Männer mit Damenwäsche – Wie eine geschundene Seele ihren Weg geht

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Nähert man sich einem Thema, passieren manchmal wunderliche Dinge. Ursprünglich war geplant, nach dem Interview mit den Erotik-Produzenten Rafael Santeria die weibliche Seite dieses Filmgenre zu porträtieren. Die Recherche hat, für mich, zu einem ernüchternden Ergebnis geführt. Es wird von den Darstellerinnen eine Menge Glamour und Fannähe suggeriert, die einfach nicht da ist; zumindest in der Masse. Es hat etwas vom Rattenfänger von Hameln, nur dass diesmal Männer der Flötistin begeistert zu folgen haben.

Dann, nachdem ich das Thema fast ad acta gelegt hatte, traf ich in einem Social-Media-Kanal eine junge Frau, Angelina, die irgendwie anders zu sein schien. Sie fiel mir auf, weil sie ihr Profil gerade erst aufbaute und eher persönlich wirkte als amateurhaft. Ihr Angebot: sie bietet getragene Wäsche Männern an, die daran Gefallen finden. Angelina sagt, sie wolle damit kein Geld verdienen, sondern sie möge es als Frau, wenn Männer damit ihre Lust befriedigen. Da sich mir diese Form der Lustgewinnung in keiner Weise erschließt, hat sich Angelina angeboten, einen ihrer Kunden darüber zu befragen. Die Antwort hat mich nicht wirklich weitergebracht, dennoch spannend zu erfahren: “ich finde es sehr erotisch getragene Wäsche zu erwerben, da mich die verschiedenen Düfte und Geschmäcker erregen. Jede Frau hat ihren eigenen Duft und Geschmack. Daher hängt es für mich auch davon ab, wer die Wäsche getragen hat, denn die Frau muss mir von Typ und Art her zusagen. Kurz gesagt, es muss eine Frau sein, mit der ich mich auch eine reale Beziehung vorstellen könnte. Das Kopfkino besteht darin, dass ich bei der Selbstbefriedigung erregter bin, wenn ich Duft und Geschmack kenne. Da fällt die Vorstellung, mit dieser Dame gerade Sex (wenn auch nur im Kopf) zu haben, leichter und der Orgasmus wird intensiver.“ Über Geschmack lässt sich streiten; das Leben ist bunt. Man hört immer wieder von verschiedenen Vorlieben, ich persönlich kenne niemanden, der darüber offen berichtet. Nein man muss nicht alles wissen, was andere treiben im Leben. Manches kann helfen, wie Menschen ticken. Auch indirekt im Umgang mit uns.

phone-785396_640_HebiFotSie stellt klar, dass es keinerlei persönliche Treffen möglich seien. „Wenn ein Kunde mehr will, blocke ich das diskret ab und erkläre ihm auch warum. Er kann sich gerne wohl und geborgen fühlen mit mir, aber eine Beziehung wird sich nie daraus entwickeln. Ich bin glücklich mit meiner Frau!“ Nur mittels Telefonsex, den Angelina ebenfalls anbietet, lässt sich eine gewisse Nähe herstellen. Mit diesen individuellen Telefonservice finanziert die mehrfache Mutter ihren Urlaub. Sie mag diesen, weil „ich mich dabei auch befriedige und nicht wie andere bei den Hotlines nebenbei bügeln 🙁 . Ich mag es auch, weil man immer andere Männer und andere Vorlieben hat.“

Ihren Hauptverdienst erwirtschaftet Angelina in Pflege und Gastronomie. Wie kommt man auf solch eine Idee? Angelina sagt: „Angefangen habe ich damit 2007. Irgendwie kamen eine Freundin und ich auf die Idee mal zu schauen, ob Männer vielleicht getragene Slips kaufen wollen würden. Naja, um halt dran zu riechen beim xxx! Und das wurde dann die Idee. Erst über eine Webseite dessen Namen ich nicht mehr weiß; später über gesext.de und nun auch noch über Facebook. Die Männer geben mir ein paar Infos über sich und ich nutze diese dann… also z.B. möchte jemand einen schwarzen String in dem ich mich selbst befriedige. Dann mach ich es, schieße dabei Bilder oder drehe kurze Clips die der Mann dann mitbekommt. Der Slip kommt in einen Gefrierbeutel mit Zip-Verschluss und wird dem Mann dann per Post geschickt. Ich bleibe mit diesen Männern in Kontakt, um zu sehen was sie damit treiben, weil mich das selbst wiederum erregt. Andere Männer wollen Sachen wie Natursekt um sich einzureiben oder es zu trinken. Wenn du mein Profil gelesen hast, hast du gesehen, das es kein „Geld daran verdienen“ ist sondern ein geheimes Hobby, einer sexuell sehr aufgeschlossenen und offenen frau ;). Ich kaufe immer nach dem Budget der Männer ein. Manche Männer kaufen mir auch ein neues Spielzeug und bekommen dafür ein benutztes.“

