Maria Aronov über das Lesen und Schreiben

Foto: Privat
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Welches Buch hat Ihr Partner / Eltern besonders beeindruckt?
Den Medicus von Noah Gordon findet mein Ehemann faszinierend.

Meine Eltern haben mehr als ein Buch, von dem sie beeindruckt sind. Dazu gehören bei meinem Vater die Romantrilogie „Die Forsyte – Saga“ des britischen Literaturnobelpreisträgers John Galsworthy sowie Lob und Rum“ des polnischen Schriftstellers Jarosław Leon Iwaszkiewicz. Mein Vater mag nämlich Bücher, die einen erziehen und Tipps auf den Lebensweg mitgeben.

Meine Mutter findet historische Romane verschiedener Autoren gut, besonders mag sie Lion Feuchtwanger. Im Moment ist ihr Lieblingsbuch „Judas von Keriath“ von dem russischen Schriftsteller Leonid Nikolajewitsch Andrejew. An dem Werk gefällt ihr die neue Interpretation des Autors, die kein anderer bisher bot.

Wahr oder falsch: “Ich blogge verfasse Texte fürs Internet vor allem, weil ich mich zu bestimmten Themen austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”
Leider wahr. In meinem Umfeld habe ich Gott sei dank zumindest einige Menschen, dazu zählt meine Familie, mit der ich mich über bestimmte Themen in den Gebieten der Philosophie, Literatur und Kunst austauschen kann. Ich hätte aber äußerst gern um mich herum ein weiteres Spektrum an Hobby – Lesern, mit denen man intensive Gespräche über bestimmte Themen führen kann. Dazu muss ich leider folgendes sagen:
Früher gehörten zu einem gesellschaftlichen Abend Gespräche über Literatur und Philosophie. Heute findet man immer seltener Menschen, die sich für die oben genannten Gebiete interessieren. Das empfinde ich als sehr traurig. Da ich ein großer Fan der antiken Philosophie bin, tut es mir umso mehr weh, wenn ich Äußerungen wie „Philosophie? Damit kann ich nichts anfangen“ oder „Die Philosophen waren doch alle bescheuert“ / „Wer braucht überhaupt Philosophie?“ höre. Dabei haben die Menschen keine Ahnung davon, dass es zwischen der abstrakten und theoretischen Philosophie riesen Unterschiede gibt. Sie haben sich nie damit auseinandergesetzt, aber Stereotype gebildet. Um es einfacher auszudrücken: der Mensch interessiert sich immer weniger für geistige Werte. Die Kultur gerät in Vergessenheit. Man kann sich mit seinen Mitmenschen immer weniger über Kultur unterhalten.

Obwohl ich kein großer Fan der sich immer schneller verbreiteten technischen Entwicklungen bin, muss ich sagen, dass das Internet eine großartige Erfindung ist. Einer der Gründe sind eben Blogs, Foren und Online-Zeitschriften, die einem ermöglichen, mehr Kultur – Interessenten für gute Unterhaltungen zu finden, auch wenn es nur eine Elite ist.

Ihre Lieblingswörter / Ausdrücke
„In erster Linie“. Warum? Weil ich gern meine Ansichten beziehungsweise die eines anderen Autors akzentuieren möchte.
„Des Weiteren“, weil ich bei einigen Interpretationen ungern bei einer Begründung bleibe.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen?
Ich mag wie auch mein Vater, Bücher, die einen zum Nachdenken bringen, die einen belehren und Ratschläge fürs Leben geben. Natürlich lese ich auch ab und zu illustrierte Zeitschriften, aber das sind Texte, die man schnell wieder vergisst, über die man nicht nachdenkt. Ich mag Texte, die in Erinnerung bleiben und bestimmte Gefühle hervorrufen.

