Paracelsus – Arzt & Philosoph – Teil 3 – Allerorten Kampf

Paracelsus - Holzschnitte von Astronomica et Astrologica, 1567.
Paracelsus – Holzschnitte von Astronomica et Astrologica, 1567.

Wir sind im Jahre 1524. Paraceilsus nimmt seinen ersten Aufenthalt in Salzburg. Nahe der alten Kumpfmühle hat er sein Quartier. Viele Kranke gehen bei ihm ein und aus, aber auch Männer, die dem Magistrat nicht recht geheuer sind. Man hat sie in Verdacht, mit den aufständischen Bauern in Verbindung zu sein. Dreizack und Morgenstern, Dreschflegel und Bauernsense stehen allerorten auf gegen das Ritterschwert. Die Bauern wollen ihr Recht, ihr Recht auf Freiheit und den gerechten Ertrag der harten Arbeit ihrer Hände. Sie lehnen sich gegen die mächtigen und einseitig bevorzugten Adelsstände auf.
In Franken ist es der Ritter Florian Geyer, der die Bauern führt, in Thüringen Thomas Münzer, in Tirol Michael Gaismair. Im Jahre 1525 entbrennt der große deutsche Bauernkrieg. Die Bauern legen ihre 12 Artikel vor, in denen sie soziale Gerechtigkeit fordern. Doch siegen bei Mühlhausen die Fürsten über die Heere der Bauern und richten nun um so entschiedener ihre Herrschaft auf. Seit einem Jahr schon geht in Würzburg aus den Händen des  Tilman Riemenschneider kein Bildwerk mehr hervor, hat man ihn doch wegen seiner Beteiligung am Aufstand grausam bestraft und hm eine Hand abgeschlagen. Und nun wird auch Paracelsus verhaftet, weil er mit den Bauern im Bündnis war. Aber er hat Gelegenheit zu entkommen und flieht aus der Stadt.

Paracelsus - Wenceslaus Hollar
Paracelsus – Wenceslaus Hollar

Über ein Jahr begibt er sich jetzt wieder auf Wanderschaft, dies mal zwischen Donau und Rhein. Spärlich fließt die Kunde von seinem  Leben. Nur aus Ingolstadt ist bekannt, daß er ein Mitglied der hohen medizinischen Fakultät behandelt und die Tochter eines Ratsherrn, die alle Ärzte aufgegeben haben, auf wunderbare Weise geheilt hat. Dann taucht sein Name bald hier bald dort auf, in Neuburg an der  Donau, in Tübingen, Rottweil, Freiburg im Breisgau, Liebenzell Wildbad, Baden-Baden, Göppingen und in Neuenburg am Rhein, bis wir, unterm 5. Dezember 1526 im Bürgerbuch der Stadt Straßburg lesen, dass der Arzneiarzt Theophrastus von Hohenheim das Bürgerrecht erworben und sich einer Zunft angeschlossen habe, die die Kornhändler, Müller, Stärkefabrikanten, Wundärzte und andere einzelne Ärzte umfasst. Aber auch in Straßburg hält er sich nicht lange auf. Schon im November 1526, noch bevor er den Straßburger Bürgerbrief in Händen hat, finden wir ihn in Basel.

