Jörg Schulenburg | Über das Musikmachen

Jörg Schulenburg
Jörg Schulenburg

Bist Du ein musikalischer Mensch?
Musik ist seit meiner Kindheit ein fester Bestandteil meines Lebens. In der ersten oder zweiten Klasse machten wir einen Schulausflug ins Kulturhaus von Wittenberge, wo wir ein Orchester hörten und die verschiedenen Instrumente kennen lernten. Das war für mich wohl der Auslöser, dass ich auch ein Instrument lernen wollte. Auch in meiner Familie war Musik immer gegenwärtig. Mein Opa leitete jahrzehntelang den Gemeindechor der Schweriner Baptisten und hatte sich das Geigespiel selbst beigebracht. Die Stimmen spielte er den Sängern auf der Geige vor.

Das erste Instrument, was ich an der Musikschule lernte, war die Blockflöte. Dazu bekam ich gleich einen ganzen  Sack von Grundlagen, denn Notenlehre wurde in der DDR-Musikschule als extra Fach für jeden Schüler unterrichtet.  So vorgebildet war es für mich pippifax, wie wir  in der Grundschule mit Silben und Handzeichen (do, re, mi, …) ans Notenlernen herangeführt werden sollten. Ein erweitertes musikalisches Verständnis oder gar die Förderung des Vom-Blatt-Singens, welche durch die Solmisation bewirkt werden soll, konnte ich damals bei keinem meiner Klassenkameraden beobachten. Nach der Blockflöte lernte ich etwa ein dreiviertel Jahr das Geigespielen, konnte aber mit der Griffhaltung nicht warm werden. Mein Arm war dabei zu verspannt. Also wich ich auf die Oboe aus, welche mir auch gefallen hatte. Dieses Instrument lernte ich etwa 3 oder 4 Jahre und spielte es im Musikschulorchester und im Blasorchester des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) Wittenberge, in dem ich nach der POS (10-klassige Schule der DDR) meine Ausbildung zum Zerspanungsfacharbeiter machte und dann noch 2 Jahre arbeitete. Neben dem Instrumentalspiel sang ich auch im Gemeindechor und später im DDR-Jugendchor imPuls, der zwischen 1986 und 1990 mehrere Tourneen durch die DDR und verschiedene Länder der sozialistischen Bruderstaaten machte. Einen örtlichen Kirchenjugendchor von Baptisten und Landeskirchlern habe ich in Wittenberge in den 1980er Jahren geleitet und dirigiert.

Um nun auf deine Frage zurück zu kommen: Ich würde mich als musikalisch bezeichnen. Mein Klassenleiter in der 5.-10. Klasse bezeichnete mich gerne mit dem Spitznamen „Generalmusikdirektor“.

Wie bist Du dazu gekommen, Klavier zu lernen? Gibt es eine Geschichte dazu?
Solange ich mich erinnern kann, habe ich mit meinen Fingern Melodien geklopft, wenn ich ein Lied oder eine Melodie vor mir her summte; ohne dass es bestimmte Noten waren, die ich mir dabei vorstellte. Als Kind hatte ich auch den Traum gehabt, einmal Orgelbauer zu werden. Bedingung wäre aber gewesen, dass ich Klavierspielen könnte, was aber nicht der Fall war. Grundsätzlich hat mir – so weit ich mich erinnere – aber meine extreme Kurzsichtigkeit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Brillenträger waren wohl in diesem Beruf nicht erwünscht.

Ich war eigentlich immer fasziniert von der Fähigkeit der Pianisten, mich zu begleiten, wenn ich Oboe spielte. Auch für den Chorgesang war das Klavier eine perfekte Unterstützung. Aber irgendwie fehlte mir die Möglichkeit. Wir hatten kein Klavier zu Hause, hätten uns auch keines leisten können, geschweige denn den Platz dafür gehabt. Also nahm ich es, wie es war, und dachte gar nicht darüber nach, was wäre wenn…

Warum ausgerechnet Klavier?
In der Woche vor meinem 41. Geburtstag (am 21.2.2011) besuchte ich das Musikhaus Althen und Klausen in Schwerin. Während ich in dem Laden war, spielte der Verkäufer anderen Kunden etwas auf verschiedenen E-Pianos vor. Wieder einmal war ich fasziniert von dem Klang und den Möglichkeiten dieses Instruments. Kurze Zeit davor war meine liebe Mutti an einem furchtbaren Hirn-Krebsleiden gestorben, und ich hatte aus der Erbschaft etwas Geld zur Verfügung. Also überlegte ich nicht lange, sondern fasste den Beschluss, so schnell wie möglich mit dem Klavierlernen zu beginnen und mir ein E-Piano dafür zu kaufen. Schon eine Woche später hatte ich meine erste Klavierunterrichtsstunde bei Barbara Sielaff (in Hamburg), welche ich über Google gefunden hatte. Das E-Piano kam dann ein paar Tage später bei mir an. Vorher nutzte ich noch das Klavier zum Üben, was in der Aula der Schule herum stand, in welcher ich als Horterzieher arbeitete.

