Pauls Tagebuch: Mein Leben glich bis heute einer Schachpartie mit einem plumpen Gegner

John Lavery - The Chess Players -1929
John Lavery – The Chess Players -1929

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Mein Leben glich bis heute einer Schachpartie, die ich mit einem plumpen Gegner spielte. Keinen Zug konnte ich tun, ohne dass er mir wegnahm, was er nehmen konnte – ohne eigenen Plan und ohne einen solchen bei mir zu erkennen. Und mir, dem es nicht auf das Gewinnen, sondern auf den schwermütigen Reiz des feinen Spiels ankam, war es nicht möglich, auf seine Spielart einzugehen; ich ließ ihm seine Figuren, und nahm sie im selben Grade weniger, als ich sie bequem schlagen konnte. Er aber hüpfte raublustig in meinem Spiel umher, auf meine Art bauend, und sie für unbegreifliche Dummheit haltend. So konnte ich keine Partie gewinnen, und zornig stieß ich mehr als einmal das Brett um.

Diesen Text fand ich den Glossen von Emil Gött. Mensch ärgere Dich nicht. Aus dem NLP kenne ich den Ausspruch: Der Flexiblere führt.  Wie oft habe ich selbst mit diesen „plumpen“ Mitspielern gehadert. Irgendwann war ich mit einer Borderline-Frau zusammen. Ihre Wucht und Leidenschaft mit der sie lebte, liebte, verletzte, hasste und provozierte hatte mich von Anfang an überfordert. In dieser mit-dem-Rücken-zur-Wand Situation machte ich sogar einen Heiratsantrag. Die Polizei beendete diese Sommerliebe mit einem Großaufgebot.

Rückblickend betrachtet, war diese Beziehung für mich der Anlass Flexibilität zu erlernen. Plumpe Gegner gibt es nicht mehr.

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T and R Annan, Glasgow - Glasgow Boys, Roger Bilcliffe
T and R Annan – Glasgow Boys, Roger Bilcliffe

Das BeitragsBild stammt von dem irischen Maler John Lavery (1856-1941). Er nutzt das Schachspiel zur Illustration eines sorglosen bürgerlichen Lebensstils, doch für den psychologisch geschulten Betrachter dürfte vor allem die Körpersprache der beiden Spielerinnen interessant sein: „Schwarz befindet sich in großer Bedrängnis und wird bald mattgesetzt sein. Diese Situation findet sich auch in den Positionen der beiden Mädchen wieder. Die angezogenen Beine der scheinbar Jüngeren stehen im Kontrast zu den lässig ausgestreckten ihrer Schwester. Diese hat die Lektüre ihres Buches nur gerade unterbrochen, um eine Partie Schach zu spielen.

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