Basel, die blühende Stadt des Handels und Gewerbes, ist in dieser Zeit auch als geistiger Mittelpunkt des wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens berühmt. Da sind hervorragende Druckereien und leisten in der neuen Kunst des Buchdrucks, die der Mainzer Johannes Gutenberg 1455 der Welt geschenkt hat, Vorbildliches. Da ist die berühmte Universität, die der gelehrte Eneo Silvio Piccolomini 1460, als er bereits als Pius II. auf dem Papststuhl saß, gestiftet hat, und da sind Künstler wie Hans Holbein der Jüngere, und die erlauchten Geister aus dem Humanistenkreis: Erasmus von Rotterdam, Wolfgang Lachner, Marcus Heiland, Wolfgang Muskulus und andere.
Der Humanismus, jene geistige Bewegung, die, von Italien ausgehend, in der Wertschätzung des Menschen als Einzelpersönlichkeit gipfelt, sucht seine Vorbilder wie die Renaissance in der antiken Welt. Die Ruinen der ruhmreichen Vorzeit und das Latein der römischen Kaiserzeit begeistern die Gelehrten zu immer neuen Studien, die sich nicht nur auf die altrömische, sondern auch auf die altgriechische Welt ausdehnen. Seit 1453 ist der Vorrat jahrhundertealter Werke der Schriftsteller Alt-Roms und Alt-Griechenlands noch um unermessliche Schätze vermehrt worden. Damals sind viele griechische Gelehrte, vollgepackt mit riesigen Bücherkisten, aus Konstantinopel,  das die Türken erobert haben, Schutz suchend an die Küste Italiens geflüchtet. Auf diese Weise erleben auch die alten Griechen ihre Wiedergeburt, ihre Renaissance. Aus allen diesen bereits überkommenen Schätzen schöpfen auch die Baseler Humanisten, die gelehrte Abhandlungen schreiben, den alten Sprachen nachgehen und ihren Ehrgeiz in einen möglichst geschliffenen lateinischen Sprachstil setzen.  Paracelsus ist nach Basel berufen worden, um den Buchdrucker Johannes Frohen zu behandeln. Paracelsus‘ Ruhm muss also schon groß gewesen sein in dieser Zeit; denn Froben ist einer der bekanntesten Bürger der Stadt, dessen Druckerei wegen ihrer wissenschaftlichen Genauigkeit und der künstlerischen Buchgestaltung berühmt ist. Erasmus von Rotterdam ist mit ihm befreundet, wohnt in seinem Hause und lässt seine Werke bei ihm drucken, und Hans Holbein der Jüngere arbeitet als Zeichner bei ihm und liefert für die Druckwerke herrlichen Buchschmuck.

Theophrast von Hohenheim - genannt Paracelsus
Theophrast von Hohenheim – genannt Paracelsus

Paracelsus ist nicht nur als Stadtarzt, sondern auch als ordentlicher Professor der Medizin nach Basel gekommen. In einer Schrift, die er dem Züricher Stadtarzt Christoph Clauser widmet, nennt er sich „Physikus et Ordinarius Basiliensis“, Stadtarzt und Professor der Baseler Universität. Am 5. Juni 1527 sind am Schwarzen Brett der Universität in lateinischer Sprache die Vorlesungen angeschlagen,  die er halten wird. Aber nicht nur diese, die Collegia, kündigt er an; er gibt auch gleich seine Grundsätze bekannt: Keine bloß redekundiigen Doktores wolle er erziehen., sondern heilkundige Arzte. Nicht die Alten wolle er erklären, sondern die Natur. Nicht aufgrund des Hippokrates oder des Galenus wolle er lehren, sondern auf Grund seiner eigenen Erfahrungen und Mühen. So ist es zu lesen. Es ist eine Kampfansage an die Gelehrten der Bucharznei, die, sozusagen hinterm Ofen sitzend, Phantastereien über die Natur und die Krankheiten ausbrüten. Wieder steht seine Eigenständigkeit und Urwüchsigkeit, sein Erforschen und Erfahren gegen den toten Buchstaben und den weltfremden Wissenschafts betrieb der Ärzte seiner Zeit. Seine erste Vorlesung hält Paracelsus in lateinischer Sprache.
Immer noch ist das Latein die internationale Gelehrtensprache, die an allen Universitäten und für alle Fächer als die einzig verbindliche im Gebrauch ist. Dadurch ist von vornherein eine klare Scheidung zwischen den gebildeten Gelehrten und dem ungebildeten Volk gemacht. Viele Gelehrte halten streng auf die Trennung, bedeutet sie doch Macht, Ansehen und Hebung des eigenen Standes gegenüber dem unbeholfenen Volk. Anders Paracelsus! Er ist vom Recht jedes einzelnen auf die Güter des Wissens überzeugt, ganz besonders aber von der hohen Sendung des Arztes als Helfer der Menschheit, der weder Standes- noch Bildungsunterschiede kennen darf. Und so wagt er die revolutionäre Tat, die ihn zum Zunftbrecher innerhalb der Professorenschaft macht: er kündigt seine zweite Sommervorlesung über Chirurgie in deutscher Sprache an — die erste Universitätsvorlesung in deutscher Sprache! Es geht ihm um die Verbreitung seiner Lehre und um das rechte Ansehen des Arztes:
„Mein Vorhaben ist hier zu erklären, was ein Artzt sein soll und das auf teutsch, damit das allgemein bekannt werde.“

Theophrast von Hohenheim - Paracelsus genannt
Theophrast von Hohenheim – Paracelsus genannt

