Friederike Kempner – Antibrüderlichkeit

Die Bastille in den ersten Tagen ihrer Zerstörung -  Ölgemälde von Hubert Robert (1733–1808) - Jahr 1789
Die Bastille in den ersten Tagen ihrer Zerstörung – Ölgemälde von Hubert Robert (1733–1808) – Jahr 1789


Antibrüderlichkeit

    Sterne, könnt ihr freundlich glänzen,
Wenn das Unerhörteste geschehen,
Könnt ihr gleichgültig herniedersehen,
Wenn das Böse sie bekränzen?
Wenn ein Funken in euch sprühet,
Sterne lodert auf in hellen Flammen,
Nur mit Flammen könnet ihr verdammen,
Was auf Erden hier geschiehet.

   Und Du Erde stille kalte
Birgst in Tiefen Du nicht Feuerschlünde?
Hast Du keine für die ärgste Sünde?
Rüttle Dich, Du kräftge Alte!
Spei sie aus mit einem Zuge:
Unterwelt und heil’ges Himmelsfeuer,
Schlagt zusammen über Ungeheuer,
Und geheuer wird’s im Fluge.


Die Autorin: Friederike Kempner (* 25. Juni 1828 in Opatow, Provinz Posen; † 23. Februar 1904 auf Gut Friederikenhof bei Reichthal, Schlesien) war eine deutsche Dichterin.

Friederike_KempnerFriederike Kempner war eine produktive Autorin von Streitschriften, Novellen und Dramen. Als ihr einflussreichstes Werk gilt die Denkschrift über die Nothwendigkeit einer gesetzlichen Einführung von Leichenhäusern, die es zwischen 1850 und 1867 auf sechs Auflagen brachte. Auch das couragierte Büchlein von der Menschheit. Mit einem Anhange: Gegen die Einzelhaft oder das Zellengefängniß wurde mehrfach (1884 und 1885) gedruckt.

Ihre zahlreichen, vorwiegend historischen Stoffen gewidmeten Dramen (u. a. 1850: Berenize, 1880: Antigonos, 1886: Jahel, 1888: Der faule Fleck im Staate Dänemark oder: Eine lustige Heirath) fanden eher als Lesetexte denn auf den Bühnen Verbreitung; aufgeführt (1873 am Berliner Stadttheater und 1874 am Breslauer Lobetheater) wurde wohl einzig Rudolf der Zweite oder der Majestätsbrief aus dem Jahre 1867 (2. Aufl. 1896). Auch ihre Prosaschriften (u. a. 1861: Novellen, 1893: Roger Bacon, 1898: In der Goldenen Gans und Eine Frage Friedrich’s des Grossen) fanden ihre Leserschaft, blieben aber – wie die Dramen – von der Literaturkritik weitgehend unbeachtet.

Fast einzigartige Berühmtheit erlangte Friederike Kempner als Lyrikerin. Ihre Gedichte, zuerst 1873 erschienen, lagen 1903 bereits in der achten Auflage vor. Zu diesem Zeitpunkt war sie von der Literaturkritik längst zur Großmeisterin der unfreiwilligen Komik erklärt und auf die Spottnamen „schlesische Nachtigall“ und „schlesischer Schwan“ getauft worden. Der Schriftsteller Paul Lindau hatte ihre Gedichte 1880 in der von ihm selbst herausgegebenen Wochenschrift Die Gegenwart auf höchst ironische Weise vorgestellt und so ein breites Lesepublikum auf Kempners abenteuerliche Missgriffe bei Wortschöpfungen, Metaphern und Reimen hingewiesen (über Paris: „Ihr wißt wohl, wen ich meine | Die Stadt liegt an der Seine“). – Quelle: wikipedia

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