Mkwule – Die zwei ersten Menschen – Legenden und Märchen aus Afrika

Mkwule
Die zwei ersten Menschen

Libestanz: Kau-Nyaro Nuba
Libestanz: Kau-Nyaro Nuba

Oben bei Gott waren viele Menschen. Gott sprach: »Auch auf Erden sollen viele Menschen sein«, und schleuderte zwei reife Menschen herab. Einer war Mann, der Gefährte Weib. Er warf sie herab mit geringem Samen jeglicher Art und einem Körnlein zur Nahrung. Gott sprach zu ihnen: »Mahlt ein Körnlein Getreide, verdeckt es mit der Schwinge.« Als sie diese abhuben, fanden sie viel Getreide, sich zwei Tage zu sättigen. Zuspeise war ihnen Spinat, Kürbis und Bohnen. Gott gab ihnen auch zwei Fische. Sie setzten diese in das Wasser, worin die Fische ihnen zur Nahrung sich vermehrten.

Die Unschuld

Im Beginn wußten sie nichts vom Zeugen. Eines Tages sprach die Frau zum Manne: »Eine Wunde trage ich im Leib, siede Wasser sie zu waschen.« Er sott, wusch, wusch. Die heilte nicht. Er sprach: »Was ist dies, die Wunde schließt sich nicht.« Gott sah die Menschen, was sie taten und sprach: »Einfältig sind sie, auf daß ich ihnen den Sohn der Weisheit sende, sie zu lehren.« So schwoll das Knie des Weibes, schwoll, schwoll. Eines Tages kam ein Kind hervor. Der Weise, der Kennende. Da er auf Erden fiel, begann er zu sprechen: »Was du wäschst, ist nicht Wunde. Erkenne das Weib, daß es einen Menschen gebäre.« Der Mann ging, erkannte sein Weib, das ein Mädchen gebar.

Die Sünde

Das Mädchen wuchs auf und wurde geheiratet. Da gab ihr die Schwiegermutter ein Körnlein und sagte: »Mahle auf dem Stein dies eine Körnlein, decke das Mehl mit der Schwinge.« Die Schwiegermutter ging ins Feld. Die Braut blieb zurück, sagte: »Wie sollen wir mit einem Körnlein satt werden, ich nehme viel Getreide, einen Korb voll.« Sie tat so. Da die Schwiegermutter in das Dorf zurückkehrte, sah sie, was die Braut getan, weinte und sprach: »Oh, du verdarbst die Erde des Menschen, jetzt müssen wir arbeiten alle Tage; müssen Hungers sterben.« Gott kam, sprach: »Ihr verdarbt die Erde, jetzt müßt ihr viel pflanzen, müßt Todes sterben.«

Auferstehung

EINS
Eines Tages sprachen die Menschen: »Wir wollen Schaf und Hund befragen.« Sie gaben dem Schaf Fleisch, sie gaben dem Hund Knochen. Ein altes besessenes Weib sagte: »Ihr irrt euch. Gebt dem Hund Fleisch.« Die Leute stimmten zu, vertauschten, gaben dem Hund das Fleisch, gaben dem Schaf den Knochen und sprachen: »Wer verschlingt und spricht: dessen Worte sollen gelten.« Der Hund sputete sich, schlang das Fleisch hinunter und bellte: »Huhu, wir sterben, wir vergehen.« Das Schaf benagte schnell den Knochen, ohne ihn zu verschlingen, endlich sagte es: »Bee, wir sterben, wir kommen wieder.« Die Menschen sagten: »Weh, der Hund ist zuvorgekommen.« Sie schlugen, verjagten den Hund.

ZWEI
Da die Erde durch die Frau verdorben war, starb im Dorf ein Mensch. Sie begruben ihn, sprachen: »Verlassen wir das Dorf. Hier ist jetzt schlimm; verziehen wir, bauen wir anderswo.« So taten sie. Unterwegs sagte ein altes Weib: »Ich vergaß Becher, Kochlöffel und Besen; ich muß zurück ins alte Dorf.« Die anderen sträubten sich, sagten: »Nein, du darfst nicht zurückgehen.« Die Alte achtete der Worte nicht, kehrte zurück. Die anderen sagten: »Sie hat ein Gespenst im Leib.« –

Da die Menschen das Dorf verlassen hatten, sagte Gott zum Verstorbenen: »Die Leute flohen, hier ist jetzt schlimm. Das Gras wächst wirr, bleibe hier nicht allein. Stehe auf, gehe aus dem Grab hervor.« Der Mensch rührte sich im Grab, begann zu erstehen und erhob sich bis zur Leibesmitte. Da das alte Weib – besessen war es – ins alte Dorf zurückkehrte, traf es den Menschen beim Auferstehen. Es sprach zu ihm. »Ich sagte so, wenn ihr sterbt, sollt ihr nicht wiederkehren; kehre zurück ins Grab, woraus du hervorgegangen.« Er kehrte zurück ins Grab.

Das Kind der Weisheit

Der Mann war mit Körnern in den Haaren. Der Weise sprach zu ihm: »Ziehen wir aus, hacke Baumäste.« Er hackte, verbrannte sie. Der Weise kratzte das Haar des Menschen, streute, wo die Baumäste verbrannt waren, Samen auf die Erde. Der Mann kehrte zum Baum zurück, sah hin, sprach: »Wahrlich, das Gras sprosset aus dem Samen.« Er kam wiederum, sah das Gras, wie oben Köpfe rötlich wurden. Er sprach zu den Seinen: »Erntet, daß wir sehen.« Sie ernteten, reinigten im Mörser, breiteten aus unter der Sonne, mahlten auf dem Stein, sahen Mehl, es war weiß. Der Mann sagte: »Kocht es im Topf, daß wir sehen.« Sie kochten, kosteten, freuten sich, sagten: »Es ist süß, wie sehr.« Der Mensch kannte nun den Mehlbrei, seine Nahrung.

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