Jeffrey Eugenides • Middlesex • Roman über das Leben als Hermaphrodit

Jeffrey Eugenides • Middlesex • Roman über das Leben als Hermaphrodit

BuchCover
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Middlesex erzählt die Geschichte des Menschen Cal, der ein Hermaphrodit ist, d.h. er trägt beide Geschlechtsmerkmale in sich. Aufgewachsen als Mädchen – seine echte körperliche Beschaffenheit war nicht  leicht zu erkennen –  litt Cal darunter „anders“ zu sein, ohne sich über das Ausmaß des „anders“ im Klaren zu sein. Seine Lebensgeschichte erzählt der Protagonist selbst, durchsetzt mit kleinen Episoden seines heutigen Lebens in Berlin.

Es geht um die Zerrissenheit zwischen griechisch und amerikanisch, und die Zerrissenheit zwischen weiblich und männlich. Ein unendliches Verwirrspiel der Gefühle und Wünsche baut sich auf.  Diese vortrefflich erzählte Familiengeschichte ist frei von Voyeurismus, Selbstmitleid oder Schmalz. Das ungewöhnliche Thema, der fast journalistisch anmutende Erzählstil und die Schönheit der Sprache haben Eugenides zu Recht den Pulitzer-Preis eingebracht.

Inhaltsangabe

[avatar user=“JonasRehbaum“ size=“thumbnail“ align=“left“ link=“http://derblaueritter.de/janosz-rehbaum-philosophischer-antiquar-sammler/“]Janosz Rehbaum[/avatar]

In einem griechischen Bergdorf am Hang des kleinasiatischen Olymp fing alles an. Ein junger Mann und eine junge Frau, die Geschwister Eleutherios und Desdemona Stephanides, fliehen vor den Türken nach Smyrna und, als die Stadt brennt, weiter nach Amerika. Es ist das Jahr 1922. Auf dem Schiff, weit weg von allem, erschaffen sie sich als einander Unbekannte neu: Sie heiraten, verbringen ihre erste gemeinsame Nacht in einem Rettungsboot. Die Achterbahnfahrt eines mutierten Gens, Generationen vorher unter Ziegengemecker und Olivengetrommel begonnen, ist nicht mehr aufzuhalten. In Detroit, der Stadt der Autos, Hotdogs und Rassenunruhen, läßt es sich nieder – federleicht erst in Milton, dem Sohn, und dann, mit aller Macht, in der Enkeltochter Calliope. Für Desdemona, die Großmutter, erfüllt sich, was sie als Antwort auf ihr Vergehen längst befürchtet hat: Etwas Unfaßliches geschieht. Das Mädchen Callie ist ein Junge und nennt sich Cal. Und eine neue Odyssee beginnt. Im Berlin-Schöneberg der neunziger Jahre erzählt Cal Stephanides, wieder ein Grieche unter Türken, von der mehr als siebzig Jahre umspannenden Lebens- und Liebesgeschichte seiner griechischen Einwandererfamilie. Er erzählt vom Sich-Durchschlagen-Müssen als Rumschmuggler und Inhaber einer unterirdischen Schummerkneipe, erzählt vom Aufstieg und Niedergang der amerikanischen Automobilindustrie und von einer Klarinette, die auf der Haut eines Mädchens schmachtende Töne erzeugt. Er erzählt vom heiligen Christopherus, der Miltons Leben rettet, und vom Liebesschmerz des Nebenbuhlers Father Mike. Vor allem aber erzählt er von dem, was sich die griechischen Götter nicht haben träumen lassen: von Vererbung und Genetik und der abenteuerlichen Reise eines Gens. Mit überbordender Phantasie erzählt Jeffrey Eugenides die Lebens- und Liebesgeschichten einer griechischen Einwandererfamilie, bündelt sie zu einer virtuosen Mischung aus modernem Gesellschafts- und Picaroroman. „Ein zutiefst berührendes Porträt einer ins 20. Jahrhundert verstrickten Familie“, schrieb die New York Times, „ein Roman von turmhoher Kraft.“

Rodrigo Fernandez - Eigenes Werk American writer Jeffrey Eugenides at the Miami Book Fair International 2011
Rodrigo Fernandez – Eigenes Werk – American writer Jeffrey Eugenides at the Miami Book Fair International 2011

Der Autor
Jeffrey Eugenides, geboren 1960 in Detroit/Michigan, bekam 2003 für seinen weltweit gefeierten Roman „Middlesex“ den Pulitzer-Preis und den „Welt“-Literaturpreis verliehen. Sein erster Roman „Die Selbstmord-Schwestern“ wurde 1999 von Sofia Coppola verfilmt. Außerdem veröffentlichte er den Erzählungsband „Air Mail“ und „Der Spatz meiner Herrin ist tot. Große Liebesgeschichten der Weltliteratur“. Er lehrt Creative Writing an der Princeton University in New Jersey. (Quelle: Rowohlt Verlag)

Auszeichnungen
2003 Pulitzer-Preis für den Roman Middlesex
2003 WELT-Literaturpreis
Berlin Prize Fellow Class of Spring 2001 der American Academy in Berlin
2013 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences

Randbemerkungen
1999 – Verfilmung seines Buches „Die Selbstmord-Schwestern“ The Virgin Suicides, Regie Sofia Coppola

Die Familie seiner Mutter ist englisch-irischer, die seines Vaters griechischer Abstammung.

“Es gibt Leute, die sich nie verliebt hätten, wenn sie nicht von der Liebe hätten sprechen hören”

Diesen Satz von François de La Rochefoucauld hat Jeffrey Eugenides seinem Roman “Die Liebeshandlung” vorangestellt.

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