Stanisław Masłowski | Beehives – Bienenkörbe | Wasserfarbe | entstanden in Wola Rafałowska,, Polen | 1924 | Zu sehen im Silesian Museum in Katowice, Polen

Paris | Die Künstlerkolonnie „La Ruche“

Um 1900 hatte ein alter Bildhauer, Vater Dubois genannt, in Vaugirard, in der Passage de Dantzig, ein seltsames Gebäude in der Form
einer Rotunde bauen lassen, dessen mehr als primitive Ateliers für 80 bis 100 Franken im Jahr an Künstler und politische Flüchtlinge,  besonders Russen und Italiener, vermietet wurden. Es wurde „La Ruche“ [Der Bienenkorb] genannt. Die Nähe der Schlachthof und der „Zone“ gaben dieser Gegend ein seltsames Gepräge. In dem sehr bescheidenen Café, das im Winkel zwischen der Passage und der Rue de Dantzig lag, traf man von 1908 an Fernand Léger, Marc Chagall, Alexander Archipenko, Henri Laurens, Chaim Soutine, Pinchus Kremègne, Jacques Lipchitz, Amedeo Modigliani, Robert Delaunay. Sie bewohnten alle hin und wieder dieses seltsame Gebäude. Auch die Dichter Blaise Cendrars, Ricciotto Canudo, Guillaume Appollinaire, Max Jacob und der Philosoph Mecislas Golberg kamen hierher.

"La Ruche" Paris um1918 -Vor der Renovierung in den 1970ern
„La Ruche“ Paris um 1918 -Vor der Renovierung in den 1970ern

„La Ruche“ ist zwar nicht wie das „Bateau-Lavoir“ der Geburtsort einer künstlerischen Bewegung gewesen, doch findet man gewisse Gemeinsamkeiten bei seinen ehemaligen Bewohnern; so die starke Farbigkeit bei Léger, Chagall, Delaunay und Soutine, die sie in Gegensatz zu den Kubisten vom Montmartre stellt. Da „La Ruche“ allzu ärmlich war, verließen die Künstler es bald.
Im Laufe der urbanen Hochkonjunktur Paris‘ um 1968 gab es Pläne zum Abriss; das Gebäude war während des 2. Weltkrieges baufällig geworden. Mit der Unterstützung von Persönlichkeiten wie Jean-Paul Sartre, Alexander Calder, Jean Renoir und René Char konnte dieser jedoch verhindert werden. In den 1970er Jahren wurden Renovationsarbeiten unternommen und einige Ateliers eingerichtet.

"La Ruche" Paris um1918 -Vor der Renovierung in den 1970ern
„La Ruche“ Paris um1918 -Vor der Renovierung in den 1970ern

Und heute?  Auch wenn die Ateliers nicht öffentlich zugänglich sind, der Außenbau lohnt jedoch einen Besuch. Im früheren Atelier von Alfred Boucher befindet sich seit 2017 zudem über einen Ausstellungssaal, gelegen im Erdgeschoss des Gebäudes. Hier werden Wechselausstellungen veranstaltet. Randbemerkung: es gibt dort auch CoWorking-Plätze.

La Ruche befindet sich an der Passage de Dantzig 2, in der Nähe des Parc Georges Brassens, im 15. Arrondissement. Auf der Website der Fondation La Ruche – Cité d’artistes finden Sie zahlreiche historische Fotos und Hintergrundinformationen.

***

Titelbild: Stanisław Masłowski | Beehives – Bienenkörbe | Wasserfarbe | Entstanden in Wola Rafałowska,, Polen | 1924 | Zu sehen im Silesian Museum in Katowice, Polen

Also published on Medium.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!