Maria Aronov • Die Seele • Lyrik

G. Caillebotte - oarsmen -  1877
G. Caillebotte – oarsmen – 1877

Maria Aronov • Die Seele 

Ohne dich wär` jeder Körper leblos. Jede Zelle ergäbe keinen Sinn.
Du bist da und schenkst uns Leben, du ermöglichst erst des Glücks Beginn.
Wärst du weg, so wären wir gefangen, in der Dunkelheit der bösen Residenz,
du bist unsichtbar, doch heilig, bist vom Gott gegeben, hohe Eminenz.

Du allein kennst das Gute, Freude, Liebe und die Welt.
Der Körper ist dein Diener, den du hast für dich gewählt.
Du bist ihm ein Gebieter, denn du weist ihm des Lebens Gänge.
Er folgt dir überallhin, durch die ganze Lebenslänge.
Unterwegs durch Raum und Zeit lässt du uns so viel erkennen,
welche Menschen uns nicht mögen, welche sich zu uns bekennen.
Du lässt spüren uns das Gute, weckst in uns die Energie,
hilfst uns leben, machst uns heiter und bezwingst die Lethargie.

Eines Tages wird dein Diener zu `nem echten Herzensbruder.
Ihr sitzt in einem Boot, der Körper hält das Ruder.
Hand in Hand geht ihr durchs Leben. Helft euch da, wo es nur geht,
um so trauriger ist das Ende, weil die Zeit zu schnell verweht.
Irgendwann wird der Körper müde, du erkennst, das eure Trennung naht,
langsam fährt das Boot zum Ufer. Drumherum wird alles matt.

Schwer wird der Abschied sein, doch dein Kumpane ist zu alt.
Er kann dich nicht begleiten, bis zum Tor, dem nächsten Halt.
Wie schmerzhaft dieser Abschied ist, wie süß die Freundschaft war, wie weise!
Doch dein Freund hat ausgedient, allein machst du die nächste Reise.

Maria Aronov @ 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!
%d Bloggern gefällt das: