Paul Cezanne – Entwurf eines Liebesbriefes – 1885 – Und einem Statement dazu von Paul

Paul Cezanne - Nachmittag in Naples - National Gallery of Australia, Canberra, Australia - 1875
Paul Cezanne – Nachmittag in Naples – National Gallery of Australia, Canberra, Australia – 1875

An eine Dame

Ich habe Sie gesehen, und Sie erlaubten mir,Sie zu küssen; von diesem Augenblick an hat mich eine heftige und nicht enden wollende Erregung befallen. Sie werden die Freiheit, Ihnen zu schreiben, die sich ein von Unruhe gepeinigter Freund Ihnen gegenüber herausnimmt, entschuldigen. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen diese Freiheit erklären soll, die Ihnen wohl recht groß erscheinen mag; aber konnte ich in dieser Niedergeschlagenheit, die mich bedrückt, verharren? Ist es nicht noch besser, ein Gefühl zu  offenbaren, als es zu verheimlichen?Warum verchweigen, sagte ich mir, was dich quält? Bedeutet es nicht eine Linderung des Schmerzes, wenn man ihm erlaubt, sich zu äußern? Und wenn der körperliche Schmerz in den Schreien des Gequälten einige Linderung zu finden scheint, ist es dann nicht natürlich, Madame, daß die seelischen Schmerzen in dem an ein angebetetes Wesen gerichtetes Geständnis Erleichterung suchen?
Ich weiß wohl, daß die verwegene und übereilte Sendung dieses Briefes Ihnen zudringlich erscheinen mag, und als einzige Fürbitterin bei Ihnen nur die Güte von….


Als ich diesen Entwurf entdeckte, der übrigens auf der Rückseite einer Zeichnung steht, dachte ich sofort: gut, dass es ein Entwurf geblieben ist. Cezannes Unterwürfigkeit, dieses Leiden durch etwas wunderschönes und seine Ich-Bezogenheit sind ziemlich abstoßend und ganz nebenbei unmännlich. Das Männer Gefühle zeigen sollen ist damit sicher nicht gemeint. Wenn ich eines in den vergangenen Jahrzehnten gelernt habe, Cezanne versammelt in seinem Entwurf so ziemlich alles, was eine selbstständige Frau an einem Mann hasst und von einem Männlein erwartet. Und dennoch schien er Erfolg bei Frauen gehabt zu haben. Woran lag das nur?

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