Kunst | Jackson Pollock | Shooting Star | Action Painting

Das Werk Pollocks brachte eine ganz neue Form des Malens. Es war eine Malerei außerhalb der bisher gültigen Begriffe von Dekor, Form, Komposition, Raum. Fläche war reines Begehungsfeld, das durch die automatisch geführten Energien der Linie, der Farbe und deren räumliche Impulse aktiviert wurde und durch die reine handelnde Energie, durch die reine Aktion des Malens ein Geflecht von Spuren entwarf, das als unmittelbare Ausdrucksschrift das seelisch Zuständliche festhielt, das Drama des Menschen, die lyrische Empfindung, die Erregung der Existenz.

Was entstand, waren Tafeln von starker meditativer Kraft, in deren Netzwerk nicht allein das Existenzbewusstsein des Malers verstrickt ist, sondern durch das auch das Bewusstsein und die Phantasie des Betrachters erhellende Anstösse erhält. Ich möchte hier einen Satz von Leonardo da Vinci anwenden, der einmal von der anregenden Faszination alter fleckiger Mauern für ein phantasievolles Auge spricht: – «Es geschieht bei derlei Mauern (und wir sagen bei derlei Bildern) wie beim Klang der Glocken, in deren Schlägen du jeden Namen und jedes Wort hörst, die du dir einbildest.»

Pollock war ein unintellektueller, schweigsamer, schwieriger Mensch, der wie Wols eine selbstzerstörerische Neigung zum Trinken hatte. Er starb 1956 bei einem Autounfall, dessen tiefere Ursache wohl sein immer wachsender Lebensüberdruss war.

Pollock gelang 1947 der Durchbruch zu jenem Stil, der ihn berühmt machen sollte, zu den Farbgeflechten, die er mittels einer Tropftechnik schuf seine meist grossformatigen Werke entstanden ohne Staffelei. Palette und Pinsel. Pollocks Bilder sind geträufelte Spuren tänzerischer, oft halluzinierter Bewegungen. Pollock hatte über den chilenischen Surrealisten Matta André Bretons Theorien des Automatismus und der persönlichen Mythologie kennengelernt, die ihn befähigten, aus den künstlerischen Konventionen auszubrechen und eine Malerei der absoluten Freiheit und Spontaneität zu begründen.

Nicht weniger nachhaltig wirksame Ausdrucksformen fanden in den späten 1940er Jahren Rothko, Clifford Still, Motherwell, Barnett Newman und Adolph Gottlieb. Die Betonung des Irrationalen und eine tiefe Abneigung gegen alles Akademische vermochte diese New Yorker Künstler miteinander zu verbinden.


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