Mládí ♠ Jugend – Leoš Janáček Nur eine Randfigur der „Neuen Musik“? – AUDIO

Klassik, die es zu entdecken gilt: Mládí / Jugend von Leoš Janáček

Leoš Janáček mit seiner Frau Zdeňka 1881
Leoš Janáček mit seiner Frau Zdeňka 1881

Leoš Janáček * 3. Juli 1854 in Hukvaldy; † 12. August 1928 in Mährisch Ostrau) war ein tschechischer Komponist, Musikpädagoge, Musikforscher und -schriftsteller.

Janáček ist nach Bedřich Smetana und Antonín Dvořák der dritte große tschechische Meister und einer der Wegbereiter der „Neuen Musik“.

Leos Janácek: Viele halten ihn für eine Randfigur der Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Auf die Frage nach der Wirkung der Musik Leoš Janáčeks in den 1950er und ’60er Jahren bekennt der Dirigent Gerd Albrecht, man sei damals zu sehr mit dem traditionellen Repertoire und der Neuen Musik beschäftigt gewesen: „Der erste, der rehabilitiert wurde, war Gustav Mahler. (…) Dann arbeitete man die ‚Zweite Wiener Schule‘ wieder auf:  Schönberg, Berg, Webern. (…) Als man damit fertig war, haben die meisten Schluss gemacht.“

trennlinie640Auch heute noch führt der mährische Komponist – trotz seines Ranges als tschechischer Nationalkomponist – ein Schattendasein im gängigen Konzertrepertoire: Am ehesten wird noch die Oper „Její pastorkyna“ („Ihre Stieftochter“), international bekannt unter dem von Max Brod geprägten Titel „Jenufa“, gespielt – ein Werk, das eher den Beginn als die Vollendung der kompositorischen Individualität Leos Janáceks repräsentiert. Die über 20 Jahre später entstandenen, oftmals schroffen und eigenwilligen Spätwerke wie die Oper „Aus einem Totenhaus“ oder seine beiden Streichquartette finden wesentlich seltener den Weg auf das Konzertpodium bzw. die Opernbühne. Eine Ausnahme ist hier seine Orchesterkomposition „Sinfonietta“.
Um so bemerkenswerter ist der besondere Rang, der dem Komponisten von der musikwissenschaftlichen Zunft für die Entwicklung der Musik des 20. Jahrhunderts zugebilligt wird. Diese Diskrepanz zwischen musikgeschichtlichem Stellenwert und geringer Popularität beim Publikum ist nur einer von zahlreichen Widersprüchen bezüglich der Person Janáceks.

Janácek, geboren 1854 im mährischen Hukvaldy, schlägt zunächst eine pädagogische Laufbahn ein: 1869 nimmt er seine Studien an der Slawischen Lehrerbildungsanstalt im Minnoriten-Kloster in Brünn auf, an der er drei Jahre später seinen Dienst als Lehrer antritt. Seine Ausbildung als Komponist erhält er durch sein 1874 begonnenes Studium an der Prager Orgelschule sowie durch zwei nach kurzem Aufenthalt abgebrochene Studien in Leipzig und Wien. Dieser Abbruch findet auch kompositorisch seinen Niederschlag in der Ablehnung der westlich geprägten Formästhetik. Janácek sucht schon früh nach eigenen, dramatischen Ausdrucksmöglichkeiten: „Die Kunst dramatischen Schreibens besteht in der Komposition einer melodischen Kurve, die plötzlich wie durch Zauberei ein menschliches Wesen in einer fest umrissenen Phase seiner Existenz enthüllt.“
Nach langen Jahren, in denen Janácek nur eine lokale Größe seiner Heimatstadt Brünn ist, gelangt er erst spät – mit der Erstaufführung seiner Oper „Ihre Stieftochter“ („Jenufa“) in Prag im Jahre 1916 – zu internationaler Anerkennung. Dazwischen liegen lange Jahre des Suchens und Ausprobierens, in denen Janácek nach den Wurzeln „wahrer“ Musik sucht: Ausführlich erforscht er auf langen Reisen die Volksmusik seiner mährischen Heimat, die in Form von direkt zitierten Volksliedern in seinem frühen Opernversuch „Der Anfang einer Romanze“ zum musikalischen Grundstoff wird. Mit den Veröffentlichungen von Volksliedsammlungen wird er zum Vorreiter für entsprechende Studien Bela Bartoks und Zoltan Kodalys.


INTERPRETEN:
Soni Ventorum Wind Quintet (Ensemble)
Felix Skowronek (flute)
Laila Storch (oboe)
William McColl (clarinet)
Christopher Leuba (horn)
Arthur Grossman (bassoon)
und William O. Smith, clarinet

Musikverlag:
Pandora Records/Al Goldstein Archive
Urheberrecht:
Creative Commons Attribution Share Alike 3.0

Anmerkungen:
Aufgenommen im April 1972.

Komponist     Janáček, Leoš
Katalognummer     JW 7/10
Jahr der Komposition     1924
Jahr der Erstveröffentlichung     1925
Stil des Stückes     Frühes 2o. Jahrhundert

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