Wie sind Deine bisherigen Erfahrungen mit dem Lernen?
Ich denke mal, dass du das Lernen des Klavierspielens meinst. Schon in der ersten Unterrichtsstunde wurde ich von Barbara ordentlich gefordert. Als wir geklärt hatten, dass ich schon Noten lesen kann, aber keine Noten dabei hatte, meinte sie, dass sie schon ausreichend Noten hätte, so dass wir auch etwas Passendes finden würden. So begann ich mit dem Üben von „Leilas Theme“ aus dem Film Barfuß. Als Barbara meinte, dass es schon ganz gut ging – in der ersten Stunde – sollte ich dann auch gleich noch versuchen, ob ich das Pedal dazu bedienen könne. In meinem Kopf ging aber erst mal alles ganz schön durcheinander. Jetzt musste ich also gleich noch den Fuß mit beiden Händen koordinieren. Aber mit ein bisschen Übung ging das dann auch.

Bei der Auswahl der Noten hatte ich immer das Ziel vor Augen, nicht auf der Stelle zu treten. Also ließ ich mich – wieder bei Althen und Claussen in Schwerin – beraten und wählte mir ein Buch mit Übungsstücken mit wachsendem Schwierigkeitsgrad (Anne Terzibaschitsch: Tastenträume) und ein Buch mit relativ leichten Vorspielstücken, welches meinen Geschmack traf (Country Rock und Western – Piano Keyboard – easy to play). Beides zusammen war ein guter Einstieg und ich kam schnell mit dem Lernen voran. Jede Woche ging ich zum Unterricht und täglich übte ich. So hatte ich schon schnell ein recht großes Repertoire an Stücken gelernt.

Welche Etappenziele hast Du bisher erreicht?
Eine Herausforderung, aber auch ein Höhepunkt waren die Schülerkonzerte, welche Barbara Sielaff halbjährlich für ihre großen und kleinen, jungen und älteren  Schüler durchführte. Meine Nervosität war immer groß. Doch trotzdem war es ein gutes Gefühl, zu demonstrieren, was ich bisher gelernt hatte, und zu sehen, wie es die anderen Schüler angingen.

Schon im Oktober 2012 begann ich meinem Nachbarn Unterricht auf dem Klavier zu geben. Er hatte gehört, wie ich das Stück „Rondo alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart übte, und da er Türke ist und sich für klassische Musik begeistert, wollte er das auch gerne lernen. Einige Zeit später bekam ich dann noch eine zweite Klavierschülerin, welche jetzt schon seit fast 2 Jahren dabei ist. Sie lernt das Klavierspiel ganz klassisch von Anfang an, während mein Nachbar sich gleich Stücke raussuchte, an denen er zwischendrin auch wieder scheiterte, weil sie für ihn dann doch zu schwer waren.

Wie gehst Du mit „Niederlagen“ um? Manchmal hat man ja so Tage…
Im Dezember 2012 entschied ich mich, mir nun das größere Tasteninstrument – die Orgel – vorzunehmen, und mir einen Lehrer zu suchen, bei dem ich das Instrument spielen lernen könnte. Vom Klavierunterricht meldete ich mich gleichzeitig ab. Nachdem ich ein paar Stunden Unterricht bei dem Kantor Paul Fasang genommen hatte wurde ich von der fehlenden Möglichkeit, regelmäßig an der Orgel zu üben, und von meinen erschöpften finanziellen Mitteln gezwungen, den Traum vorerst aufzugeben.

Ich behalte den Traum sicherlich im Hinterkopf, bemühe mich aber nicht, etwas zu erzwingen. Beständigkeit und Ausdauer sind meine „Geheimwaffen“.

Hast Du Tipps für Anfänger? Bez. Stückauswahl, Technik, etc.
Anfängern wünsche ich einen Lehrer oder eine Lehrerin, die wie Barbara Sielaff auf die Wünsche und Geschmäcker ihrer Schüler eingeht und nicht steif vorgibt, was der Schüler zu spielen hat. Dann kann der Anfänger mit dem Lehrer klären, ob etwas schon machbar ist oder eher noch nicht. Zur Not lehrt auch der Versuch, einen Gang zurück zu schalten.

Ansonsten ist Beharrlichkeit beim Üben das einzige Mittel, Hürden zu nehmen und Ziele zu erreichen.

Beitragsfoto: Jörg Schulenburg

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