Gedanken zur Kunst | Sandgemälde der Navajo & deren Zerstörung vor Sonnenuntergang

Sandgemälde der Navajo-Indianer mit stark stilisierten menschlichen Figuren. Die Bilder werden jeweils aus verschiedenen Sanden hergestellt. Jede Einzelheit ist dabei rituell festgelegt. Die Bedeutung der einzelnen Bilder wird vom Stamm ängstlich gehütet.

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Sandgemälde sind für die Navajo kultische Bilder. Kein amerikanisches Museum besitzt ein vollständiges Gemälde.; denn die Medizinmänner stellen für weiße Augen bestimmte Bilder nur mit gewissen Veränderungen, meist Auslassungen, her, damit die Geister nicht erzürnt werden, und die für religiöse Feste benötigten Bilder werden stets vor Sonnenuntergang zerstört. Die menschlichen Gestalten sind so stark stilisiert, dass sie fast als Abstraktion gelten können. Auch stellen sie keine Menschen dar, die in der betreffenden Zeremonie ihren bestimmten Platz haben. Naturgewalten, Himmelsrichtungen, kosmische Körper und elementare Geschehnisse im Leben der Menschen werden bildlich gebannt. Dabei spielt der künstlerische Wert keine Rolle, obgleich die meisten dieser Bilder, was Komposition und Farbwirkung angeht, von großem Reiz sind.
Die Medizinmänner, die einzigen, die alle Bilder aus dem Gedächtnis herstellen dürfen, versuchen mit allen Mitteln, den Gebrauch von Motiven aus den Sandgemälden in der säkularen Kunst der Navajo zu unterdrücken.

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Kategorien Allgemein
Joshua Meunier

Dr. Joshua Meunier - Jahrgang 1965 - ist Dozent für Kunstgeschichte in Antwerpen, Belgien. Er stammt aus Clermont-Ferrand in Frankreich. Seine Mutter ist Franzose, der Vater stammt aus Freiburg i. Breisgau. Meunier spricht vier Sprachen fließend u.a. Deutsch. 2016 veröffentlicht er sein erstes Buch über experimentelle Kunst aus den Benelux-Staaten. Dr. Meunier spielt in seiner Freizeit Schach, ist ein erfolgreicher Kanute und liebt Lyrik.

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