Seine oft dunkle und derbe Sprache ist der Kampf seines feurigen Geistes, der mehr sieht und sinnt, als durch Worte schon aussprechbar und mitzuteilen ist. So revolutionär Paracelsus in seiner Lehre ist, so sehr seine starke   Persönlichkeit das Ideal der neuen Zeit verkörpert, so tief verwurzelt ist er aber auch noch in vielen Zügen und in seiner deutschen Grübelei der mittelalterlichen, der gotischen Welt. Nie ist er so selbstherrlich, wie manche Geister der Renaissance, die nichts Höheres mehr über ihrem Menschenwissen anerkennen. Immer neigt er sich in allem seinem Wissen vor Gott, den er als den ersten Arzt bezeichnet, von dem allein  die Entscheidung über Krankheit oder Gesundheit abhängig ist:
„Das sollt ihr Christen merken, daß Gott der Erst Artzt sein soll, denn er ist der höchst, und nit der mindst,  der mehr ist und der gewaltigest, ohn den nichts geschieht.“
Der Zusammenprall mit den Universitätskollegen ist  unvermeidlich.  Schon äußerlich unterscheidet er sich von ihnen. Sie gehen in Samt und Seide und tragen mit Stolz die hoheitsvolle Amtstracht, den roten Talar und das Barett, die sie von dem gemeinen Volk deutlich abheben; Paracelsus aber gibt sich in unfeierlicher Schlichtheit, beinahe ärmlich geht er einher, und immer wieder sagt er, dass nicht  das Kleid, sondern das Können den Arzt ausmacht. Rücksichtslos entlarvt er die Eitelkeit, die durch äußerlichen Prunk das Unvermögen und Unwissen verschleiern will.
„0 du mein Liebe, o du mein Herr Doctor“, spottet er, „ist das Physika? ist das Chirurgie? ist das Kunst? 0 du Katzensilber!“
Wollen die Amtsärzte durch Abstand die Bewunderung ihrer Patienten erreichen, so gewinnt Paracelsus sie durch Nähe, durch Dienst auch an den Ärmsten, und gerade ihnen gegenüber. Wie unbequem ist doch dieser Mann, der auf alle Ungerechtigkeiten tadelnd deutet: „Den Reichen wartet man wohl; den Armen wartet niemand. Auch im Spital liegen die Gesunden im Bett, und die Kranken, Dürftigen, Presthaften im Stall: Soll das nit Erbarmung bringen über uns Christen?“           

Und immer wieder betont er mit Nachdruck die Wichtigkeit des eigenen Naturforschens und chemischen Laborierens für den Arzt, wo er nicht ein bloßer Buchgelehrter ohne wirkliches Heilwissen bleiben wird. Er lobt die wenigen wirklich forschenden Ärzte; „denn diselbigen gehn nit um mit Faullenzen und also prächtig einher in Samt, Seide und Taft; sie haben nit gülden Ring an den Fingern, silbern Dolch an der Seite, weiße Handschuhe an den Händen stekken, sondern sie warten ihrer Arbeit im Feuer Tag und Nacht in Geduld.“ In Paracelsus‘ Kampf gegen den amtlichen Hochmut drückt sich jedoch noch mehr aus als bloßes Anderssein. Es sind zwei Zeitalter, die sich hier gegenüberstehen: das der genau abgestuften, standesmäßigen Bindungen hier, der Durchbruch der freien Persönlichkeit dort.  

Es war auch bei den älteren Ärzten nicht immer nur private Eitelkeit und böser Wille, der sie die alte Tracht verteidigen ließ: mit der feierlichen Pracht ihres Auftretens wahrten sie die mittelalterliche Weihe und Hoheit, die allen Wissenschaften und auch ihrem medizinischen Stande eigen waren. Als Paracelsus ihre überlebte Tracht verwarf, da verletzte er eine altüberkommene Tradition. In dieser Zeit der Wende herrscht eben überall ein harter Kampf der Geister.   Aus seinen eigenen Worten glauben wir Paracelsus vor uns aufsteigen zu sehen, im Lederwams und Schurz, vor dem rauchenden Kohlenbecken seines Laboratoriums und mit geschwärztem Gerät in der Hand, wenn er von den guten Ärzten sagt, sie „gen nit um mit Spazieren, sondern sie suchen ihr Kurzweil im Laboratorio, tragen schlechte lederne Kleider und Fellvorhangen und Schürz, daran sie die Hand wischen, stoßen die Finger in die Kohlen, in Kot und Dreck, sind rußig wie die Schmid und Köhler“.  Welch eine Arbeitsleidenschaft steckt in diesem Mann, der nichts sehnlicher wünscht, als ungestört forschen, heilen und wieder vorsehen zu können! Paracelsus hat zunächst geglaubt, Basel wäre dafür der rechte Ort. Aber die Quertreibereien seiner Gegner, die entsetzt über die Unerbittlichkeit seiner Forderungen sind, werfen ihm viele Knüppel in den Weg. Wie? Kann man denn erlauchter Professor und zugleich alltäglicher Stadtarzt sein? So fragen sie. Das ist nie üblich gewesen. Und um den immer weiter wachsenden Ruhm des Hohenheimers in Verruf zu bringen, scheuen sie auch vor Verleumdungen nicht zurück. Theophrastus wendet sich mit der Bitte um Schutz und Hilfe an den Baseler Magistrat. Dieses Schriftstück ist noch heute im Baseler Stadtarchiv zu sehen. Es enthält eine entschiedene Zurückweisung der Vorwürfe seiner Neider.

