Ortega y Gasset ⊕ Mann und Frau

Die Frau lebt in einem ewigen und entzückenden Ja-Nein, in diesem Balancieren und Schaukeln, da weiblicher Art jenen köstlichen Schmelz des Irrationalen und seine bezaubernde Rätselhaftigkeit gibt.
Die Vorzüglichkeit des Mannes ruht im Handeln, die Vorzüglichkeit des Weibes im Sein. Der Wert des Mannes misst sich nach dem, was er tut, der Wert des Weibes nach dem, was es ist.

Der Einfluss des Weibes ist unsichtbar, wie er allgegenwärtig ist. Er ist nicht geräuschvoll wie der des Mannes, sondern statisch wie der der Atmosphäre.  Es muss im weiblichen Naturell ein atmosphärisches Element enthalten sein, das wie ein Klima wirkt.
Der Beruf des Weibes, wenn es nichts als Weib ist, besteht darin, das konkrete Ideal, der Zauber, die Illusion des Mannes zu sein. Nichts mehr, nichts weniger. Die Frauen, mit ihrer scharfen Witterung, erkennen sehr rasch, ob die Gefühle, die sie erregen, diesen Stempel der Illusion tragen, und im Geheimsten sind sie nur dann geschmeichelt und befriedigt.

Das Ideal, das Musterbild des Mannes, welches die Frau in sich birgt, um es zu ihrer Stunde auf den Lebensmarkt zu werfen, wirkt wie ein Los. Dem Manne mit der gleichen Nummer fällt es zu. Hier greifen wir mit Händen den Gang der Geschichte, die gutenteils nichts anderes ist, als die Geschichte der männlichen ideale, welche die Frau ersann.

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Jose_Ortega_y_GassetJosé Ortega y Gasset (* 9. Mai 1883 in Madrid; † 18. Oktober 1955 ebenda) war ein spanischer Philosoph, Soziologe und Essayist. (Quelle: Wikipedia)

Foto von Ortega y Gasset – keine Quellenangabe.

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