Ich liebe Dich – Rasul Gamsatov

Paul Edouard Richard Sohn (1834 - 1912) Das Liebesgeständnis Öl/Holz, 32 x 23,5 cm, r. u. sign. u. dat. R. Sohn 79, verso alter Ausstellungsaufkleber des Düsseldorfer Künstlervereins mit Betitelung. - Bildnis- u. Genremaler, Schüler seines Vaters Carl Ferdinand Sohn, studierte an der Düsseldorfer Akademie bei Schadow u. R. Jordan, Studienreisen nach Paris. - Lit.: Boetticher, Thieme-Becker, Bénézit.
Paul Edouard Richard Sohn (1834 – 1912) Das Liebesgeständnis Öl/Holz, 32 x 23,5 cm, r. u. sign. u. dat. R. Sohn 79

Ein junger Mann verliebte sich einst in ein schönes Mädchen.

Die drei Worte „Ich liebe dich“ gedachte er ihr zu schreiben.

Doch nicht in einem Brief, sondern überall, wo des Mädchens Blick hinfiel auf eine Felswand, auf den Pfad, der zur Quelle führte, die Wand ihres Hauses, auf seinen Pandur.

Keine schlechte Idee. Doch dem Ärmsten fiel überdies ein, diese Worte in allen daghestanischen Sprachen zu schreiben.

Er machte sich also auf den Weg und glaubte, er würde bald wiederkommen.

Doch da irrte er sich. In jedem Aul lauteten die Worte anders:

Dije mun jokjula (awarisch)

Sas wun kjauda (lesgisch)

Ttun ina tschtschai bura (lakisch)

Chjunab rigulra (darginisch)

Men seni sjujeman (kumykisch)

Usus uwu kkundusus (täbassaranisch)

Me tjure chosdenjum (tatisch)

Und in den Aulen Botlich, Tschoch, Zumadi, Zunti heißt es auch anders.

Man sagt, der Verliebte wandere immer noch durchs Gebirge.

Seine Angebetete hat längst Kinder und Enkel,

ihr treuer Ritter aber sammelt weiter die Worte.

„Wie heißt in eurer Sprache ,lch liebe dich!‘?“

fragte der nun schon Greise einen Jüngling.

Der umschlang das Mädchen an seiner Seite

und erwiderte: „So sage ich das.“

Rasul Gamsatov - 1968
Rasul Gamsatov – 1968

(Aus dem Buch „Mein Daghestan“ von Rasul Gamsatov)

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