„Papa, kann ich Dich mal was fragen?“

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Henry Ossawa Tanner - "The Thankful Poor" - 1894,
Henry Ossawa Tanner – „The Thankful Poor“ – 1894

Sohn: „Papa, kann ich Dich mal was fragen?“
Vater: „Klar, mein Junge. Was ist los?“
Sohn: „Papa, wie viel Geld verdienst du in der Stunde?”
Vater: „Nun, ich denke solche Dinge haben dich noch nicht zu interessieren. Warum fragst du so was?
Sohn: „Ich möchte es einfach nur wissen. Bitte bitte, sag mir, wie viel du in der Stunde verdienst.“
Vater: „Na gut, wenn du es unbedingt wissen möchtest, Ich verdiene 50 Euro in der Stunde.“
Sohn: „Oh.“ (Er senkt den Kopf)
Sohn: „Papa, kannst du mir vielleicht 25 Euro leihen?“
Vater: „(äußerst verärgert) So so! Deshalb fragst du also. Du willst dir Geld von mir leihen, um dir irgendein dämliches Spielzeug oder anderen Blödsinn zu kaufen. So nicht mein Freund. Marschier in dein Zimmer und ab ins Bett! Du solltest mal darüber nachdenken, wie egoistisch du eigentlich bist. Ich arbeite jeden Tag extrem hart und muss mir dann abends so dreiste Fragen anhören!“

Father and Child* by Karl Wilhelm Friedrich Bauerle (c) Cuming Museum; Supplied by The Public Catalogue Foundation
Father and Child*-  Karl Wilhelm Friedrich Bauerle
(c) Cuming Museum; Supplied by The Public Catalogue Foundation

Der kleine Junge geht still und leise in sein Zimmer und schließt die Tür.
Der Vater setzt sich erst mal hin, wird jedoch umso wütender, je mehr er über die Frage des Jungen nachdenkt. 
„Wie durchtrieben mein Sohn nur ist! Stellt mir solche Fragen, nur um an Geld zu kommen!“

Über eine Stunde vergeht bis der Vater sich beruhigt hat und anfängt Nachzudenken.
„Vielleicht gibt es da wirklich etwas, dass mein Sohn dringend braucht. Er fragt sehr selten nach Geld. Eigentlich hat er noch nie gefragt. Vielleicht braucht er die 25 Euro tatsächlich. Vielleicht habe ich ihm Unrecht getan.“
Der Vater geht zum Zimmer des kleinen Jungen, öffnet die Tür und betritt das Zimmer. 

Vater: „Schläfst du schon, Sohnemann?“
Sohn: „Nein, Papa, ich bin noch wach.“
Vater: „Schau mal, ich habe noch mal über alles nachgedacht. Vielleicht war ich tatsächlich ein bisschen zu streng zu dir. Es war ein langer Tag, eine Menge hat sich angestaut und du hast alles abbekommen. Hier sind die 25 Euro um die du mich gebeten hast. Es tut mir leid.“

Der kleine Junge lächelt.
Sohn: „Danke, Papi!”
Der kleine Junge greift unter sein Kopfkissen und holt ein paar weitere zerknitterte Euro-Scheine hervor. Der Vater sieht, dass der Junge unter seinem Kissen bereits Geld gebunkert hat und wird erneut wütend. Langsam und ruhig beginnt der kleine Junge das Geld zu zählen und schaut danach seinen Vater an.

Vater: „Warum zum Teufel fragst du nach Geld, wenn du schon welches hast?“
Sohn: „Weil ich noch nicht genug hatte. Jetzt aber reicht es!“
Sohn: “Papi, jetzt habe ich 50 Euro. Darf ich hierfür eine Stunde deiner Zeit kaufen? Bitte komme morgen früher von der Arbeit nach Hause. Ich möchte gerne mit dir zusammen Essen.“

Der Vater ….. Wie würden Sie reagieren? Haben Sie sich eine solches Gespräch mit vergleichbarem Inhalt ausgemalt? Denken Sie, dass Ihr Kind sich in einer solch misslichen Lage befinden könnte? Hat Ihr Kind von Ihnen gelernt, das es so offen mit Ihnen reden darf?

In Gesprächen mit Vätern erlebt man, auf die gemeinsame Zeit mit den Kindern angesprochen häifig folgende Reaktionen:

Ich würde ja gern, aber das ist bei meiner Arbeit nicht möglich.
Meine Familie hat Verständnis dafür, dass ich der Ernährer bin und somit weniger Zeit habe.
Bei mir Zuhause ista lles in bester Ordnung.

Was selten von Mann zu hören ist, ist der Selbstzweilfel. Das das Thema als noch besprochen wurde und: dass es gar keine Option ist, das Kind zu fragen.
Es gibt dazu ein wunderbares Lied von Reinhard Horn: Hey Du.
Das Video dazu finden Sie auf: https://www.youtube.com/watch?v=wIfI40av7oo

Was zu beobachten ist: Eltern verfallen schnell in einen Rechtfertigungsmodus oder werden schnell aggressiv. Das nimmt vorerst die Chance, einfach mal darüber nachzudenken, ob diese Rechtfertigungen eher Ausreden sind nicht den Mut zu haben, die Familie, die Kinder in der eigenen Lebenspriorität höher zu stufen. Ist der reale Verlust, den mann sich einredet nicht oft genug eine dunkle Illusion? Jeder muss für sich eine Lösung finden; es wäre nur schön, wenn Kinder in diesem Zusammenhang ernst genommen würden und mann regelmäßig spricht. Eine gut funktionierende Idee ist der Familienstammtisch mit klaren Regeln.

Wer vielleicht nicht glernt hat, über diese Dinge zu sprechen; wo die familiere Situation dies nur schwer zulässt, kann vielleicht ein Gespräch unter Männern suchen. Es gibt in unserer Republik zahlreiche Anlaufstellen, die sich z.B. gut unter dem Begriff Männerberatung im Web suchen lassen. In den Suchergebnissen wird meist die Thematik Familie eingebunden. Mag die Vorstellung eine solche Beratungsstelle aufzuszuchen zunächst Abscheu hervorrufen; das geht dem meisten Männern so und in der Regeld ist es völlig anders als mann sich dies vorstellt.

Übrigens: einen interessanten Ansatz verfolgt das Informationszentrum für Männerfragen in Frankfurt / Main. Hier werden Frauen nicht ausgeschlossen um der Fortschreitenden Polarisierung im Verhältnis der Geschlechter einen Gegenpol zu setzen.

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