Last Dance – Keith Jarrett & Charlie Haden

Last Dance - Charlie Haden - Keith Jarrett - ECM - 2014
Last Dance – Charlie Haden – Keith Jarrett – ECM – 2014

Im Jahr 2010 veröffentlicht ECM Jasmine, eine zwanglose Archivaufnahme von Standards zwischen alten Freunden, die seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr miteinander gearbeitet hatten. Die Aufnahmen entstanden 2007 in Keith Jarretts Cavelight Heimstudio. Die neun Stücke auf „Last Dance“ entstammen der gleichen Session: Es gibt zwei alternative Aufnahmen von Stücken des früheren Albums. „Where Can I Go Without You“ wird in einem ähnlichen Tempo gespielt, bietet aber noch mehr Einsatz von Charlie Haden. Gordon Jenkins „Goodbye“ – ein bekanntes Benny Goodman Thema, schließt die Reihe.

Auf „Last Dance“ es ist langsamer und emotionaler interpretiert; fast ergreifend.
Thelonious Monks „Round Midnight“ wurde von Jarrett zuvor bereits gespielt, aber diese Version hier ist mit einem schrägen, fast seltsamen Intro versehen. Wie es sich dann allerdings entwickelt, offenbart es eine tiefe Zuneigung für Monks Melodie, die es zuvor so von Jarrett nicht gegeben hat. Haden spielt traumwandlerisch.Seine Fähigkeit, die richtige Note für jede Phrase zu finden ist seit langem das Markenzeichen in seinem Spiel. Die Wärme, die hier mit einfließt, ist allerdings bemerkenswert. Er bleibt offen und neugierig in seinem Spiel anstatt sich auf eine nostalgische Präsentation zurück zu ziehen. Er weiß, es gibt immer noch Möglichkeiten, und die erkundet Haden. „Everything Happens To Me“ hat mehr Tempo, ist aber bei weitem nicht schnell. Haden fügt einen Holzton und tadellosen Schwung hinzu um Jarretts liedhaftes Klavier in der Melodie und Solo zu flankieren. Bud Powells „Dance of the Infidels“ wird diesmal nicht mit halsbrecherischer Athletik gespielt, dafür rüstig und flüssig. Jarrett vergräbt sich vor Freude in die komplizierte Melodie, sein druckvolles Gefühl und die Reflexivität in seinem Solo beeindruckt, während Haden eher entlang schreitet. In seinem eigenen Solo, schält der Bassist wieder die Haut in der Harmonie ab und findet Hinweise auf mehrere andere Melodien, alle in verschiedene Abschnitte des Korpus des Stückes platziert.
Die Eleganz in der Interpretation der Cole Porters „Everytime We Say Goodbye“, verrät das Vertrauen des Paares in ihrem Zusammenspiel. Sie übertreiben nichts; die Musik bleibt in ihrer ursprünglichen Bedeutung bestehen. Sie spielen völlig entspannt und ergeben sich der Schönheit der Melodien, spielen einander zu, geben Hinweise, machen Vorschläge und verweisen auf Stücke populärer Musikgeschichte und bauen Brücken dazwischen. „Last Dance“ ist eine notwendige und wunderbare Ergänzung zu Jasmine; Sie konkretisiert die selbstbewusste, reife, liebenswürdige und beredte Art in der kanonischen Sprache diese beiden Jazz-Meister.

T r a c k l i s t

  • 01 My Old Flame 10:18
  • 02 My Ship 9:36
  • 03 Round Midnight 9:33
  • 04 Dance Of The Infidels 4:22
  • 05 It Might As Well Be Spring (excerpt) 11:54
  • 06 Everything Happens To Me 7:12
  • 07 Where Can I Go Without You 9:31
  • 08 Every Time We Say Goodbye 4:25
  • 09 Goodbye 9:06

    Gesamtdauer: 76:07

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