Maria Aronov: Die Spiele des Bösen & Lermontovs Widmung an Puschkin

Die Spiele des Bösen &
Lermontovs Widmung an Puschkin

[avatar user=“MariaAronov“ size=“thumbnail“ align=“right“ link=“http://derblaueritter.de/maria-aronov-2/“]Maria Aronov[/avatar]

Puschkins Leben blühte in seinen Werken und verwelkte durch die Einflüsse von außen. Nach der Begnadigung durch den Zaren Nikolaus I stand Puschkin trotzdem unter permanenter Überwachung der Geheimpolizei. Er wurde seiner Freiheit beraubt, da für ihn ab diesem Moment sehr viele Einschränkungen galten. Puschkins Freundschaft mit den Teilnehmern des Dekabristenaufstands machten den Hof und die Regierung sehr misstrauisch.

Seine Werke wurden durch den Zaren persönlich zensiert, seine Briefe geöffnet und seine Reisen mussten bewilligt werden. So gibt es viele Mutmaßungen, was Puschkins Tod angeht. Einige Theoretiker sehen in dem Duell Puschkins gesuchte Erlösung von dem qualvollen Leben. Die Anderen gehen davon aus, dass es sich bei dem Duell um eine Hofintrige handelte, bei der d’Anthès als Gehilfe benutzt wurde, um den Dichter als politischen Gegner loszuwerden.

Mikhail Lermontov
Mikhail Lermontov

Bereits wenige Tage nach Puschkins Tod beim Duell am 10. Februar 1837 (nach gregorianischem Kalender), widmete ihm Lermontov ein Gedicht, das er „Der Tod des Dichters“ nannte. Nach der Verbreitung seiner Handschriften wurde er zu einem Militärregiment in den Kaukasus verbannt.

Die bitteren Seiten der Hof- Gesellschaft kennend, erzählt Lermontov in seinem Gedicht, wie falsch und grausam unsere Welt ist. Dabei bezieht er sich vor allem auf die Hofgesellschaft, die nicht in den Schatten eines Poeten gestellt werden wollte. Nach und nach wurde die zarte und gerechte Seele Puschkins zerstört. Er wurde zum Opfer von grausamen Intrigen und Verleumdungen.

In Lermontovs Augen gibt es nur ein wahres Gericht, nämlich das des Gottes, denn nur Gott allein ist in der Lage, gerecht zu entscheiden. In unserer Welt ist dagegen alles lügnerisch, nichts ist so, wie es zu sein scheint. Aus den Zeilen des Gedichts wird auch sichtbar, dass Lermontov anti Monarchen war. Diese stellten nämlich eine Gefahr für die Freiheit und dem mit ihr unwiderruflich verbundenen Genie dar. Wie Geier warten sie auf das Aas, um auf den Thron zu fliegen, treiben heimtückische Machenschaften und erkaufen sich ein schönes Leben gar vor dem Gericht.

Puschkins Untergang schien unausweichlich. Auch wenn er aus dem Duell als Sieger hervorgegangen wäre, hätte man sich früher oder später seiner entledigt.

Für Lermontov bleibt jedoch der wahre Sieger des Duells der Poet. Schon in den ersten Zeilen des Gedichts schreibt er mit Stolz darüber, dass die Bösen und ihre Nachkommenschaft später sehen werden, wer der eigentliche Verlierer ist.

Handschrift Lermontovs zu einem Textentwurf.
Handschrift Lermontovs zu einem Textentwurf.

Hier einige Fragmente aus Lermontovs Widmung an Puschkin.

Der Tod des Dichters
von Michail Jurjewitsch Lermontov

Aus Rache, Fürst, aus Rache …

Sei gerecht und bestrafe den Mörder, damit seine Hinrichtung in den späten Jahrhunderten dein gerechtes Gericht und die Nachricht des Sieges den Nachkommen überbringt.

So können die Bösen in ihr ein Beispiel sehen.

Der Poet, der Sklave der Ehre, ist ums Leben gekommen. Er ist gefallen durch verleumderische Gerüchte. Mit Blei im Herzen, dem Durst nach Rache und dem sinkenden Haupt ist er zugrunde gegangen. Die Seele des Poeten hat die Schande der kleinlichen Vergehen nicht ertragen. Er trat alleine den Meinungen der Gesellschaft entgegen und ist auch alleine getötet worden.

Wozu jetzt das Heulen und des Lobs unnötiger Chor? Wozu noch das Geklapper der Rechtfertigung? Das Urteil des Schicksals hat sich erfüllt.

Ihr habt ihn und seine freie, tapfere Gabe gehetzt und habt zur Belustigung jedes erzählte Detail über ihn zu einer Flamme aufgeblasen.

Nun, erfreut euch! Er konnte die letzten Qualen nicht ertragen und das wunderbare Genie ist wie eine Lichtquelle erlischt. Verwelkt ist der feierliche Kranz. Sein Mörder hat den Todesschlag kaltblütig ausgeführt. Es gibt keine Rettung!

Lachend hat er der Erde fremde Sitten und Sprache verachtet. Er konnte unseren Ruhm nicht schonen. Er konnte in dem blutigen Augenblick nicht verstehen, wogegen er überhaupt die Hand erhob.

Wozu hat er seine Hand wertlosen Verleumdern gereicht? Warum hat er falschen Worten und Liebkosungen geglaubt? Er, der bereits in den jungen Jahren eine hervorragende Menschenkenntnis hatte.

Vergiftet sind seine letzten Augenblicke durch heimtückisches Flüstern der Unwissenden. Gestorben ist er mit vergeblichem Durst nach Rache und der Enttäuschung der heimlich betrogenen Hoffnungen.

Der Schall der wunderbaren Lieder wurde zum Schweigen gebracht. Nie wieder werden sie erklingen. Die Bequemlichkeit des Sängers ist düster und eng. Auf seinen Lippen ist ein Siegel. Und ihr, arrogante Nachkommen der durch Gemeinheiten bekannt gewordenen Väter, steht Schlange wartend auf den Thron, ihr seid nichts als Henker der Freiheit, des Rums und des Genies! Ihr beruft euch immer auf die Gesetze, doch vor euch schweigen das Gericht und die Wahrheit.

Aber eines habt ihr vergessen:

Es gibt noch das Gericht Gottes, das Ehrfurcht erregende Gericht. Gott kennt die Gedanken und die Taten schon im Voraus.

Ihr werdet es alle nicht schaffen, mit eurem schwarzen Blut das gerechte Blut des Poeten wegzuwischen.

Übersetzt von Maria Aronov

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