Kostbare Zeit muss Paracelsus mit unnützen Streitereien verzetteln und sogar seine Vorlesung unterbrechen, bis der Stadtrat eine Versöhnung der beiden Parteien herbeiführt. Als Paracelsus seine Vorlesung wieder fortsetzt, lässt er jedoch die gelehrten Herrn Kollegen nicht in Ruhe,  sondern greift sie heftig an. Den Galenus, von dessen Schriften sie auch nicht um Fingerbreite abweichen, nennt er in seinem Zorn einen Lügner, und Avicenna, den sie wie ein Orakel in allem und jedem befragen, einen Küchenmeister. Die Anhänger der alten            Schule sind ihm Leute, die mit ihrem Barett, „mit roten Hütlein und Talaren ihre Torheit bedecken“.           

Bald verdirbt er es sich auch noch mit den Apothekern, deren Geheimnistuerei und Umstandskrämerei er ablehnt und denen er vorwirft, dass sie von ihrem Beruf nichts verstehen, Rezepte fälschen und nur dazu taugen, dem Kranken möglichst viel Geld abzunehmen. Paracelsus ist überzeugt, dass seine Lehre und seine Heilmethode die richtige ist. Darin ist er ein Jünger der neuen Zeit, deren Gelehrte den Wahlspruch „Zu den Quellen zurück“ auf ihre Fahnen schreiben, nur gräbt er nach den Quellen eben nicht in verstaubten Büchern, sondern in der lebendigen Natur. „Nicht die Bücher“, sagt er, „auf ‚denen der Staub liegt und die die Schaben fressen mögen, auch nit die Bibliotheken, sondern die Elemente in ihrem Wesen sind die Bücher“. Und am Sankt Johannistag des Jahres 1527 wirft er die „Summe der Bücher“, ein bekanntes überholtes Handbuch der Schulmediziner, ins Feuer, „auf dass alles Unglück mit dem Rauch in die Luft gang!“           

