Kunst | Lyrische Abstraktion von Wols | La Cohorte

Wols (1913-1951) | La Cohorte|1943|Aquarell

LYRISCHE ABSTRAKTION | Als abstraction lyrique charakterisiert der Maler Georges Mathieu das Schaffen von Wols. Er bezeichnet mit diesem Begriff spontanes Gestalten unter Ausschluss der Kontrolle des wachen Bewusstseins. «Art informel» nennt der Kritiker Michel Tapie diese von Wols angeführte Richtung wenig später: er betont die durch die «art informel»-Künstler vollzogene Loslösung von der herkömmlichen Komposition, die Suche nach formaler und farblicher Harmonie.

Der vielseitig begabte Wols (Wolfgang Schulze) kam 1932 nach Paris, wo er als Fotograf arbeitete. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs interniert, begann er während der Gefangenschaft zu zeichnen, kleine Blätter, die seine Vorliebe für die Kunst Klees verraten. 1940 wird er entlassen. In Cassis und in Dieulefit (Drôme), wo er in ärmlichen Verhältnissen lebt, entstehen eine grosse Zahl von Aquarellen und Zeichnungen, die im Winter 1945/46 in Paris gezeigt wurden.
Im Mai 1947 findet die erste Ausstellung statt, die von Wols auf Leinwand gemalten Bilder zeigt. Neben Jackson Pollock gehörte Wols zu den Initialfiguren der immernoch populären Nachkriegskunst.

Der französische Malerkollege Georges Mathieu schrieb über seinen Besuch der Ausstellung von Wols-Gemälden in der Galerie Drouin im Jahr 1947:

„Vierzig Meisterwerke! Jedes zerschmetternder, aufwühlender, blutiger als das andere: ein Ereignis, ohne Zweifel das wichtigste seit den Werken van Goghs. Ich kam aus dieser Ausstellung ganz erschüttert heraus. Wols hatte alles vernichtet. Nach Wols war alles neu zu machen… Im ersten Anlauf hat Wols die Sprachmittel unserer Zeit genial, unabweisbar und unwiderlegbar eingesetzt und zu höchster Intensität gebracht. Und was mehr war, diese Ausdrucksmittel waren erlebt. Wols hat diese 40 Leinwände mit seinem Drama, mit seinem Blut gemalt. Es handelte sich um 40 Monumente aus der Kreuzigung eines Menschen, der die Verkörperung einer Reinheit, Sensibilität und Weisheit war, die nicht allein dem Abendland, sondern der ganzen Schöpfung selbst zur Ehre gereichen.

Quelle: Werner Haftmann: Neuerwerbungen der Nationalgalerie 1967–1972, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1972, S. 271

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Wols (* 27. Mai 1913 in Berlin; † 1. September 1951 in Paris), bürgerlich Alfred Otto Wolfgang Schulze – den Künstlernamen bildete er aus den Initialen Wolfgang Schulze –, war ein deutsch-französischer Fotograf, Maler und Grafiker. Er gilt als wichtiger Wegbereiter des Tachismus und Ahnherr des Informel.
Wols künstlerisches Werk entstand ausschließlich in Frankreich, wohin er 1932 ausgewandert war. Vom Surrealismus und den Bauhausmeistern inspiriert und ohne professionelle Ausbildung, schuf er, nach einer kurzen Phase als Fotograf, zunächst surrealistische und später informelle Zeichnungen und Gemälde. Insbesondere die in Öl gemalten Werke seiner späteren Phase beeinflussten französische und deutsche Maler des Informel. Jean-Paul Sartre und andere französische Schriftsteller schätzten ihn als Buchillustrator.

Werke von Wols wurden postum auf der documenta (1955), documenta II (1959) und documenta III (1964) sowie in einer umfangreichen Werkübersicht auf der XXIX. Biennale in Venedig (1958) gezeigt.


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