Maria Aronov • Eine konsumorientierte Welt – so ein Humbug!

Eine konsumorientierte Welt – so ein Humbug! 

Es ist kein Geheimnis, dass wir in einer konsumorientierten Gesellschaft leben. Der Mensch entfremdet sich immer mehr sich selbst. Man wird von ständig erneuerten Waren überhäuft, der Verstand des Menschen wird ausgeschaltet. Er muss nämlich mit der neuesten Technik, Kleidung, Spielzeugen Schritt halten können. Andernfalls wird er zum Außenseiter. Man verliert dadurch die Fähigkeit, die Dinge zu erhalten. Die Sachen dienen einem so lange, wie sie brauchbar sind. Das Verhalten wird auch auf die Mitmenschen übertragen. Es zerfallen immer mehr Beziehungen und Freundschaften, weil der Mensch der Meinung ist, alles leicht ersetzen zu können. Man ist zu bequem geworden, will sich um den Anderen nicht kümmern. Vielmehr will man konsumieren. Der Mensch und die Sachen dienen einem solange sie intakt sind. Es entwickelt sich der Egoismus – die Fixierung auf sich selbst und seine Vorteile. Man will in nichts und niemanden investieren. Zum Beispiel in Personen, die krank sind oder Hilfe brauchen. Solche Menschen werden abgestoßen. Dieses Phänomen ist sicherlich nicht neu in der Welt, aber es prägt sich leider immer weiter aus.  Viele Werte wie Liebe, gegenseitiges Geben und Nehmen, Fürsorge gehen verloren. Aus dem Wunsch nach Konsum entsteht Geiz, alles haben und nichts geben zu wollen. Der Mensch wird geblendet. Wie in meinem Text „Das große Herz des kleinen Prinzen“ möchte ich auch hier betonen, dass der Mensch mehr hinter die Dinge schauen sollte. Die Größe des Menschen darf nicht an seinem Äußeren und Geldbeutel gemessen werden. Man würde sonst eines Tages merken, dass man nichts hat, was wirklich etwas wert wäre.

Am Beispiel von Charles Dickens` „A Cristmas Carol“ möchte ich auf die oben genannte Problematik tiefer eingehen und darüber diskutieren, ob der Konsum und der damit verbundene Geiz die menschliche Existenz wirklich lebenswert machen.

Ebenezer Scrooge visited by the ghost of Jacob Marley.
Ebenezer Scrooge bekommt Besuch vom Geist Jacob Marleys.

Die sozialkritische Geschichte Dickens` beginnt damit, dass der Tod von Jacob Marley, der vor sieben Jahren an Weihnachten verstarb, verkündet wird. Jacob war der ehemalige Geschäftskollege und der einzige Freund des habgierigen Protagonisten Ebenezer Scrooge.

Für Scrooge hat sich seit dieser Zeit nichts geändert. Er lehnt Weihnachten immer noch völlig ab, vertreibt seinen Neffen an dem Fest der Liebe, gibt den Armen keine Spenden, weil er der Meinung sei, ihnen mit seinen Steuern bereits genug geholfen zu haben.

Die Geschichte muss nun eine Wendung nehmen, damit der Leser erkennen kann, worauf es im Leben wirklich ankommt. So belehrt uns Dickens mit seiner Weihnachtsgeschichte auf folgende Weise:

unerwartet taucht bei Scrooge zu Hause am Weihnachtsabend der Geist des verstorbenen Jacob Marleys auf. Scrooge ist schockiert, denn der Geist ist mit einer Kette behangen, an der sich Geldkassetten und Brieftaschen befinden. Diese stellen die Laster seines ehemaligen Geschäftslebens dar. Der Geist sagt dazu, dass er sich die Kette im Laufe des Lebens selbst geschmiedet habe und dass die Kette von Scrooge noch viel länger würde. Die Kette sei die Strafe dafür, dass Jacob sich zu seinen Lebzeiten nicht unter die Menschen begab, sondern nur für Geld lebte, um seinen Geiz zu stillen. Da er im Leben das Wesentliche nicht erkannte, muss er nun jetzt unter die Menschen als Geist gehen.

Charles Dickens
Charles Dickens

Mitten in der Nacht erscheint Scrooge ein weiterer Geist. Es ist „Der Geist der vergangenen Weihnacht“. Dieser entführt ihn in die Vergangenheit und zeigt ihm, dass er Weihnachten schon als Kind ablehnte, keine Freunde hatte und immer allein war. Anschließend führt der Geist seinen Lehrling in seine Jugendzeit, wo Scrooge eine Weihnachtsfeier in einem Betrieb sieht und merkt, dass man auch mit sehr wenig Geld glücklich sein kann. Auf dem letzten Halt durch die Vergangenheit sieht Scrooge, wie er seine große Liebe gegen die Liebe fürs Geld eintauschte.

Nun besuchen Scrooge zwei weitere Geister. Einer zeigt ihm die Gegenwart, in der Scrooge von seiner Familie als immer Grunzender und Grummelnder  dargestellt wird, der andere zeigt ihm die „zukünftige Weihnacht“, in der Scrooge nicht mehr lebt und von niemandem vermisst und beweint wird. Dies öffnet ihm die Augen und er ist dazu bereit sein Leben von nun an zu ändern, sich seiner Familie zu nähern, zu spenden und sogar zu lachen.

Was bedeutet der Besuch der Geister? Warum suchen sie ausgerechnet Scrooge auf? Die Geister wollten dem grimmigen alten Mann mithilfe der Zeitreise zu verstehen geben, wie sich sein Leben aufgrund seiner Haltung entwickelt hat. Er hat in seinem Leben nichts erreicht und auch sein Reichtum macht ihn nicht glücklich. Im Gegenteil, er hat alles verloren, was wirklich wichtig war – seine Familie und sogar die große Liebe.

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Die Geschichte zeigt uns, wie wertvoll Dinge sind, die man nicht kaufen kann. Das Geld gibt die Möglichkeit, zu existieren, aber nicht zu leben. Das, was das wirkliche Leben ausmacht, muss geistig erarbeitet werden. Das Leben ist die Freiheit des Geistes, seine Entfaltung und die Erkenntnis des Unsichtbaren. Der Konsumwahn verhindert dies. Er legt uns Ketten an, macht uns zu seinem Sklaven. Warum? Weil wir unsere Identität verlieren, blind werden und nur seine Befehle befolgen. Die Habgier erniedrigt den Menschen, sie nimmt ihm seine Freiheit und übt Macht an ihm aus, indem sie ihn alles kostet, was das Leben wirklich lebenswert macht – das von Herzen kommende Lachen, die Familie, Freunde und das Dasein für die Anderen, die das eigene Herz erfreuen können. In etwas oder jemanden von Herzen zu investieren, verschafft eine geistige Bindung, die unbezahlbar ist. Wirklich arm dagegen ist jemand, der sich eigenhändig mit seinem Egoismus und auch Geiz, Laster schmiedet, die ihn in Form eines Buckels runterziehen.

Der Mensch ist auf der Erde bloß ein Gast, doch sein Aufenthalt, auch wie bei Menschen, die man besucht, sollte Freude und Glückseligkeit hinterlassen. Wer nur für Geld lebt, wird gehen und niemand wird nach einiger Zeit von seiner vergangenen Existenz etwas wissen. Er wird gehen, wie ein schlechter Tag es tut, den man schnellstmöglich vergessen möchte. Die Erinnerungen an das Gute werden jedoch niemals sterben. Sie leben weiter in den Herzen der geliebten Menschen sowie in vielen anderen Formen, die in sich, manchmal auch unsichtbar, das Gute bergen.

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