Habe ich Vorbilder fürs Schreiben?
Ich habe Lieblingsschriftsteller und auch Dichter. Das Wort „Vorbild“ bedeutet für mich, dass ich so sein will, wie jemand anderer es ist. Man kann durchaus vieles von seinen Lieblingsautoren lernen, aber das Schöne am Schreiben ist, dass jeder seine Individualität zum Vorschein bringen kann. Man kann und sollte sich für andere Autoren begeistern, muss sich aber im Klaren darüber sein, dass diese Begeisterung auf der Individualität des Autors basiert. Denn sie ist es, die ihn von allen anderen Verfassern unterscheidet. Wenn diese verloren ginge, wäre auch der Reiz des Autos weg. Es ist wichtig, auch beim Schreiben immer man selbst zu sein, seinen Stil zu finden und ihm treu zu bleiben.

Wer soll mich lesen?
Lesen sollten mich Personen jeden Alters und Geschlechts, die sich für Philosophie, Kultur und Literatur interessieren und diese auch zu schätzen wissen. Ich mag es, wenn man über das Geschriebene nachdenkt und dazu seine Gefühle beziehungsweise Gedanken äußert. Für oberflächliche Menschen wären meine Texte eine unverständliche Quelle.

Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?
Damit man ein Buch richtig aussucht, ist es erst einmal wichtig, das Genre / die Genres zu kennen, das / die man mag. Dazu gehört natürlich auch, Bücher zu lesen, die man vielleicht nicht so gut findet. Nur durch das Probieren kann man das Richtige für sich finden. Dann ist es natürlich wichtig, zwischen den Autoren zu unterscheiden – welchen Autor / welche Autoren mag ich / mag ich nicht. So kann man sich dem Ziel nähern, Bücher besser aussuchen zu können. Entdecken kann man ein gutes Buch durch Kritiken im Internet, durch Personen, die es einem empfohlen haben oder eben ganz zufällig in einer Buchhandlung durch einen anziehenden Buchtitel.

Damit man die Literatur genießen kann, braucht man ein spannendes Buch, ein leckeres Getränk und Ruhe, um sich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren zu können und alles um sich herum zu vergessen.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders ist als ich selbst:
Dazu gehören wohl die Werke von Kafka, die gleichzeitig über ihn selbst geschrieben sind, da sie sehr viel seiner Autobiographie enthalten. Mich fasziniert zum Beispiel u.a. „Die Verwandlung“. Es gibt keinen andren Autor, der sich so sehr von mir unterscheidet und mich trotzdem mit der Tiefgründigkeit seiner Werke rührt.

Ein Buch, dessen Gestaltung/Cover/Design Sie besonders beeindruckt hat:
Mich beeindrucken Hard-Covers im alten klassischen Stil, wenn man eben das Gefühl hat, ein Buch in die Hand zu nehmen und etwas Vernünftiges zu lesen. Heute werden die Covers immer billiger, leider auch bei guten Büchern. Auf manchen ist zu viel gemalt für meinen Geschmack. Es fehlt die schlichte Eleganz, bei der der Titel und die gute Qualität im Vordergrund stehen.

Natürlich geht es bei einem Buch mehr um den Inhalt als um seine Aufmachung. Nichtsdestotrotz kann das Cover die Schönheit des Inhalts betonen. Ich mag die alte klassische Ausgabe der Werke von Goethe – ein schlichtes braunes Cover mit einer eleganten goldenen Umrandung.

Meine Lieblingskritiker:
Werner Keller, Albrecht Schöne, Hans Arens, Dorothea Lohmeyer und Ulrich Gaier.

„Was macht Literatur mit Dir, mit Deinem Leben?“
Die Literatur gibt mir die Möglichkeit, mich in andere Welten versetzt zu fühlen, etwas zu erleben, was unvergessen bleibt: ich reiste mit Robert Cole im 11. Jahrhundert von England nach Isfahan, erkundete mit dem kleinen Prinzen andere Planeten, tanzte mit Natascha Rostowa auf ihrem ersten Ball und kämpfte in der königlichen Garde an der Seite von D’Artagnan.

Meinem Leben gibt die Literatur einen tieferen Sinn. Ich lerne interessante Autoren kennen sowie ihre Hauptfiguren, die lebendig erscheinen und mich durch das Leben begleiten. Manche dieser Figuren werden zu echten Freunden, deren Stimmen man hört, wenn man mal einen guten Rat brauchen sollte.

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