Hochzeitspaläste und ihre Erbauer

Nicht weniger tüchtige Architekten sind auch die australischen Laubenvögel. Ihren Namen verdanken sie ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, aus herumliegenden Gegenständen unterschiedlich gestaltete bizarre laubenartige Bauten zu errichten. Im Vergleich zu ihnen nehmen sich die Großfußhühner wie armselige Stümper aus. Die Laubenvögel sind Vögel mit Geschmack. Ihre Bauten sind, wie man heute sagen würde, individuell projektiert und dazu noch mit verschiedenen Extras versehen.

Das Baugeschehen geht folgendermaßen vor sich : Inmitten niedriger Büsche, auf Lichtungen und an anderen den Vögeln geeignet erscheinenden Stellen legen die Laubenvogelmännchen Fundamente aus kleinen Gerten. In Abständen von ungefähr einem halben Meter stecken sie (oder befestigen sie irgendwie anders) weitere, etwas längere Stöckchen in die Erde. Die oberen Enden biegen sie aufeinander zu, so dass eine Art Laube mit Satteldach entsteht. Zum Abschluss wird die hübsche Behausung mit Moos, Blumen, Blättern, Pilzen, Muschelschalen und anderen Dingen geschmückt, die wohl das Auge des Laubenvogels erfreuen.

Laubenvogel posierend
Laubenvogel posierend
Foto: Brett Donald - Weiblicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)
Foto: Brett Donald – Weiblicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)

Geschildert ist das alles hier übrigens schnell und einfach: die Vertreter mancher Arten arbeiten aber unermüdlich jahrelang an so einer Laube, und man muss zugeben, überaus produktiv! Einzelne solche Türmchen und Lauben erreichen drei Meter Höhe. Als Europäer zum ersten Mal auf derartige Bauten stießen, vermuteten sie daher, diese seien das Werk von Ureinwohnern, der »Aborigens«.  Die Männchen einiger Arten bringen es zu Fertigkeiten, die die anderer noch übertreffen. So streut der Hüttengärtner vor seiner Laube einen Teppich aus wilden Rosen aus und bestückt ihn mit bunten Früchten. Der Seidenlaubenvogel trägt blaue und gelbe Blüten herbei und streicht anschließend die Laube von innen mit einer Paste eigener Produktion an. Das Rezept ist folgendes: Man nehme etwas Holzkohle, zerkleinere sie mit dem Schnabel, vermische sie mit Speichel, füge das Fleisch einer Frucht zu und streiche mit der blauschwarzen Masse die Innenwände der Laube.

Einige Laubenvogelarten bringen es gar zuwege, bunte Bänder, Zahnbürsten, Messer, Gabeln, Kaffeekännchen und andere  glänzende Gegenstände, bis hin zu Schmuckgegenständen zu stehlen und sie vor der Hütte zu verstreuen. Wie diebische Elstern schleppen sie von überallher alles mögliche heran.

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