Hans Schiebelhuth – Vorlautes Blau – Achtung: Lyrik

Hans Schiebelhuth – Vorlautes Blau

Eisberg - polarblau - robynm - pixabay

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O du mein kleines bißchen vorlautes kräftiges Blau,
Wie um dich einzulassen hat sich das Wandwerk der Wolken verschoben
Daß mein durstiges Wesen dich trinkt.

Treublind wie das Auge des Ewigen
Und heiter verheißend blickst du mich an
Sturmblau mit dem fliegenden Sieg …

Du nimmst mich hin du gibst mich mir zurück
Du bist das Bett darin ich Bergstrom wandre
Ich will durch dich zu unserem Meere münden
Ich dank dir süße Erde daß du bist.

Den Hang hinan, den versunkenen Feldsteig geh ich gern
Morgens die eine ewige Stund zwischen Frührauch und Licht
Getönt ist mit duftigen Wolken von Mohn
Und Zichorien und Raden und Labkraut der Rain.
Bald sind auch die Brombeeren blau …

Auf hellem Berg, karger Halde, im Licht,
Wo in Winden, hungrig nach Weite,
Fluggewölk weiß in die Bläue bricht,
Wo im Geländ verklärte Breite
Vogel, Falter, Blume und Stein
[Pan seine stille] Stunde flicht:
Ja, da möchte ich gerne sein,
Ein Einsiedler oder ein
Hirt, der mit sich selber spricht.

Ob ich nah bin oder fern
Jede Nacht –
Sei sie düster, sei sie Stern-bei-Stern –
Stiehlt mein Herz sich fort und gibt sich still
in deines.
Jede Nacht, jede,
Ach, auch wenn ichs sacht
Zu bleiben berede,
Schmiegt es sich gern
Ganz in dich ein.

Wär die Lieb‘ ein kleines
Sichbemühn um Glück,
Braucht sie nicht so heimlich sein …
Und wär’s ein leichter Stück
Für dich, zwei Herzen zu tragen,
Wie hätt‘ ich tags drauf dann ein Herz zurück
Und müßt‘ fragen,
Obs deines, obs meines?

Davon, daß Du es sagst, wird es noch nicht.
Die Lüge ist positiv die einzige Lebenswaffe,
Die uns geblieben ist.

Du weißt, daß ich es für weise halte, die
Mir gemäßen, d. h. meine eigenen
Dummheiten zu begehen.

Sehnsucht nach Etwas, das nur scheint
Oder kaum oder vielleicht sogar gar nicht
Vorhanden ist.

Das Meer, selbst wo es am tiefsten, ist
Eine Pfütze, die man mit dem Fuß aus-
Treten könnte – und der Himmel eine
Decke, so niedrig, daß man sich bücken
Muß um sich nicht den Kopf anzustoßen –

Ich komme mir vor, als hätte ich vergessen
Den Hut abzunehmen, als man die schöne
Leiche des guten Lebens vorübertrug.

Es soll einst ein Grab nur, ein kleiner Hügel,
ansagen auch Du bist gestorben
Bitter mit den Blumen dahin, mir
Ist eine Dornfalte ins Wesen gewachsen, Schmerz, der mich greift.
Und mir selbst bin ich ein Stachel. Es friert das geduldige Herz.
Winter ist’s.

Ach, Asche tragen alle im Haar,
Die auf Vergangenes schauen
Aus Augen blöd und stumpf vom Star,
Drin Gram und Schauer grauen.
Den Sinn vertrübt, verstummt, vergällt
Du wunderlose Wankelwelt.

Wirf in den Wind, was dich bedrückt …

Ich halte es gut, daß du dich trennst
Und du die Qual des Sonderns kennst.
Und gut, daß dich die Bindung freut,
So daß dich drauf die Fessel reut.

Und blind sein mußt, wo jeder blickt,
Und lachen, wo sich Trösten schickt.
Und still stehn kannst, wo alles rollt,
Und taumeln mußt, wo keiner tollt.

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