Maria Aronov ♣ Lässt sich das Schicksal eines Menschen von der Epoche beeinflussen? ♣ Über Michail Afanassjewitsch Bulgakow

Lässt sich das Schicksal eines Menschen von der Epoche beeinflussen?
Über Michail Afanassjewitsch Bulgakow

Michail Afanassjewitsch Bulgakow - Der junge Bulgakow in den 1910er Jahren
Michail Afanassjewitsch Bulgakow – Der junge Bulgakow in den 1910er Jahren

Schriftsteller sowie gesellschaftliche und politische Bewegungen haben einen großen Einfluss auf die Begründung neuer Epochen, doch ist die Wirkung nicht auch gegenseitig? Lässt sich das Schicksal eines Menschen durch die Epoche bestimmen?

Das Leben eines der größten Satiriker der russischen Literatur ist Michail Afanassjewitsch Bulgakow veranschaulicht, inwieweit der Mensch durch die Epoche geprägt werden kann.

Geboren wurde der Schriftsteller 1891 in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Er war der Sohn eines Dozenten an der Geistlichen Akademie Kiews, Afanassij Iwanowitsch Bulgakows sowie Warwara Michajlownas.

Nach dem Abitur studierte Michail Bulgakow an einer medizinischen Universität, die er erfolgreich abschloss. Zunächst arbeitete er als Landarzt und heiratete während seiner medizinischen Tätigkeit im Jahr 1913 Tatjana Nikolajewna Lappa.

In der Zeit des russischen Bürgerkriegs wurde Bulgakow 1919 als Arzt in die Republikanische Armee der Ukraine einberufen. Nach seiner Dissertation kam er in die südrussische Weiße Garde.

1921 zog Bulgakow nach Moskau. Er beendete seine Arbeit als Arzt und widmete sich ausschließlich dem schöpferischen Leben, fing an für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Er publizierte auch einzelne Prosastücke. Man druckte seine Reportagen, Essays und Kolumnen.

Bulgakow soll gesagt haben, dass das Schreiben für ihn, trotz späterer Probleme aufgrund der Zensur wegen der seine Werke nicht mehr veröffentlicht werden konnten, weniger gefährlich als die Medizin sei. Als Arzt müsste man nämlich stets einsatzbereit und unterwegs sein. Diese Parallelen finden sich auch im Roman von Boris Pasternak „Doktor Schiwago“ wieder, der der Roten Garde als Feldarzt dienen muss und durch seine Tätigkeit als Arzt zum permanenten Lebensortwechsel verdammt ist.

Nach der Scheidung heiratete Bulgakow 1924 Ljubow Jewgenjewna Beloserskaja. Zu seiner dritten Ehefrau im Jahr 1932 wurde Elena Schilowskaja. Dem Scheidungsgrund für die zweite Ehe diente der Vergleich mit Dostojewski, dem er der Aussage seiner Frau nach nicht gewachsen gewesen sei. Das hat ihn ziemlich verletzt, sodass die Ehe nicht hätte weitergeführt werden können.

Er arbeitete als Assistent des Regisseurs und auch als Librettist im Moskauer Bolschoj Theater.

MichailBulgakow Für seine Berühmtheit im Ausland, die ihm leider zum Verhängnis wurde, sorgte der Roman „Die weiße Garde“. Bulgakow träumte lange davon, auszureisen, doch sein Plan im Ausland zu leben, scheiterte kläglich. Durch seine Berühmtheit machte er die kommunistische Regierung auf sich aufmerksam. Man weigerte sich eine solch talentierte Person herzugeben, sodass dem Schriftsteller der Weg in eine andere Welt versperrt wurde.

Bulgakows spätere Darstellungen des Alltagslebens in den frühen Jahren der Sowjetunion unter Stalin waren grotesk, er übte viel Kritik an der Gesellschaft und wurde dem Regime ein Dorn im Auge. Viele seiner Werke wurden verboten und erst nach seinem Tod publiziert, darunter seine Erzählung “Das Hundeherz“ sowie der Roman “Der Meister und Margarita“, der viele Motive aus seiner Biographie enthält.

Trotz des Verbots seiner Werke, wich er nicht von seinen Thematiken ab und ließ das Regime nicht über sich siegen. Er blieb bei seiner Überzeugung und schrieb weitere Satiren, ließ sich nicht verändern.

Finanziell war Bulgakow abgesichert und hätte ein schönes Leben führen können, doch er litt unter dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, dem Volk, nichts mehr geben zu können.

Der talentierte Autor blieb trotz seiner schriftstellerischen Tätigkeit ein guter Arzt und war sogar in der Lage, sich selbst eine Diagnose aufzustellen, als er erkrankte. Er hatte die Fortschritte seiner Krankheit mit dem jeweiligen Datum notiert und seine Prognosen stimmten mit dem Verlauf der Krankheit, der Nephrosklerose, überein.

Seine furchtbare Erkrankung war nicht nur die Folge jahrelanger Drogensucht, wegen der er in einer Klinik war, sondern auch die Unterdrückung seiner Entfaltung durch die Zensur Stalins.

Obwohl er sich seines Talents bewusst war, gab er zu, in seinem Leben weder glücklich noch erfolgreich gewesen zu sein.

1940 ist der Schriftsteller verendet.

Michail_BulhakowDas Leben von Michail Bulgakow sowie das vieler anderer Schriftsteller, Dichter und Denker zeigt, dass die Epoche mit der in ihr wirkenden Gesellschaft das Schicksal eines Menschen insofern bestimmen kann, dass sie ihm seinen körperlichen Tod bereitet, sie kann die Psyche beeinträchtigen, innere Leere und Einsamkeit hervorrufen, aus der physische Erkrankungen resultieren. Möglich wird es für die Epoche jedoch nicht sein, die Denkweise eines geistig starken Menschen zu manipulieren, ihn so weit zu bringen, dass er aufgibt, sein geistiges Schicksal der Epoche anpasst, indem er sein Ich, seinen Standpunkt um des Überlebens willen verleugnet. Was bliebe dann dem Menschen am Ende?

Folgend lässt sich das Schicksal in zwei Stufen aufteilen, in das Körperliche und Geistige, sofern der Geist stark ist. Die höhere Stufe nimmt der Geist ein, da dieser mit dem Tod nicht endet.

Der Geist kann zwar verletzt sein, wird sich jedoch einer gesellschaftlichen Vorschrift nicht fügen. Ein durch die Epoche geprägtes Schicksal des Geistes bescherte uns ein Leben ohne jegliche Werte, Prinzipien, man verlöre sich selbst und existierte als eine Art geistlose Hülle. In diesem Fall gäbe es nur ein Schicksal, keine Trennung vom Körper und Geist. Diese Art von Schicksal wäre von vornherein bestimmt als eine Art sinnlose Existenz, die von der Epoche geprägt und beherrscht würde.

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