Kunst | Ferdinand Hodler | Die Mont-Blanc-Kette & der Genfersee

FERDINAND HODLER | Mont-Blanc-Kette und Genfersee
1918 | Öl auf Leinwand | 59×80 cm.

trennlinie2

ÜBER DAS WERK: Der Übergang von der Kunst des neunzehnten zu der des zwanzigsten Jahrhunderts ist in der Schweiz von der überragenden Gestalt Ferdinand Hodlers bestimmt. Man hat mit Recht von ihm gesagt, dass er «durch seine strenge, männliche, kühne und harte Kunst ein Mensch ist, in dem sich das Universum ballt und der sich davon ein Bild schafft». Sein Expressionismus hat eine Epoche – und nicht nur in der Schweiz – beeinflusst. Seine Begabung kannte keine Grenzen, keine strengen Formeln oder Verfahrensweisen; er hat, was er gelernt hat, auf ganz einmalige Art vertieft und vereinfacht. Mehr als jeder andere Schweizer Maler hat Hodler die Monumentalität der schweizerischen Landschaft zu erfassen vermocht.
Er schrieb dazu: «Die Landschaft, in der wir leben, ist ein Teil von uns, wie wenn es unser Vater oder unsere Mutter wäre.» Zwei Gegenstände beherrschen seine Landschaftsmalerei: die Alpen und die Seen. Für die Darstellung der Alpen hat er eine monumentale Sprache gefunden, für die der Seen eine harmonisch schmiegsame. In seinem Todesjahr 1918 wandte sich Hodler wieder der Genfersee-Landschaft zu. Mehr als vierzig Jahre zuvor, 1876, hatte er einen «Abend am Genfersee» gemalt, und im Jahr 1878 eine Ansicht vom Quai du Mont-Blanc aus. Der junge Maler war damals auf dem Wege zu einer freudigen Pleinair-Malerei. Die Perspektive der späten Genfersee-Landschaften, zu denen das abgebildete Werk gehört, ist eine ganz andere. Der kranke Maler arbeitet am Fenster seiner Wohnung am Quai du Mont-Blanc. Mit wenigen kraftvollen Strichen setzt er die Uferformen und die Silhouette der Savoyer Alpen ins Bild; fort bleibt alles Überflüssige, alles Erklügelte; die Palette ist schmiegsam und subtil geworden.

Es gibt im Werk Hodlers kaum so bewegende Bilder wie diese spätesten, aufs äußerste vereinfachten Landschaften, die von einer gelösten Heiterkeit sind, einer erstaunlichen, kühnen Weitatmigkeit der Form. Sie sind für uns wie der letzte Gruß und die letzte Botschaft dieses Malers, der einen so entscheidenden Einfluss auf die Schweizer Malerei ausgeübt hat.

ÜBER DEN MALER: Ferdinand Hodler ist 1853 in Bern als Sohn kleiner Handwerksleute geboren. Seine Lehre erhält er in Thun bei einem «Hersteller» von Landschaftsveduten für die Fremdenindustrie. Im Jahr 1870 zieht er nach Genfund macht dort Auftragsmalereien und Gelegenheitsarbeiten. Er lernt Barthélémy Menn kennen, der zu seinem wichtigsten Lehrmeister wird. Mit fünfundzwanzig Jahren reist er nach Spanien und verbringt einige Monate in Madrid und Villalba. Danach lebt er zunächst in Genf im grössten Elend. Ein nicht endender Kampf für seine künstlerischen Ideen beginnt, der ihm sein Leben lang erbitterte Feinde schafft. In späteren Jahren folgen kürzere Aufenthalte in verschiedenen Gegenden der Schweiz, Reisen ins Ausland, nach Paris, Berlin, Wien, wo aufgeschlossene Kunstkreise in ihm einen grossen Neuerer erkennen. In den frühen Werken Hodlers tritt das alemannische Element stark hervor, das Licht ist kräftig und zugleich kalt, derb erscheinen die Details. Bald aber schlägt sich auch der Einfluss Corots und Menns in den Bildern nieder, und im Gesamtwerk treten nordische und mediterrane Auffassung zu einem Ganzen von unverwechselbarer Eigenart zusammen. Durch die flüchtige Erscheinung der Realität hindurch erfasst der Maler den Gehalt. Das Gegenständliche geht auf in der Komposition; Hodler braucht es, um an ihm das Ideale fassbar zu machen


Also published on Medium.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!
%d Bloggern gefällt das: