man gegen den gestirnten Himmel, so unterliegt man zwei Täuschungen. Erstens glaubt man eine Unzahl von Sternen zu sehen. Es sind selbst am „sternreichen“ Himmel nur ein paar tausend. Zweitens denkt man, die großen seien groß, und die kleinen klein. Aber der größte, der Sirius, strahlt nur darum so hell, weil er am nördlichen Himmel der nächste ist, „nur“ achteinhalb Lichtjahre entfernt. Der Stern Deneb im Schwan erscheint viel schwächer. Er ist aber viel strahlender; sein Licht braucht 270 Jahre, um zu uns zu gelangen. Der Astronom entzieht sich dieser Täuschung. Er rückt jeden Stern in Gedanken und Berechnung in den Abstand von 33 Lichtjahren und vergleicht nun die Helligkeit, mit der die einzelnen Sterne in dieser Entfernung strahlen würden. Deneb wäre so hell wie Venus: Sirius so schwach wie Deneb. Unsere Sonne könnte man gerade noch als ein Pünktchen sehen. Auch in der Welt der Sterne ist zwischen Schein und Sein ein großer Unterschied.

Friedrich Gottlieb Klopstock, Gemälde von Jens Juel, 1779, Gleimhaus Halberstadt
Friedrich Gottlieb Klopstock, Gemälde von Jens Juel, 1779, Gleimhaus Halberstadt

Die Menge der Materie, aus der sich Sterne zusammensetzen, schwankt in nur geringen Grenzen, so dass man durchaus den Eindruck hat, als seien die Sterne den Regentropfen zu vergleichen und hätten sich als „Tropfen im All“, wie Klopstock sie einmal nennt, gebildet. Ober 90 Prozent haben eine Masse, die von jener der Sonne höchstens um das zehnfache nach oben oder unten abweicht. Größere Abweichungen bis zum dreißigfachen sind selten, und solche über das hundertfache sind äußerste Ausnahmen. Als man einen Stern mit einer Masse tausendmal so groß wie die der Sonne entdeckte, war man überzeugt, daß es sich nicht um einen einzigen Gasball handeln könne. Die spätere Untersuchung ergab, daß sich in dem sehr entfernten Lichtpunkt ein System von nicht weniger als vier Sternen verbarg.

Man merke sich: Die Massen sind ähnlich, die Maße verschieden.

Die — ungefähr — gleiche Menge von Materie kann nämlich entweder auf das engste verdichtet oder fast bis zum Verschwinden verdünnt sein. Man denke an Seifenblasen. Sie alle enthalten ungefähr die gleiche Menge Seifenwasser. Man kann es verdichtet lassen als Tropfen oder kann es aufblähen bis zur Größe eines Menschenkopfes — immer mit derselben Masse. Die großen Sterne nennt man Riesen oder auch Dberriesen; die kleinen nennt man Zwerge; es gibt sogar „Unterzwerge“, die nicht größer sind als die Erde — immer ungefähr die gleiche Masse! Der Überriese Antares besitzt einen Durchmesser von 6 509 000 000 km. Die Sonne verschwindet in ihm wie ein Grießkorn in einem Fußball. Da große Flächen hell erscheinen, leuchten die Riesensterne weit durch den Weltraum, und so braucht es uns nicht zu verwundern, daß fast alle großen Sterne unseres Himmels, wie Antares, Aldebaran, Rigel und Beteigeuze, Arcturus und Capella, zur Klasse der Riesen gehören, während man die Zwerge, obwohl sie dieselbe Masse haben und meist viel kräftiger strahlen, wegen der kleinen Fläche, die sie uns zuwenden, nicht erkennt. Die Zahl dieser schwer oder gar nicht zu entdeckenden Zwerge muß groß sein. In unserer näheren Umgebung, bis zu 16 Lichtjahren Abstand, umschweben uns 50 Sterne. Von ihnen sind 6, also mehr als 10 Prozent, Zwerge. Da sie annähernd diesselbe Masse enthalten wie große Sterne, ist ihre Materie sehr dicht. Der Trabant des Sirius ist nur 15mal größer, aber 330 000mal schwerer als unsere Erde. Seine Materie ist 20000mal dichter als Panzerstahl. Auf ihm wiegt ein Esslöffel so viel, dass man einen Kran brauchte, ihn zu heben.

Die Entfernungen zwischen den Gaskugeln sind im Verhältnis zu ihrer Größe ungeheuerlieh. Das Licht durchläuft den Ball der Sonne in einer Sekunde. Der nächste Stern ist, wie wir wissen,, viereinhalb Lichtjahre entfernt. Man stelle sich ein Fußballspiel vor: Die Spieler, die Zuschauer — einer vom andern um 1000 km getrennt, das ist der Bau einer Sternspirale, in der die Sterne zu einem Wirbel „dicht gedrängt“ sind!

Schauen wir einmal auf unsere „allernächste Nachbarschaft“, auf den kleinen Kreis in der Abbildung Seite 17. Der Kreis hat einen Durchmesser von 10 000 Lichtjahren. Das ist zu viel für unsere Betrachtung. Also schauen wir nur auf den kleinen weißen Punkt in seinem Zentrum. Was geht alles in diesen Punkt hinein? Zunächst unser Abstand von der Sonne — rund 150 000 000 km. Dann 250 OOO mal weiter entfernt der nächste Stern. Man sieht ihn nur auf der südliehen Hälfte des Himmels. Der nächste Stern am nördlichen Himmel steht in sechs Lichtjahren Abstand im Walfisch. Er ist ein Doppelstern, aber mit freien Augen nicht erkennbar, denn der eine schickt nur den 40000sten und der andere nur den 60000sten Teil des Sonnenlichts aus. Der nächste, am nördlichen Himmel mit freiem Auge erkennbare Stern ist der Sirius. 8,5 Lichtjahre entfernt. Dann kommen von größeren Sternen Prokyon mit 11, Atair mit 16, Aldebaran mit 25, Wega und l’omalliaut mit 27 Lichtjahren Abstand. Damit haben wir aber noch lange nicht den Inhalt des kleinen weißen Punktes erschöpft. Wenn wir nach vierzig Lichtjahren bei Capella angelangt sind, viele Millionen Jahre Raketenfahrt, haben wir den zwanzigsten Teil vom Durchmesser dieses weißen Punktes durchmessen.

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