Die Gegenseite bleibt nicht untätig. Die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, und schon drängen sieh Studenten vor der neuen Börse und der Dompforte von St. Peter in Basel, wo Paracelsus in einem Spottgedicht lächerlich gemacht wird. Man hat Galenus, den vergötterten Altmeister der Gegner, höchstpersönlich bemüht und seinen Schatten aus dem dreizehnhundertjährigen Todesschlaf heraufbeschworen, damit er selbst den Neuerer zurechtweise. In dieser  bösartigen Schmähschrift auf Paracelsus, die seinen Namen Theophrastus, d. h. Künder Gottes, in Cacophrastus, d. h. Mist-Quatschender, verdreht, schimpft Galenus:
„Höre, der du besudelt den herrlichen Ruhm meines Namens, Bald ein geschwätziges Maul, bald einen Narren mich schiltst! Wie, ich verstünde von Künsten des Heilens nicht das geringste, Hätte mit kundiger Hand niemals sie selber geübt?  Was du nicht sagst! Ich habe doch nie verächtliche Kräuter, Zwiebeln und Knoblauch gekannt! Nieswurz kenne ich wohl, Nieswurz sende ich dir, dieses Kraut für verrückte Gehirne. Jeder Narrenkurort sei dir empfohlen zugleich…!  Wahrlich, Hippokrates‘ Nachttopf zu tragen, bist du nicht würdig, Bist wahrhaftig nicht wert, mir nur ein Sauhirt zu sein. Was ist zu tun, du Narr, den schon ein jeder durchschaut hat? Häng‘ dich am Stricke auf! Das war‘ «in guter Entschluß!“
Paracelsus ist tief beleidigt: „Und nur, weil ich die Dinge nenne, die in einem Arzt sollen gefunden werden, soll ich meinen Namen von ihnen verändert tragen, Cacophrastus, der ich doch Theophrastus billiger heiß, Art- und Taufshalber“. Und in erbitterten Schriften macht er sich Luft. Er nennt seine Feinde Narren und Esel, Buben und Betrüger, Lausjäger und talartragende Gaukler. In dieser Zeit spricht man eben eine deftige Sprache.
Mit solchen Kraftausdrücken sind diese ungestümen Jahrzehnte keineswegs sparsam, rücksichtslos trifft man den Gegner. So hat Sebastian Brant mit seinem „Narrenschiff“, einer Dichtung, die Paracelsus sehr schätzte, die menschliche Dummheit angeprangert, Thomas Murner ruft aus: „Nit schädlicheres denn ein gelehrter Narr!“, und Luther spricht vom Geplärr seiner Gegner, die er als Maulesel und Eselsköpfe bezeichnet, und er glaubt:
„Das gefällt Gott wohl, daß man sich vor Menschen und Teufel nicht fürchte, vielmehr keck und trutzig, mutig und steif wider sie sei, wenn sie anfahren und unrecht haben.“ 
Paracelsus wird unrecht getan in Basel. Auch um private Rechte hat er zu kämpfen. Cornelius von Lichtenfels, ein angesehener Baseler, prellt ihn um das Honorar, um das der betrogene Arzt einen Prozess führen muss. Er jagt dem Geld nicht nach. Im Gegenteil. Stets preist er die Armut: „Darum mehr denn selig ist der, der die Armut lieb hat“, sagt er. Aber er will sein Recht. Sein Sendungsbewusstsein ist so groß, daß er all den Widersachern zuruft: „Mir nach müßet ihr! Mir nach und nit ich Euch! Mir nach, Avicenna, Galene, mir nach und ich nit euch nach, ihr von Paris, ihr von Montpellier, ihr von Schwaben, ihr von Meißen, ihr von Cöln, ihr von Wien, und was an der Donau und am Rheinstrom ist, du Italia, du Dalmatia, du Athenis, du Griech, du Arabs, du Israelita, mir nach und nit ich Euch nach! Ich werd Monarch und mein wird die Herrschaft sein.“           

Felsenfest glaubt Paracelsus an das, was er an medizinischem Wissen durch viele Mühe „ergründet“ hat. Wer wie er so in die Tiefe des Wesens der Dinge, der Geschöpfe, Pflanzen, Gestirne, Metalle und des Menschen dringt, der muss siegen; er, der Begründer dieses Wissens, wird der Monarch der neuen Medizin, der König der Ärzte sein. Er weiß genau, wie umwälzend seine Lehre ist, wie sehr es der Zeit bedarf, die seinem vorauseilenden Wissen erst nachfolgen muss. „Es ist nit mein Will“, sagt er seinen Gegnern, „daß ihr in einem Jahr schon sollt fallen, sondern ihr müßt nach langer Zeit eure Schand selbst eröffnen. Mehr will ich ausrichten nach meinem Tod wider euch denn vorher. Der Theophrastus wird euch kriegen auch ohne Leib!“, das heißt, wenn er längst schon dahingegangen ist.           

Entgegen den Baseler Schmähungen und Verleumdungen, die jetzt auf ihn niederprasseln, gibt uns ein erhaltener deutscher Brief Auskunft über seine schlichte Güte und Menschlichkeit. Der Brief schildert, wie eine Frau in großer Not wegen ihres schwer erkrankten Mannes zu Paracelsus kommt. Er nimmt keine Entlohnung, gibt ihr ein Mittel und die Versicherung mit nach Hause, ihr Mann werde wieder gesund werden. „Den andern Tag um den Mittag“ ist die Frau wieder gekommen, „hat ein Gulden bracht, ist vor ihm niedergefallen, hat ihm den gereicht und gebeten, er wollte ihn für gut an nehmen, und gesagt, sie hätte nicht mehr zu Haus und Hof, sie wollte ihm sonst mehr geben; ihr Mann sei gar frisch von demjenigen, das er ihr gegeben hat. Darauf er geantwortet: Liebes Weib, nimm deinen Gulden und kauf dir und deinem Mahn Essen und Trinken, und danket G o t t . . . “
Nochmals wendet Paracelsus sich an den Magistrat  um Hilfe, beklagt sich besonders wegen der öffentlichen Verunglimpfung durch die Schmähschrift, aber der Stadtrat entzieht ihm die schützende Hand. Paracelsus verbreitet ein Flugblatt gegen des Stadtrat und alle seine Gegner und verlässt Basel im Februar 1528.

 

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