Kunst die aus dem Abfall kommt – Ausdruck der Männlichkeit

Heute eher üblich, in den frühen 1970ern nicht.  Aus dieser Zeit stammen diese Aufnahmen. Kunst aus Abfall
Eine Dose Tomatensuppe: in Europa oder den USA hätte man diese wahrscheinlich fotografisch getreu abgemalt und das Kunstwerk dann der Popart zugeordnet. Würde sich jemand eine Konservendose im Ohrläppchen tragen, würde er zumindest belächelt. In Kenia und Tansania, bei den Massai,  ist dies jedoch ein Zeichen der Männlichkeit und anerkannter Ausdruck der Persönlichkeit. Was haben wir hier als äquivalentes Symbol? Die künstlich geschaffene Glatze? Das Tattoo? Die Rolex? 
Bei den Massai ist es Sitte, den Jungs im Alter zwischen 4 und 7 die Ohrläppchen zu durchbohren. An diesem festlichen Tag erhalten sie auch ihren eigentlichen Namen, denn bis dahin tragen alle Massais einen „falschen“ – um den Tod in die Irre zu führen. Durch diese Prozedur werden sie in den Stamm aufgenommen und mit blauen und roten Perlschnüren geschmückt, die zwei Eigenschaften des Gottes „enkAi“ symbolisieren: seinen Zorn und seine Güte. 
Mit Steinen und schweren Gegenständen versuchen die Mütter und später die Jungen selbst, die Löcher in ihren Ohrläppchen offen zu halten und zu erweitern.
Am Tage ihrer Geschlechtsreife werden die jungen Männer beschnitten und gelten als vollwertige Krieger und Jäger des Stammes; sie dürfen sich dann auch „ihr“ Zeichen wählen, mit dem sie ein leben lang geschmückt bleiben. 
Früher waren es Steine mit unterschiedlichen Maserungen, die man als Ohrschmuck wählte. Heute sind es die Gegenstände, die ihnen die „Zivilisation“ als Abfall hinterlässt. Die Erklärung für diesen Bruch mit der Tradition ist einfach: Sicherheitsnadeln, Fassungen von Glühbirnen und Konservenbüchsen sind leichter, bunter, auffälliger als Steine.
Für ein kleines Modellgeld stellen sich die Massai mit dem Zeugnis ihrer Männlichkeit gern den Knippstouristen. Aber jeder, der versucht, ihren Schmück vom Müllplatz zu berühren wird augenblicklich zur persona non grata. Diese Geste gestatten sie nur sich selbst…oder dem Mädchen das sie lieben…

Wie könnte eine vergleichbare Tradition in unserer Heimat aussehen? Gabe es diese mal? Ist es nicht schade, dass heute so vieles bedeutungslos ist? 

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