Maria Aronov – Ein Gespräch über Lyrik

Foto: Privat
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Maria, Du schreibst Gedichte. Was machst Du außerdem?
Neben dem Schreiben unterrichte ich Deutsch als Fremdsprache. Das ist nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby.

Was bedeutet Dir Sprache? Warum ausgerechnet Lyrik?
Ohne Sprache könnte eine Zivilisation nicht existieren. Bereits in der Bibel wird erwähnt, dass am Anfang das Wort gewesen sei.  Die Sprache ist für mich der Anfang jeder einzelnen Wissenschaft, denn ohne sie könnten wir keine einzige Idee festhalten und verwirklichen.

Warum Lyrik?
Die Sprache ist ein Werkzeug, mit dem man seine Gefühle besser zur Geltung bringen kann und genau dasselbe tut auch die Musik. Die Lyrik ist für mich eine Verbindung zwischen Sprache und Musik und kann jede Laune,  Beobachtung und jeden Traum melodisch ausdrücken.

Was würdest Du einem Menschen, der bisher nichts mit Lyrik anfangen konnte, empfehlen damit er Lust bekommt sich das Dichtwerk zu erschließen?Als erstes würde ich natürlich mein Buch empfehlen, “ein kleiner Scherz“. Man sollte sich einige Gedichte angucken und für sich selbst den richtigen „Stil“ finden, das Versmaß und den Inhalt, den man selbst mag. Wenn einem ein Buch oder ein Film nicht gefällt, sucht man das nächste Mal nach etwas Anderem, man probiert sich durch. So ist es auch mit der Lyrik. 

Wer sind Deine Lieblingslyriker und warum?
Da gibt es mehrere. Ich finde Jessenin und Lermontov faszinierend. Jessenin kommt vom Land, schreibt über die Natur, die ihn seit seiner Kindheit umgibt und auch über das Leben, dessen bittere Seiten er erlebt.
Das Besondere an diesem Dichter ist, dass er eine einfache Sprache benutzt, in der gleichzeitig so viel Gefühl und Melodie ist, dass man beim Lesen Gänsehaut bekommt.
Lermontov stellt ein gesellschaftliches Gegenbild zu Jessenin dar. Er kommt aus einer wohlhabenden Familie und studiert an einer Universität, an der normalerweise nur Adlige aufgenommen werden. Er wird als

“mystischer Dichter“ angesehen, denn seine Lyrik spiegelt die Düsterheit seiner Umwelt wider, was ihn letztendlich sein Leben kostet. In seinen Gedichten benutzt er eine gehobene Sprache, die seinen Dichtungen noch mehr Ausdruck verleiht. Beide Dichter könnten nicht unterschiedlicher sein, doch eins bleibt ihnen gleich – das Gefühl für die Sprache und Lyrik.   
Und als letztes würde ich gern noch Shakespeare und Goethe erwähnen. Auch ihre Gedichte sind voller Gefühle und Tiefsinn. Die alte schöne Sprache gibt ihnen so viel Ausdruck, dass man sich selbst beim Lesen in eine andere Welt entführt fühlt.

Bis Du Autodidakt? Wie fandest Du Deine Ausbildung? War sie praxistauglich?
Ich habe Sprach und Literaturwissenschaften studiert, aber mit dem Schreiben fing ich schon in meiner Kindheit an. Es liegt in meinem Blut. Ich denke, jedes Studium ist praxistauglich, aber es gehört zum Schreiben mehr als nur Theorie und Praxis –  es ist wie mit allen Dingen – man braucht Geduld und viel Engagement.

Welche Lyrikform magst Du besonders und warum?
Ich mag jede Art von Lyrik, die Reime enthält, denn nur diese verleihen der Lyrik einen melodischen Ausdruck und machen sie zu dem, was sie ist.

Ich möchte etwas dichten. Wie mache ich das?
Bevor man selbst dichtet, sollte man sich ein paar Gedichte anschauen und selbst merken, welches Vermaß einem gefällt, es können natürlich auch unterschiedliche sein. Man sollte sich überlegen, über welches Thema man schreiben möchte und dann versuchen, das Vermaß mit dem Thema zu verbinden.  Gedichte sollten in erster Linie von der Seele kommen. Dafür gibt es wohl kein richtiges Rezept.

Wenn Du ein Gedicht verfasst, hast Du dann sowas wie Kopfkino? Läuft dabei ein innerer Film ab?
Auf jeden Fall, doch manchmal entsteht der Film erst nach dem geschriebenen Wort.

Ist Lyrik melodisch? Kannst Du das erklären?
Siehe Frage zwei.

Was sollte man in der Lyrik kennen? Gibt es einen Kanon?
Ich denke, man sollte von allem etwas gelesen haben  – von der  Antike bis heute. Ich bin der Meinung, dass es sich über Geschmäcker nicht streiten lässt und daher jeder für sich selbst seinen persönlichen Kanon erstellen sollte. Für mich wäre es die Zeit vom Nibelungenlied bis zum 20 Jh. mit den Gedichten von Heine.

Hast Du eine Buchempfehlung, in der leicht verdaulich das Lesen von Gedichten erklärt wird?
Solche Bücher habe ich nie gelesen, aber sie lassen sich bestimmt googeln.

Gibt es einen Traum (oder zwei, oder drei), den Du Dir noch erfüllen möchtest?
Es gibt viele. Man sollte aber seine Träume nicht verraten, sonst gehen sie nicht in Erfüllung.

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