Hoffnung auf Neues – Über Weihnacht als Tradition

Die Weihnachtszeit ist mit vielen, meist vergessenen Traditionen vermischt. Einst wurde zur Zeit der Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres, die Mutternacht gefeiert. Damals wurde die Geburt neuen Lebens noch der Großen Mutter zugeschrieben. Am nördlichen Himmel stehen in dieser Jahreszeit die beiden Sternbilder des Großen und Kleinen Bären dicht beieinander. Ursa Major, die große Bärin, bringt Ursa Minor, die kleine Bärin, zur Welt – neues Leben und neues Licht.Aus der germanischen Zeit kommt der Vorläufer des heutigen Weihnachtsfests. Am „Julfest“ wird die Geburt der Sonne und des Lichts gefeiert. In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten auch heute noch „Jul“.
Das Wissen um die Geburt neuen Lebens bindet den Menschen in den Kreislauf der Schöpfung ein. Daher ist dieses Fest auch in der christlichen Form der Weihnacht für viele mit neuer Hoffnung verbunden. Das spiegelt sich auch in dem Brauch, immergrüne Zweige ins Haus zu holen. Von den Kelten stammen die Mistelzweige, die in der Weihnachtszeit an vielen Haustüren hängen. Die Barbarazweige, die am 4. Dezember, dem Barbaratag, in die Vase gestellt werden, sollen bis Weihnachten Blüten bekommen.
In der Adventszeit zünden wir Kerzen an – auf einem Kranz aus immergrünen Tannenzweigen. Auch der grüne Tannenbaum mitten im Winter ist ein Symbol für die sich immer wieder erneuernde Natur. Zu Weihnachten wird der Baum festlich geschmückt. Wir feiern die Rückkehr des Lichts mit vielen Lichtern, die auf dem Weihnachtsbaum brennen. 

Besinnung auf Neues
Nun ist der Winter eingezogen. Die Erde und viele Tiere schlafen unter einer dicken Schneedecke. Sogar in den Großstädten wird es stiller. Autos müssen auf den glatten Strassen langsam fahren. Der Schnee schluckt viel Lärm. Die Menschen halten sich drinnen im Warmen auf. Unser Körper braucht viel Energie, um warm zu bleiben. Wärmende Getränke und Nahrungsmittel tun uns in dieser Jahreszeit gut: Hirse, Wurzelgemüse, Braten, Eintöpfe, Suppen, Tee, Holunderpunsch, Zimt oder Ingwer.
In diese besinnliche Zeit des Rückzugs nach innen, der Besinnung auf Neues, fällt auch das nächste Fest – Sylvester. In dieser Nacht wird die Ankunft des neuen Jahres und eines neuen Jahreskreises zur Gewissheit. Die Nächte werden merklich kürzer, die Tage wieder heller. Der Brauch, sich an Sylvester neue Ziele zu setzen und sich über eine Neugestaltung des Lebens Gedanken zu machen, schließt an die Zurückgezogenheit an, aus der wir nun mit neuen Ideen wieder auftauchen. Die Tradition des Feuerwerks stammt aus Asien, wo die Dämonen des alten Jahres mit Lärm vertrieben werden.  

Die Rauhnächte
Am 21. Dezember beginnen die Rauhnächte. Das Wort leitet sich von Rauch ab, da früher in dieser Zeit die Häuser geräuchert wurden. Räuchern ist ein altes Reinigungsritual. Altes, nicht mehr Benötigtes wird hinausgefegt, um Platz für das Neue zu schaffen.
Die letzte Rauhnacht am 5. Januar ist eine besondere Nacht – die Holle-Nacht. An diesem Tag arbeiten Frauen nicht, sondern feiern. In manchen Quellen wird der 5. Januar, in anderen der 6. Januar als der Perchtentag überliefert als ein Fest für die Göttin Holle, die im Alpenraum als Percht bekannt ist.
Die Percht ist eine wilde Göttin der Fruchtbarkeit. Sie wird mit dem ewigen Kreislauf von Werden, Vergehen und Wiedergeburt in Zusammenhang gebracht. Am Perchtentag wird nicht geputzt. Es heißt nämlich, die Percht und ihr wildes Gefolge, die Truden, mögen keine Hausarbeit. 

Die drei Bethen und Heiligen drei Könige
Das Fest der Heiligen drei Könige am 6. Januar ist im Alpenraum überliefert als der Tag der drei Bethen. Die drei christlichen Heiligen Katharina, Barbara und Margarete heißen die „heiligen drei Madeln“. In Oberbayern zogen drei „Berchten“ am 6. Januar umher, was wiederum die Verbindung zur Göttin Percht herstellt.
Feiern wir also die Weihnachtszeit mit den erhaltenen Symbolen, die einen gemeinsamen Faden bis in unsere Zeit knüpfen: Sie schenken uns Hoffnung auf Neues.  

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