guess-attic-837134_1280_RondellMellingAngelina sagt, sie mag Damenwäscheträger (DWT). Da ich damit überhaupt nichts Bewundernswertes verbunden habe, sagt sie auf Nachfrage: Der Mut, dass sie zu ihrem Fetisch stehen und diesen Ausleben. Bei Bedarf berät sie diese auch bei der Auswahl des Makeups und Kleidung.

Seit kurzem hält sie sich einen Sklaven um diesen zu erziehen. Beide haben sich gesucht und gefunden. Ihr Untergebener ist begeistert bei der Sache und lernwillig. Ich habe ihn gefragt, was ihn an dieser Rolle reizt: „Als Sklave finde ich es sehr erregend, diverse Dinge im Auftrag auszuführen und mich dadurch lächerlich zu machen bzw. mich erniedrigen und bestrafen zu lassen.“ Die Aufgaben die Angelina ihm zur Erledigung gibt sind erotischer Natur. Dem eher unaufgeschlossenen Leser würde bei der Schilderung wahrscheinlich die Schamesröte ins Gesicht steigen.

Man muss dieses Leben nicht mögen, sollte es aber zu schätzen wissen: eine Frau, die mit ihren aus misslichster Lage befreit wurde, daran nicht zerbricht und ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreiten kann. Dass sie zu sexuellen Handlungen gezwungen und misshandelt wurde, hat ihr nicht den natürlichen Spaß am Sex nehmen können. Viele andere hätten sich hier Ausweichhandlungen gesucht oder Vermeidungsstrategien entwickelt.

hans-boodt-1006004_640_chummelsIch habe sie gefragt, was sie von einem Mann erwartet. Ihre Antwort darauf: ich erwarte von „meinem“ Mann das er mich gut behandelt, etwas dominant ist und aufrichtig. Für eine Beziehung zählen drei Punkte als Basis definitiv: Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit! Klassische Werte, die sich wohl nahezu jeder Mensch wünscht. Und: Er muss ein Bär sein, groß, breit, tätowiert. Ein kreativer und positiver Umgang, schlechtes neu zu interpretieren. Sie selbst ist tätowiert; vornehmlich um ihren Narben und verheilten Wunden ein neues Gesicht zu geben. Heute lebt Angelina in der Provinz mit ihren Kindern und zwei Menschen mit „gewissen Vorzügen“, wie sie es nennt. Der Mann, der sie befreit hat ist in ihrer Nähe und ihre Lebensgefährtin. Sie kümmert sich also aktiv um ihr Seelenheil und hat Vertraute um sich, wohl auch um wieder Vertrauen in andere fassen zu können. Das Vertrauen in sich selbst hat sie nie verloren. Ihre Werte lebt sie, auch wenn dies für Außenstehende nicht nachvollziehbar scheint. Angelina: „Ich habe mit der Bestätigung durch die ganzen Männer mein Selbstwertgefühl wieder aufgebaut. Ist ja so: je mehr Bestätigung ich bekomme, desto stärker werde ich.“

Das Leben bietet uns beizeiten Lebensentwürfe an, die wir niemals vorausgesehen haben. Im Umgang miteinander ist es wichtig, immer auch den Menschen an sich und seine gelebten Werte zu sehen und zu würdigen. Ich persönlich ziehe meinen Hut dafür, dass sie das jeweils Beste aus der Situation macht und mutig genug ist, ihre Sexualität, ihre Fantasien auszuleben. Das scheint vielen schwer zu fallen, auch wenn sie es nicht zugeben mögen. Sonst gebe es Frauen wie Angelina nicht. Sie ist ein gutes Beispiel zu reflektieren und sich aufzumachen, seinen eigenen lustvollen Weg zu gehen. Wie auch immer der aussehen mag.

Vielen Dank an Angelina und einige ihrer Kunden, die Rede und Antwort standen!

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